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den Kriegszustand herbeiführen müsste. Vergessen wir jedoch
nicht, dass bei der angedeuteten Charakterart fast regelmässig
das fehlen wird, was man die Logik des Lebens nennen könnte.
Ausser dieser Logik fehlt es natürlich auch noch an einer
andern, womit jedoch nicht gesagt sein soll, dass auf einem
solchen Grund und Boden nicht bedeutende, ja bisweilen
geniale Gedanken wachsen und in einzelnen Richtungen auch
Bethätigungen einer partiellen Verstandesschärfe hervortreten
könnten.
3. Es ist nicht ohne Bedeutung, dass man Quesnay und
seine Anhänger ursprünglich Oekonomiston oder ökonomistischo
Philosophen nannte. An die Stelle dieser Bezeichnung trat
später vorherrschend die Benennung Physiokraton. Dupont
de Nemours hatte hiezu mit dem Titel seiner vorher erwähnten
Sammlung die Veranlassung gegeben. Die Physiokratio, Natur
herrschaft oder Naturverfassung, sollte eine Gesellschafts- und
Regierungsform sein, in welcher allein die Natur mit ihren auf
das menschliche Verhalten bezüglichen Gesetzen maassgebend
wäre. Schon die Naturrechtsideen Quesnays hatten diesen
Charakter, und die natürliche Oekonomie, die ihm vor Augen
schwebte, war das aus seinen ärztlichen Vorstellungen von der
Gesundheit und den Verrichtungen des Leibes entstandene und
auf die Gesellschaft übertragene Idol einer unfehlbar heilsamen
und harmonischen Naturgesetzmässigkeit. Die Idee von natür
lichen Gesetzen der ökonomischen Vorgänge war zwar schon bei
Boisguillebert mehrfach hervorgetreten, und die blossen Ver
gleichungen dieser Art hatten auch früher, wie z. B. bei Petty,
durchaus nicht gefehlt. Allein eine grundsätzliche Betonung
von dem, was man auch in neuster Zeit ohne erhebliche Ver
änderung des Begriffs die Naturgesetze der Volkswirthschaft
genannt hat, ist recht eigentlich erst durch den Schöpfer des
physiokratischen Vorstellungskreises eingeführt worden. Das
Natürliche wurde hiebei im Gegensatz zu Alledem gedacht,
was sich aus den gutgeheissenen Eigenschaften des Menschen
nicht wollte ableiten lassen. Ein Arzt, der seine Stärke darin
sucht, die Natur walten zu lassen, und sich äussersten Falls
nur mit der Beseitigung der Hindernisse abgiebt, die nach seiner
Meinung einem solchen freien Walten entgegenstehen, ist in
der That das Bild eines physiokratischen Oekonomisten. Obwohl
in der Unterscheidung der Unnatur, Abirrung und Entartung