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traten aus dem Verband aus, um die Großeinkaufsgesellschaft nicht
als guten Abnehmer und Zahler zu verlieren. Damit war schon etwas
erreicht. Die Konsumentenorganisationen taten aber noch mehr. Sie
informierten sich, ob die Außenseiter den Bedarf der Konsumvereine
u. U. allein decken könnten. Da dies angenommen werden konnte, be
stellte man einfach bei diesen Konkurrenzgeschäften. Nun machten aber
die Mitglieder der Konsumvereine Schwierigkeiten. Sie verlangten
unter allen Umständen die alten Marken, wie Kathreiners Malzkaffee,
Thompsons Seifenpnlver usw. und wollten sich im ersten Augenblick
nicht davon abbringen lassen. Da beriefen die Vorstände mit den
Aufsichtsräten zusammen Generalversammlungen ein, und nun wurden
die Unzufriedenen über jenen Streit aufgeklärt niit der Wirkung, daß
der Kapitalistenhaß der unteren Klassen diese dazu veranlaßte, sich in
Zukunft mit anderer Seife als mit Sunlightsoap zu waschen. Die Kon
sumvereine hatten also ihre Forderungen durchgesetzt und kamen in
Zukunft ohne Markenartikelverband aus. Das hatte noch eine be
sondere Folge. Die Mitglieder des genannten Verbandes sahen all
mählich den großen Verlust ein, den sie durch die Aufrechterhaltung
ihrer Bestimmungen hatten, und zogen ihre Forderungen zurück. Es
war das allerdings zu spät, da die Großeinkaufsgesellschaft bereits
anderwärts Beziehungen angeknüpft hatte.
Einen ähnlichen Fall hatte der Konsumverein L e i p z i g-P l a g-
witz bereits im Jahre 1896. Dieser Verein lehnte die Monopol
preise der Firma Kathreiner für die Detailabgabe ab und setzte es
durch, daß er zu billigeren als den ursprünglich vorgesehenen Preisen
abgeben durfte.
Derartige Berichte liegen uns auch aus dem Auslande vor.
So siegten die dänischen Konsumvereine über einen Zement
ring und bauten eine eigene Zementfabrik. Ferner berichtet man
aus Dänemark von einem erfolgreichen Kampf gegen ein Kohlen
kartell.
Interessant ist auch der Kampf des Basler Konsumver
eins und der Anglo Swiß Condensed Milk Comp, in Cham gegen
die Schweizer M i l ch b a u e r n. Bei den Vertragsverhandlungen
zwischen letzteren und ihren Abnehmern im Frühjahr 1913 kam es zu
Schwierigkeiten bezüglich des Preises und der Verkaufsbedingungen
für Milch. Unter anderem hatten die organisierten Milchbauern das
Verlangen, daß die Konsumvereine nur Milch von den dem Verbände
angeschlossenen Produzenten kaufen, dagegen auf die sogenannte
„wilde" Milch der Außenseiter verzichten sollten. Ferner wollte sich
der Milchproduzentenverband nur zu einer Vertragsdauer von einem