Full text : Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe

76

geringere  Tagespreis  angerechnet  werden  müssen.  Man  denke  an
die  Zeiten  sinkender  Konjunktur  bei  vorangegangener  Hochkonjunktur, ­
  aus  der  noch  Lieferungsverträge  zu  hohen  Preisen  bestehen.
Für  das  Angebot  müssen  die  billigeren  Tagespreise,  in  der  Nachkalkulation ­
  müssen  die  wirklich  zu  bezahlenden  hohen  Einkaufskosten ­
  angesetzt  werden.  Die  teueren  Lagerbestände  müssen  abgestoßen ­
  und  neue  Materialien  zu  billigeren  Preisen  hereingenommen
werden,  während  die  Lieferungsverträge  zu  hohen  Bezugspreisen
erfüllt  werden  müssen.  Bei  steigenden  Materialpreisen  kann  der
Materialpreisgewinn  ausgenutzt,  der  anzubietende  Verkaufspreis  entsprechend ­
  hinaufgesetzt  werden,  trotz  der  vorhandenen  billigeren
Lagerbestände:  im  Bruttogewinn  der  Unternehmung  steckt  ein
Materialpreisgewinn  als  Folge  der  schwankenden  Marktpreise.  In
die  Nachkalkulation  werden  die  wirklich  bezahlten  Einkaufspreise
eingestellt.  Der  Unternehmer  kann  aber  auch  auf  den  Sondergewinn
verzichten,  muß  aber  später  mit  der  verteuerten  Eindeckung  des
Materialbedarfs  rechnen.
Die  Schwankungen  im  Materialpreis  bedingen
Schwankungen  in  den  Selbstkosten,  bei  sinkenden  Preisen  und  großen
Lagerbeständen  überdies  beträchtliche  Verluste,  wenn  die  Verkaufspreise ­
  der  Fertigfabrikate  nicht  entsprechend  reguliert  werden
können.  Verschiedene  Maßnahmen  sollen  die  Wirkungen  der  Preisschwankungen ­
  der  wichtigsten  Materialien  paralysieren.  Zunächst
durch  Abschluß  langjähriger  Lieferungsverträge;  so  vorteilhaft ­
  sie  als  feste  Berechnungsgrundlagen  sind,  so  schützen  sie  zwar
vor  Preissteigerungen,  nicht  aber  vor  Preisrückgängen,  ganz  abgesehen ­
  von  der  üblen  Gewohnheit  mancher  Lieferanten,  bei  einer
für  sie  ungünstigen  Preisentwicklung  hinterher  durch  Ausreden
von  der  tatsächlichen  Lieferung  der  auf  Abruf  verkauften  Mengen
sich  zu  befreien  oder  geringere  Qualitäten  oder  kleinere  Mengen
zu  liefern.  Auch  bei  Produktionseinschränkungen  können  Lieferungsverträge ­
  nachteilig  wirken.  Das  Bestreben,  Verluste  bei  sinkenden
Preisen  abzuwälzen,  hat  zur  Einführung  der  sogenannten  Baisseklausel
  geführt,  wonach  infolge  Vereinbarung  der  im  Lieferungsvertrag ­
  bedungene  Preis  nur  so  lange  Geltung  haben  soll,  als  der
Marktpreis  der  zu  liefernden  Ware  nicht  oder  nicht  unter  einen
bestimmten  Prozentsatz  sinkt.  Andernfalls  soll  der  Abschluß  für
den  niedriger  gewordenen  Marktpreis  gelten:  eine  automatische
Preisminderung,  die  nur  ein  wirtschaftlich  starker  Abnehmer  durchdrücken ­
  kann.  Kapitalgesellschaften  suchen  Ertragsminderungen
durch  Preisschwankungen  vorzubeugen,  indem  sie  offene  sichtbare
Gewinnrücklagen  (Reserven)  schaffen;  in  der  Regel  ist  die  besondere ­
  Zweckbestimmung  in  der  Benennung  der  Reserve  nicht
zum  Ausdruck  gebracht  (Spezialreservefonds,  richtiger  Preis-Del ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.