Full text: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

169 
eine Molkerei in Legden, wo die von Bauern gelieferte Milch ge- 
reinigt, pasteurisiert und gekühlt wird. Sie gelangt dann mittels 
besonderer Wärmeschutzwagen nach Essen, wo sie von etwa 40 Milch 
verteilern den Mitgliedern zugestellt wird. Die Milchverteiler werden 
nach tariflichen Sätzen entlohnt und erhalten Ferien unter Fortbe 
zahlung des Lohnes. Es gibt keinen gleichgearteten Milchvertrieb, der 
unter ähnlichen mustergültigen Bedingungen arbeitet. Der Essener- 
Verein ist für die Milchversorgung vorbildlich. — Der Konsumverein 
Mühlhausen i. Elf. (Zentralverband) liefert ebenfalls die Milch in die 
Häuser der Mitglieder durch eigene tariflich entlohnte Milchverteiler. 
Besonders gut entwickelt ist die Milchverteilung im Basler 
Konsumvereins) Sie ist anders als in den deutschen Städten. Die 
Mitglieder der Basler Konsumgenossenschaft hat man daran gewöhnt, 
ihre Milch zum größten Teil in den Abgabestellen zu holen. Es 
hat dies für die Mitglieder den Vorteil, daß sie die Milch in be 
liebigen Mengen holen können und nicht an eine bestimmte Zeit 
gebunden sind. Die Milch wird offen in den Lokalen ausgemessen. 
Außerdem besteht noch die „Hausspedition", durch welche etwa ein 
Viertel der Milch vermittelt wird. Am Wagen kostet dia Milch 
einen Centime mehr als in den Verteilungsstellen, da natürlich durch 
die Hauslieferung erhebliche Kosten entstehen. Der Milchfuhrmann 
verteilt mit seinem Wagen durchschnittlich 800 Liter pro Tag. Die 
Ausgaben betragen für ihn ungefähr 14 Franken. 
Mit der Hauslieferung von Milch ist auch die Lieferung von 
Rahm, Käse und Butter verbunden. Die Fuhrleute werden mit dem 
Betrage der übergebenen Produkte belastet; jeden Abend müssen sie 
das eingenommene Geld an der Milchkasse abliefern. Damit sie die 
Mitglieder nicht übervorteilen, werden sie in bezug auf die richtige 
Abgabe des Maßes kontrolliert. Gutgewicht wird ihnen bei Milch 
nicht gewährt. 
Da beim Milchgeschäfte peinlichste Sauberkeit herrschen muß, 
so verursacht die Reinigung der Milchgefäße viel Arbeit. Die Spül 
maschinen sind fast ununterbrochen in Tätigkeit. 
Von den 100 000 Litern Milch, die in Basel täglich gebraucht 
werden, liefert der Allgemeine Konsumverein ungefähr 55 000 Liter, 
was einem jährlichen Gesamtumsatz von 7 Millionen Franken und 
einem Umsatz pro Mitglied von 200 Frankens (Jahr 1912) entspricht. 
*) Nach einem Referat auf dem 10. ordentlichen Genossenschaftstag des 
Zentralverbandes in Dresden 1913. 
°) Der verhältnismäßig sehr hohe Umsatz ist wohl darauf zurückzuführen,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.