Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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sie  eine  größere  Wirkung  im  Moment  der  Entnahme  ausüben,  als
eine  hohe  Rückvergütung  in  der  Zukunft.  Ein  wenig  dürfte  das  wohl
auf  alle  Konsumenten  zutreffen.  Die  Abgabe  über  Tagespreis
unter  Gewährung  einer  entsprechend  hohen  Rückvergütung,  wie  es  in
einigen  wenigen  Vereinen  üblich  ist,  dürfte  dagegen  gerade  aus  dem
Grunde,  der  für  eine  Abgabe  unter  Tagespreis  spricht,  verwerflich
sein.  Heinrich  Kaufmann  weist  z.  B.  darauf  hin,  daß  die  Abgabe
über  Tagespreis,  wie  die  Erfahrung  mancher  englischer  Konsumvereine
zeige,  schließlich  dahin  führe,  daß  nur  die  höchstbezahlten  Arbeiter
Mitglieder  des  Konsumvereins  seien,  während  die  andern  durch  die
hohen  Preise  vom  Beitritt  abgehalten  würden.  Er  erwähnt  ferner,
daß  eine  abnorm  hohe  Rückvergütung  zu  der  kleinlichsten  rückständigsten ­
  und  ekelhaftesten  Dividendensucht  und  Dividendenjägerei  führe.
Die  „Dividendensucht",  das  Streben  nach  immer  höherer  Rückvergütung, ­
  ist  ein  großes  Uebel  in  den  Konsumvereinen,  und  nur  die  allmähliche ­
  Erziehung  zu  wahren  Konsumgenossenschaftern  kann  hier
Abhilfe  schaffen.  Eine  Abgabe  der  Bedarfsgüter  über  Tagespreis
läßt  auch  leicht  die  Meinung  entstehen,  daß  den  Konsumvereinen  nur
dann  die  Auszahlung  einer  Rückvergütung  möglich  ist,  wenn  sie  ihre
Preise  entsprechend  hochschrauben.  Daß  dem  in  Wirklichkeit  nicht  so
ist,  haben  eine  Reihe  von  Vergleichen  der  Konsumvereins-  und  Kleinhandelspreise ­
  gezeigt.  Ich  habe  hier  nicht  die  Vergleiche  der  Konsum-Vereine
  selbst  im  Auge,  denen  man  ja  skeptisch  gegenüberstehen  kann,
sondern  Vergleiche  von  Unparteiischen.  Krame  r")  gibt  z.  B.
mehrere  derartige  Fälle  an.  Mir  selbst  ist  noch  bekannt,  daß  das
Statistische  Amt  der  Stadt  Elberfeld,  das  fortlaufend  Erhebungen
über  Detailpreise  anstellt,  der  Konsumgenossenschaft  „Befreiung"  in
Elberfeld  auf  Anfrage  mitteilte,  daß  ihre  Preise  sich  in  den  unteren
'Grenzen  der  Statistik  bewegten.
Bezeichnend  für  unsere  heutigen  Konsumvereine  ist,  daß  sie  keinen
Kapitalgewinn,  sondern  eine  Umsatzrückvergütung  auszahlen.
Das  ist  nicht  zu  allen  Zeiten  der  Fall  gewesen.  Nach  Hans  M  ü  ll
  e  r")  scheint  von  der  Genossenschaft  Devonport  in  England  festzustehen, ­
  daß  in  ihr  schon  1818  das  Prinzip  der  Verteilung  des  Ueberschusses
  nach  dem  Umsatz  zur  Anwendung  gelangte.  Vermutlich  sei
es  sogar  schon  früher  in  anderen  Genossenschaften  gehandhabt  worden,
fügt  der  genannte  Autor  hinzu.  Wie  dem  auch  sein  mag,  erst  seit
w )  Kleinhandel  und  Konsumvereine  besonders  in  Württemberg  S.  81  ff.
13 )  Beiträge  zur  Theorie  und  Geschichte  des  Konsumgenossenschaftswesens
ln  der  Kons.  Rundschau  vom  9.  Mai  1914.
            
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