Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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den  Geschäftspraktiken  vieler  anderer  Detaillisten  nicht  belästige  durch
Aufdrängen  der  Ware.  Der  Käufer  soll  nichts  Unangenehmes  beim
Einkauf  empfinden.  Gerade  dadurch  will  das  Warenhaus  Käufer  anziehen, ­
  daß  es  ihnen  nicht  lästig  fällt.  Sie  sollen  sich  wohlfühlen  im
Warenhaus  und  gerne  wieder  kommen.“)  Der  angeführte  Grund  war
allerdings  nicht  der  einzige,  der  zur  Abschaffung  der  Nmsatzprovision
führte.
Neben  den  eigentlichen  Tarifverträgen  bestehen  in  den  Konsum-Vereinen
  noch  besondere  Dien  st  v  er  Präge,  in  denen  von  der  Stellung ­
  des  Lagerhalters  gegenüber  dem  Vorstande  und  dem  Verteilungspersonal, ­
  von  der  rechtlichen  Seite  der  Handlungen  und  Unterlassungen
der  Lagerhalter,  von  Mankovergütungen,  Kautionen  und  dergl.,  die
Rede  ist“)  Auch  auf  diese  Dienstverträge  hat  der  Lagerhalterverband
bzw.  der  Zentralverband  der  Handlungsgehilfen  schon  großen  Einfluß
gewonnen.
Der  wichtigste  Punkt  im  Dienstvertrag  ist  die  M  a  n  k  o  v  e  rgütung.
  Im  Konsumverein  kann  man  nicht  wie  in  den  Kaffeefilialen“) ­
  mit  einem  Ueberschuß  bei  der  Inventur  rechnen;  in  der  Regel
ergibt  sich  durch  Eintrocknen,  Einwiegen  usw.  ein  Manko.  Die  Höhe
des  Mankos  ist  in  den  verschiedenen  Branchen  naturgemäß  verschieden.
So  ist  sie  z„  B.  bei  Textilprodukten  höher  als  bei  Lebens-  und  Genußmitteln. ­
  Nach  den  Untersuchungen  für  die  Tarifverhandlungen  des
Zentralverbandes  deutscher  Konsumvereine“)  mit  dem  Lagerhalterverbande
  in  den  Jahren  1906/07  wurde  in  den  Konsumvereinen  Mankovergütung ­
  auf  alle  oder  nur  auf  „Wiege-  und  Meßwaren"  gewährt.
Erhöhtes  Manko  wurde  gewährt  auf  „Manufaktur-  und  Schnittwaren"
und  auf  „Fleisch-  und  Wurstwaren".  Die  Mankovergütung  derjenigen
Vereine,  die  eine  einheitliche  Mankovergütung  auf  alle  Bedarfsgüter

“)  In  sehr  hübscher  Weise  schildert  dies  K.  Fulde  unter  dem  Titel
„Die  Einkaufspraktiken  und  Verkaufsmethoden  der  Waren-  und  Kaufhäuser"
in  der  Zeitschrift  für  Handelswissenschaft  und  Handelspraxis,  Nr.  12,  Jahrgang
1912/13:  „Erst  sei  du,  Publikum,  in  meinen  Räumen,  komme,  wer  du  auch
seist,  alle,  alle  sind  willkommen;  mache  es  sich  jeder  so  beguem,  wie  er  will;
ihr  könnt  auch  aus  Neugierde  kommen  oder  mich  als  Wärmehalle  benutzen
oder  bei  mir  flirten.  Ihr  könnt  kleine  Artikel  kaufen  wollen,  und  vor  allem
du,  praktische  Hausfrau,  komme,  so  oft  du  willst,  denn  erst  bei  mir  siehst  du,
was  es  alles  gibt,  womit  man  sein  Leben  verbessern  und  verschönern  kann,
und  was  dir  noch  fehlt.  Ihr  kauft  stets  mehr  als  ihr  wollt  und  sollt."
“)  Die  technischen  Einzelheiten  über  die  Ausführung  der  Arbeiten  sind
dagegen  meist  in  besonderen  Geschäftsanweisungen  enthalten.
“)  Gewichtszunahme  des  Kaffees  durch  Anziehung  von  Feuchtigkeit.
“)  S.  53  ff.
Schloesser,  Die  konsumgenoffenschastliche  Gütervermittlung.  1  1
            
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