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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

85 
aus einem Goldverkauf, der im Zeitpunkt tg staltgefunden hat, die andere ausi 
einer Wechseldiskontierung, die im Zeitpunkt tg stattgefunden hat. Die Devisen 
verwendet B zur Zahlung an Y im Auslande II. Y verkauft die Devisen gegen! 
Noten an die Notenbank, so wie dies seinerzeit A im Inlande getan hat. Für 
die Notenbank des Auslandes sind dies Wechsel, welche inländische und aus 
ländische Unterschriften tragen. Das Inkasso erfolgt für diese Notenbank in 
ihrem Inland. Die aus dem Goldimport für die Auslandsbank II resultierende 
Wechselschuld ist nun beglichen. Die Devise 1 behält sie noch in ihrem Porte 
feuille, weil sie noch nicht fällig ist. Y kauft mit den zwei Notenmengen zwei 
Warenmengen X, eine, die von X importiert worden war. X ist nun im Be 
sitze von zwei Notenmengen. Die eine verwendet er dazu, seine Wechselschuld 
bei der Notenbank zu zahlen, die andere präsentiert er zur Barzahlung — wir 
wollen annehmen, daß im Auslande II die Barzahlung herrsche. Diese Gold 
menge dient dem X dazu, eine Ware gi aus dem Auslande 1 zu beziehen, wo 
man nur Gold in Zahlung nimmt. Wir können uns auch denken, daß z. B. 
der Wechselkurs im Auslande II gegenüber dem Auslande I so groß ist, daß 
sich der Goldexport rentiere. 
Das von mir hier vorgeführte Schema zeigt uns das Inland im Zustand 
einer passiven Zahlungsbilanz, d. h., es muß mehr Zahlungen an das Ausland 
leisten, als es von dort her empfängt, es hat für mehr Kronen Waren gekauft, 
als verkauft. Den Passivsaldo begleicht die Bank durch Goldexporte. Es 
können auch andere Mittel angewendet werden, z. B. man kann auch eine 
Anleihe aufnehmen, das heißt, die Differenz schuldig bleiben. Durch den Gold 
export kam die Bank, wie wir sahen, in den Besitz von Devisen und konntei 
daher im Inland den Devisenkurs beeinflussen. Man könnte nun die Frage 
aufwerfen, weshalb es denn besser sei, wenn die Notenbank Devisen statt Gold 
abgibt? Wenn Privatleute oder Privatbanken derartige Goldexporte vornehmen, 
so werden sie zuweilen Zeitplunkte auswählen, die zwar ihnen persönlich Vorteile 
bringen, den Regierungen aber und der Gesamtheit schaden. Die Privat 
spekulanten können durch Gold- und Devisenarbitragen Geld verdienen auf 
Kosten der übrigen Staatsbürger. Während die Notenbank im Interesse der 
Gesamtheit auf einen konstanten Kurs hinzuarbeiten verpflichtet ist, ist die Kurs 
schwankung für den Spekulanten die Quelle des Gewinnes. Der Goldexport 
wird von der österreichisch-ungarischen Bank zu einer für den Notendienst 
möglichst günstigen Zeit vorgenommen, während die Privatleute eine solche 
Rücksicht nicht kennen. 
Da man bei Goldexporten kaum ein per Mille verdient, müssen große 
Quanten Gold von Privaten exportiert werden, um solche Aktionen einiger 
maßen rentabel erscheinen zu lassen. Wenn die Notenbank jedermann Gold 
abgeben müßte, kann auch die Arbitrage sich des Goldes bemächtigen. Heute 
ist das nicht möglich. Aber auch die Devisenabgabe erfolgt nicht immer ohne 
weiters. In Zeiten, in denen die Notenbank Grund zur Annahme zu haben 
glaubt, daß eine ihr unerwünschte Devisenarbitrage einsetzt, erschwert sie auch 
die Devisenabgabe, wobei sie Wege findet, differenzierend vorzugehen. 
Sie gibt die Devise dem Rohstoffimporteur, der sie zu Zahlungen braucht, 
dann billiger ab, als etwa dem Arbitrageur, der mit Devisen nur spekulieren 
will. So erklärt sich zlum Teil die Tatsache, daß die Devisenkurse gelegentlich 
über den oberen Goldpunkt hinausgestiegen sind. Wir sehen hier einen Fall vor 
uns, in dem nicht jeder Käufer, der gleichviel für eine Ware bietet, die gleichen 
Rechte hat, sondern ini dem die Käufer differenziert werden nach ihrer sozialen; 
Funktion. Die Bank von Frankreich hat eine ähnliche Politik schon sehr früh 
verfolgt. Die gesetzlichen Bestimmungen gaben ihr das Recht, Gold- oder 
Silbermünzen abzugeben, wenn jemand Noten zur Einlösung präsentierte. Sie 
gab nun zeitweilig, wenn sie es für zweckmäßig fand, nur Silbermünzen ab, 
die als Zeichengeld vor den Noten keinen Vorzug hatten. Wer Gold wollte, 
mußte eine Prämie zahlen. Sie machte aber auch einen Unterschied. Wer 
nachwies, daß er das Gold zur Zahlung von Rohstoffimporten benötigte, wurde 
bevorzugt. , 
Derartige Differenzierungen können im Mobil isierungs- 
und Kriegsfall von entscheidender Bedeutung sein. Die Noten-
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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