301
(= 200% der Selbstkosten;, ein rechnerisch richtiges, wirtschaft
lich-kalkulatorisch ein unmögliches Ergebnis. Bei einem fest
stehenden Verkaufspreis von 90 Mk. braucht man (30x-j-40 000
= 90 x) einen Mindestumsatz von 666 2 / s t, tun durch den Ver
kaufserlös sämtliche Kosten (666 2 / 3 .30 x -j- 40 000 = 60 000) zu
decken. Bei einer Produktion über die Mindestmenge hinaus wird
Gewinn erzielt. Auf eine Tonne Mindesterzeugung entfallen neben
30 Mk. direkte noch 60 Mk. feste Kosten. Für jede Tonne Mehr
produktion mindert sich der durchschnittliche Kostenpreis nach dem
bekannten Gesetz der Praxis: Die letzte Elle ist die billigste:
die
1. der Mehrproduktion kostet
9 Pfg. weniger an
festen Kosten
11
10. „
11 11
88 „
11
ii ii
11
100. „
11 11
783 „
■ 11 11
31 11
11
133'/s. „
11 ’>*•
1000 „
11 11
11 11
11
333 2 /a. „
11 11
2000 „
11 11
11 11
Der Gewinn für jede Tonne der Mehrproduktion muß, als natürliche
Folge der sinkenden Produktionskosten auf die Einheit und im
Durchschnitt gerechnet, gleichfalls ansteigen.
Die Differenzberechnung verteilt den Gewinn auf die Normal-
und die Mehrproduktion in einer von der üblichen abweichenden
Weise. Tatsache ist, daß die Preispolitik des Unternehmers wegen der
sinkenden Selbstkosten beeinflußt werden kann. Er könnte den Ver
kaufspreis der Gesamtproduktion herabsetzen oder die Mehrproduktion
billiger veräußern 1 ), um etwa ein neues Absatzgebiet zu erobern;
man könnte bei der Preisberechnung für die Mehrproduktion sogar
bis zum Betrage der Herstellungskosten (70 Mk.) heruntergehen
(800 t zu 70 Mk. durchschnittliche Selbstkosten, Gewinn 16 000 Mk.;
200 t zu 70 Mk., ohne Nutzen) und auf einen Gewinn verzichten;
der Unternehmer kann die Mehrproduktion anstatt mit einer dem
Mengenverhältnis (8:2) entsprechenden Quote mit einer geringeren
belasten usf. Preispolitische Erwägungen dieser Art stehen aber
mit einer genauen Kostenberechnung nur in einem losem : Zusammen
hang.
Das Leitmotiv eines jeden Industriekaufmanns ist: Die Span
nung zwischen Selbstkosten und Gewinnquote vergrößern, mit den
kleinsten Mitteln die größtmögliche Wirkung erzielen. Die Mittel
’) Ein praktisches Beispiel bringt Le Coutre (die Preisentwicklung in
der Steinkohlengasindustrie, Schriften des Vereins für Sozialpolitik, 142. Band,
1914, S. 77): Der Preisgestaltung wird eine Abnahmemenge zugrunde gelegt und
auf diese die Kosten für Amortisation, Löhne usw. berechnet. Jede Mehrpro
duktion verursacht nur Kosten ftir Kohlen und Beheizung sowie eine geringe
Abnutzungsquote für Ofenverbrauch. Gas, das außer der Lichtbedarfszeit ab
gegeben wird, kann infolgedessen billiger abgegeben werden. (Koch-, Heizgas,
Gas für industrielle Zwecke.)