Full text : Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe

II.  Abschnitt.

Die  Materialkosten.
§  14.  Die  Selbstkostenberechnung  hat  zu  unterscheiden:
1.  Fabrikations-  oder  Produktionsmaterial.  2.  Materialunkosten. ­
  3.  Unkostenmaterial  oder  unproduktives  Material.
Als  Roh-  oder  Fabrikationsmaterial,  das  in  vielen
Betrieben  nach  Haupt-  und  Nebenmaterial  zu  trennen  ist,  gilt  alles,
was  als  Substanz  des  Fabrikats  nach  mechanischer  oder  chemischer
Verarbeitung  bzw.  Bearbeitung  ganz  oder  teilweise  wieder  erscheint.
Materialunkosten  erhöhen  die  Selbstkosten  des  Fabrikationsmaterials:
  Kosten  der  Materialprüfung  und  Materialabnahme,
Bezugsspesen,  Kosten  der  Lagerverwaltung  (Umlagern,  Gehälter,
Löhne,  Reinigung,  Anteil  an  den  allgemeinen  Kosten  wie  Heizung,
Beleuchtung,  Versicherungsgebühren,  Abschreibung  der  Magazinräume), ­
  bei  länger  lagernden  Materialien  Zinsenverluste,  Materialverluste ­
  durch  Lagerung  und  Verarbeitung,  Transporte  der  Arbeitsstoffe ­
  innerhalb  der  Unternehmung  zur  Verwendungsstelle  u.  a.  m.
(vgl.  Materialaufschlag).  Man  verrechnet  die  Materialunkosten  häufig
mit  den  allgemeinen  Betriebsunbosten,  ein  Verfahren,  das  in  Betrieben ­
  mit  spezialisierter  Fabrikation  dann  unzulässig  ist,  wenn
der  Selbstkostenpreis  des  Rohmaterials  für  die  Kalkulation  größere
Bedeutung  hat.
Unkostenmaterial  ist  alles,  was  nicht  in  der  Substanz
des  Fabrikats  sich  wiederfindet,  aber  zu  dessen  Herstellung  erforderlich ­
  ist  (z.  B.  in  der  Eisengießerei  Koks,  Formsand).  Der  Wert
des  Unkostenmaterials  zählt  zu  den  mittelbaren  Aufwendungen  des
Fabrikationsbetriebes,  der  nicht  als  Materialwert  des  Einzelprodukts
kalkuliert  werden  kann.  Unkostenmaterial  wird  mit  den  Betriebsunkosten ­
  bzw.  Werkstattunkosten  verrechnet  (vgl.  allgemeine  Unkosten). ­

Die  Feststellung  des  Verbrauchs 1 )  an  Material  ist
der  Eigenart  des  Betriebes  und  des'  Fabrikationsprozesses  angepaßt.
*)  Auf  die  verschiedenen  Arten  der  Material-  und  Lohnermittelung  kann
hier  nicht  eingegangen  werden;  wir  empfehlen  als  Nachschlagewerke:  Grimshaw,
  Werkstattbetrieb  und  -Organisation,  Hannover,  1903  ,  3.  Aufl.,  1908.
            
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