Full text: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

Verkaufspersonal eines süddeutschen Filialbetriebs heißt es unter 
dem Punkte „Bedienung": „Das Verhalten gegenüber der Kundschaft 
muß stets ein zuvorkommendes, freundliches, sittlich gutes sein und 
ist den Kunden bei Betreten des Ladens sofort die vollste Aufmerk 
samkeit zu schenken." 
In den Anweisungen eines anderen Filialbetriebes heißt es 
darüber: „Gegen die Kundschaft muß die größte Rücksicht gebraucht 
werden". Aehnlich lauten auch die Bestimmungen in den Geschäfts 
anweisungen anderer Filialbetriebe, soweit ich Einblick in solche er 
halten konnte. Sie bringen also wenig von dem zum Ausdruck, was 
der Bedienung in anderen Erwerbsgeschäften so eigen ist: Uebergroße 
Höflichkeit, schmeichelnde Redensarten, Zureden usw>) Immerhin 
unterscheidet sich die Anordnung wesentlich von der der Konsum 
genossenschaften.^) Die entsprechende Bestimmung in den Geschäfts- 
anweisungen hat in der Regel folgenden Wortlaut: 
Beim Warenverkauf hat das Verkaufspersynal in sauberer Kleidung die 
Mitglieder der Reihe nach anständig und höflich zu bedienen. Kinder 
dürfen nicht zugunsten Erwachsener länger warten. 
Eine streng durchgeführte Bedienung „der Reihe nach" kennt 
man nur in der konsumgenossenschaftlichen Güterverteilnng. Die 
Gründe, die zu einer verschiedenartigen Bedienung führen, sind man 
nigfaltig. Zuweilen ist es das allgemeine Ansehen der Person, das 
dem Verkäufer Respekt einflößt; noch mehr aber wird es davon ab 
hängen, ob der betreffende Käufer ein guter Kunde ist, besonders ob 
er bar bezahlt. 
Im Konsumverein kennt man, von wenigen Ausnahmen ab 
gesehen, nur die Barzahlung. Ein Konsumgenossenschafter schreibt 
mir darüber: Das System der Barzahlung entkleidet im Konsum 
verein den Konsumenten aller wirtschaftlichen Vorteile, die der ein 
zelne vielleicht gegenüber anderen besitzen könnte; vor dem Ladentisch 
steht nur das Mitglied, das mit gleicher Kulanz bedient zu werden 
Anspruch hat, ob es nun reich sei oder arm. 
Um eine Bedienung dieser Art, d. h. der Reihe nach, zu ermög 
lichen, verlangt man in manchen Vereinen, daß die Mitglieder die 
zu entnehmenden Artikel in ein besonderes Buch, das „Einkaufsbuch" 
*) Es bedarf dagegen keiner Frage, daß die Leitungen der privaten 
Filialbetriebe bestrebt sind, jene Eigenschaften bei ihrem Verkaufspersonal durch 
Selbstinteressierung desselben hervorzurufen, was teilweise auch mit Erfolg 
durchgeführt wurde. 
s) Ganz allgemein betrachtet, sind die Geschäftsanweisungen der privaten 
Filialbetriebe kategorischer gehalten als die der Konsumvereine. Der Klassen 
unterschied kommt bei jenen mehr zum Ausdruck.
	        
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