Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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mäßigen  Warenverkehr?)  Darüber  weiß  Paul  G  ö  h  r  e  Interessantes
aus  dem  großen  Plagwitzer  Konsumverein  zu  berichten.  Er  gibt  die  Abschrift ­
  des  folgenden  Briefes,  den  ein  früherer  Geschäftsführer  des
genannten  Vereins  geschrieben  hat?)
„Durch  Ihren  Herrn  X.  erhielt  der  Unterzeichnete  in  einem  persönlich
adressierten  Eilbriefe  einen  Hundertmarkschein.  Ich  muß  Ihnen  gestehen,  daß
mir  so  etwas  in  meiner  langjährigen  Tätigkeit  noch  nicht  geboten  worden  ist.
Die  Sache  befremdet  mich  umsomehr,  da  Sie  doch  schon  an  der  Retournierung
des  Weihnachtsgeschenkes  erkennen  mußten,  daß  ich  derartigen  Sachen  nicht
zugänglich  bin.  Ich  sehe  mich  nun  gezwungen,  Ihnen  mitzuteilen,  daß  wir
von  heute  ab  die  Geschäftsverbindung  mit  Ihnen  abbrechen.  Die  hundert  Mark
gehen  abzüglich  des  Portos  per  Postanweisung  an  Ihre  Firma  zurück."
Ein  anderer  Brief  an  einen  Spediteur  lautet  ganz  lakonisch:
«Ihre  Zigarren  mißfallen  uns.  Wir  ersuchen  Sie,  die  Kiste  unverzüglich ­
  abholen  zu  lassen,  und  zwar  morgen,  Sonnabend;  sonst  sehe  ich  mich
genötigt,  sie  einem  Spediteur  zur  Aufbewahrung  zu  geben."
Natürlich  sind  nicht  alle  Geschäftsführer  gegen  derartige  Versuchungen ­
  gefeit.  Doch  geht  im  allgemeinen  die  Auffassung  der  Geschäftsführer ­
  dahin,  daß  sie  das  Vermögen  von  vielen  armen  Arbeitern ­
  zu  verwalten  haben  und  sich  nur  von  konsumgenossenschaftlichen
Interessen  bei  ihren  geschäftlichen  Handlungen  leiten  lassen  dürfen.
Ausnahmen  bestätigen  nur  die  Regel.
In  besonderem  Maße  nehmen  die  Konsumvereine  auf  die
Qualität^)  der  Bedarfsgüter  bei  ihren  Einkäufen  Rücksicht.  Das
Konsumenteninteresse  dieser  Organisation  macht  es  dem  Einkäufer
zur  vornehmsten  Pflicht,  nur  einwandfreie  Waren  einzukaufen.  Große
Vereine  haben  besondere  Maßnahmen  für  die  Durchführung  des
Qualitätsprinzips  getroffen.  „So  werden  im  Konsumverein  Stuttgart ­
  seit  1876  regelmäßig  Berichte  über  amtliche  Warenuntersuchungen ­
  gegeben,  die  oft  mehrere  Hundert  Mark  jährlich  kosten.  Die
Lieferanten  der  betreffenden  Artikel  werden  von  dem  Ausfall  der
Untersuchungen,  besonders  natürlich  von  Beanstandungen,  jeweils
verständigt,  und  bei  der  Warenbestellung  wird  ans  die  Ergebnisse  der
6 )  Ein  sicheres  Urteil  darüber  möchte  ich  damit  nicht  gefällt  haben.
Wie  weit  das  Schmiergelderunwesen  im  Verkehr  der  Erwerbsgeschäfte
unter  sich  und  mit  öffentlichen  Körperschaften  Ausdehnung  gefunden  hat,
schildert  interessant  Wilhelm  B  e  ck-Steglitz  in  der  Zeitschrift  für  Handelswissenschaft ­
  und  Handelspraxis  1911  Nr.  6;  ferner  Haasis  in  seinem
Buche  über  Schmiergelderunwcsen,  Stuttgart  1913.
ft  Paul  G  ö  h  r  e,  a.  a.  O.  S.  281.
s)  Luxuriöse  Verpackung  spielt  dagegen  beim  Einkauf  der  Konsumvereine
keine  Rolle.  So  kommt  es  denn  auch  vor,  daß  die  Lieferanten  ausdrücklich
in  ihren  Angeboten  an  Konsumvereine  bemerken,  daß  der  Preis  bei  Verzicht
auf  die  kostspielige  Ausmachung,  Reklame  usw.,  sich  um  soundsoviel  ermäßige.
            
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