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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

6 
81 
für die Kursschwankungen der Devisen eine obere und eine untere Grenze gegeben, 
solange in beiden Ländern die ans Ausland zahlenden Kaufleute genug Gold 
münzen in der Hand haben. 
Der letzte Zusatz ist wichtig. Wenn ein deutscher Kaufmann nur Mark 
noten hat, so kann er sich jederzeit Gold bei der Deutschen Reichsbank besorgen, 
da dieselbe verpflichtet ist, die Marknoten in Gold einzulösen. Das gleiche gilt 
aber nicht für Österreich-Ungarn, denn die Notenbank der Monarchie ist nicht 
verpflichtet, für die Noten Gold herzugeben, obgleich diese Verpflich 
tung auf jeder Note aufgedruckt isL In dem gleichem Statut, welches 
die Bank verpflichtet, auf jede Note aufzudrucken, daß sie in Metallgeld eingelöst 
wird, befindet sich ein Paragraph, der die Bank von dieser Verpflichtung entbindet. 
Das ist historisch zu erklären. Man nahm an, daß der Zustand der fehlenden 
Barzahlung nur ein provisorischer sei. Aber selbst wenn die österreichisch-unga 
rische Bank die Barzahlungen aufnehmen würde, könnte der Kaufmann nicht damit 
rechnen, Gold zu erhalten, da ihm die Bank jederzeit Silbergulden auf drängen 
könnte, weil Silbergulden — obgleich sie Zeichengeld sind — in unbeschränkte^ 
Menge in Zahlung genommen werden müssen, ohne daß man für sie Goldmünzen 
erhalten könnte. 
Da nun Österreich-Ungarn dem Kaufmann, der eine Zahlung nach Deutsch 
land zu leisten hat, kein Gold zur Verfügung stellt und wenig Gold im Umlauf 
ist, kann der Kaufmann in Österreich-Ungarn nicht wie der Deutsche erklären: 
„Wenn der Devisenkurs zu hoch steigt, exportiere ich Gold.“ Es könnte daher 
nach dem bisher Gesagten deh Devisenkurs der englischen, französischen und 
deutschen Devisen in Wien oder Budapest ohne Grenzen ansteigen. Damit dies 
aber nicht geschieht, hat die Bank die gesetzliche Verpflichtung, Devisen zu 
einem annehmbaren Kurse abzugeben. Die obere Grenze, zu der die Bank 
noch Devisen abgeben darf, ist aus Geschäftsrücksichten in einem Geheimvertrag 
zwischen den Regierungen und der österreichisch-ungarischen Bank festgesetzt 
worden. 
In Deutschland kann das Schwanken der Devisenkurse dadurch zwischen zwei 
Grenzen eingeschlossen werden, daß ein Kilogramm Gold zu einem bestimmten 
Preis gekauft wird und daß für Noten jederzeit Gold abgegeben wird. In Öster 
reich-Ungarn ist das erste Mittel ebenfalls in Verwendung, das zweite ist aber 
durch die Maßnahme ersetzt, daß statt Gold Devisen abgegeben werden. Die Tat 
sache, daß die Noten der österreichisch-ungarischen Bank nicht in Gold, sondern 
in Golddevisen einlöslich sind, gibt der Bank eine große Macht auf dem Geld 
märkte. Nicht der einzelne Kaufmann kann Goldversendungen vornehmen, viel 
leicht zum Schaden des gesamten Zahlungswesens, sondern in großem Umfang 
nur die österreichisch-ungarische Bank, welche den geeigneten Zeitpunkt zu 
wählen und Devisenkurssteigerungen zu hemmen vermag, die häufig dazu dienten, 
daß einzelne Spekulanten Vorteile, die Warenimporteure aber z. B. Nachteile 
hatten. Wir sehen, daß die Währung eng mit dem zwischenstaatlichen Zah 
lungswesen zusammenhängt und daß die Inlandszirkulation wesentlich andere 
Vorkehrungen erheischt, als die Auslandszirkulation. 
Es fragt sich nun, weshalb denn überhaupt die Aufrechterhaltung der Devisen 
kurse so wichtig ist. Wie ich schon andeutete, ist sie im Interesse des inter 
nationalen Handels gelegen. Wenn die Devisenkurse stark schwanken, dann 
ist dem Kaufmann, der z. B. Waren aus dem Auslande einführt, um sie zu ver 
kaufen, die Kalkulation sehr erschwert. Im allgemeinen wird er ja nicht sofort, 
sondern erst in einigen Monaten zahlen. Sind die Schwankungen der Devisenr 
kurse sehr groß, so kann er unverhofften Gewinn oder unverhofften Verlust 
erleiden, ganz abgesehen davon, daß er zum Börsenspiel geradezu angereizt wird. 
Er kann sich in der Weise vor den Kursschwankungen schützen, daß er ¡mit einer 
Bank einen Vertrag schließt, auf Grund dessen ihm zu einem bestimmten Termin, 
der einige Monate entfernt ist, die Devise zu einem heute schon bestimm 
ten Kurs zugesichert wird. Dafür muß er aber der Bank eine Entschädigung 
für das Risiko zahlen, welches sie trägt, so daß die Devisenschwankungen ständig 
den Import belasten. Soweit dadurch der Import erschwert wird, könnte man 
von einer Art Schutzzoll sprechen, nur daß dieser Schutzzoll die Eigenschaft hat,
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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