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II. Theil. Statistik der Sterbelalle.
Wenn es der Gothaer Lebensversicherungsbank vergönnt
sein wird, auf ein weiteres halbes Jahrhundert ihrer Geschäfts
führung zurückzublicken, werden die Verhältnisszahlen für die
nach längerer Versicherungsdauer Verstorbenen wesentlich
andere sein ; es wird dann der erst in die zweite Hälfte des
ersten halben Jahrhunderts fallende erhebliche Zuwachs jüngerer
Mitglieder jene Zahlen nicht unerheblich steigern. —
Zur Veranschaulichung des früheren oder späteren Eintritts
der Wirksamkeit der verschiedenen Todesursachen und des
Gewichtes, mit welchem sich dieselben in den ersten fünf Jahren
nach der Aufnahme geltend machen, möge folgende Zusammen
stellung dienen. Es sind dabei die letzten drei Gruppen von
Todesursachen ausser Betracht gelassen worden. Zweien von
ihnen soll nachher noch eine besondere kurze Betrachtung ge
widmet werden.
Todesursache
r s i c
h
rung 1
— i Jahr
5 s
m
i—2 Jahre
2—3 Jahre
ill
3—4 Jahre
d a u e i*
4—5 Jahre
•Sl
ill
—5 Jahre
1
1. Typhus
2. Asiatische Cholera
3. Andere Infectionskrankheiten .
4. Lungenschwindsucht
5. Krebs
6. Gelenk-Rheumatismus ....
7. Diabetes
8. Geisteskrankheiten
9. Gehirn-Entzündung
10. Chron. Gehirn- u. Rückenmarks
krankheiten
11. Entzündl. Krankheiten der Or
gane der Brusthöhle ....
12. Chron. Entzündung (Katarrh) d.
Lungenschleimhaut etc. . .
13. Chron. Herzkrankheiten . . .
14. Unterleibs-Entzündung (excl.
Puerperalfieber)
15. Chron. Leberkrankheiten . . .
16. Bright’sche Krankheit . . . .
17. Aeussere Schäden u. Geschwüre
18. Gehirn-Schlagfluss
19. Lungen-Schlagfluss
20. Sonstige Krankheiten
103
18
33
56
7
8
i
4
11
8
67
1
12
20
7
2
9
43
11
60
6.54
6-19
5 ’25
2,19
0,63
3- 98
1,08
4- 82
6,11
0,88
2,80
0,18
O.94
4-27
1,24
0,67
3-87
1-61
2.21
1-93
IOO
23
28
122
24
13
2
3
11
16
65
6
14
31
12
7
6
42
10
86
6.34
7-90
4.45
4.77
2,16
6,47
2.15
3,81
6,n
1,-5
2,71
ï,11
1.09
6,62
2,13
2.35
2.45
1,57
2.01
2.77
102
13
I 9
127
28
9
2
3
9
28
69
6
27
23
H
12
7
69
10
83
6.47
4.47
3,02
4-98
2.52
4- 48
2,15
3,81
5- 00
3-06
2,88
1,11
2,11
4-91
2.49
4-03
2-86
2,58
2,01
2,67
80
I I
3O
IS?
33
9
5
2
14
25
72
5
28
16
15
7
8
57
8
96
5-08
3,78
4.77
6.13
2,97
4-48
5,88
2,41
7.78
2,74
3,00
0,92
2,19
3-42
2,6 6
2,35
3,27
2.13
1.61
3,09
75
IO
26
146
22
16
2
35
76
7
25
18
19
7
7
66
10
97
4-76
3- 44
4- 13
5,70
1,98
7-96
2.1 5
4-44
3'83
3,17
1,29
1,95
3.85
3-38
2,35
2.86
2.47
2.01
3-13
46O
75
I36
608
II4
55
12
12
53
112
349
25
106
108
67
35
37
277
49
422
29,19
25,78
21.62
23.75
10-26
27,37
I 2.91
14-45
29.44
I 2,26
14,56
4,61
8,28
23 07
I 1,90
I 1,75
I5,H
10,36
9,85
13,59
Unter diesen Krankheiten wird man, wenn man von der
letzten, gemischten, Gruppe absieht, ihrer 8, nämlich die 4., 5.,
7., IO., 12., 13., 15. und 16., als solche bezeichnen können,
deren Verlauf in der Regel, wenn nicht Heilung eintritt, als
eine allmähliche, langsame Zerstörung lebenswichtiger Organe
erscheint. Von Lungenschwindsucht abgesehen, treten diese
Krankheiten in den ersten fünf Versicherungsjahren am wenig
sten verheerend auf und bleibt die ihnen entsprechende Sterb
lichkeit hinter der allgemeinen Sterblichkeit dieses Zeitraumes
überall erheblich zurück. Gehirn- und Lungenschlagfluss sind,
wie wir an anderer Stelle gesehen haben, zum Theil Alterskrank
heiten, zum Theil die Ausgangsformen anderer, insbesondere
auch chronischer, Krankheiten. Beide Momente wirken dazu mit,
auch das Gewicht dieser, an sich schnell wirkenden, Todesursachen
für die ersten fünf Versicherungsjahre zu vermindern.
Frappant und nur verständlich, wenn man die Schwierig
keit der Diagnose dieser Krankheit in ihren ersten Anfängen
berücksichtigt, ist das Gewicht der Lungenschwindsucht
in den ersten fünf Jahren (23,75 % der an Lungen
schwindsucht Gestorbenen gegen 14,98 % der überhaupt Ge
storbenen), ja im zweiten (4,77 gegen 2,99 %) und dritten
(4,96 gegen 3,16 °/o) Jahre! Nur im ersten Jahre tritt das
Gewicht dieser Todesursachen mit 2,19 % um etwas hinter
die allgemeine Sterblichkeit dieses Versicherungsalters (2,39 °/o)
zurück. Die Lungenschwindsucht braucht in der Mehrzahl
der Fälle von dem ersten durch die physikalische Untersuchung
zu entdeckenden Keime an bis zum tödtlichen Ausgange sicher
einen längeren Zeitraum, sagen wir: einige Jahre. Und doch
starben von im Ganzen 2560, welche dieser Krankheit erlagen,
56 oder 2,19% innerhalb eines Jahres vom Tage der angeblich
sorgfältigen Untersuchung an gerechnet, 122 oder 4,77 °|o im
zweiten, 127 oder 4,96 % im dritten, 608 oder 23.75 °o in
den ersten fünf Versicherungsjahren!
Bei den anderen oben genannten Gruppen bleibt die früh
zeitige Sterblichkeit in mäsigen Grenzen, erhebt sieb namentlich
die Sterblichkeit im ersten Versicherungsjahre nur zweimal, bei
freilich absolut sehr niedrigen Gesammtzahlen, (Diabetes und
(‘♦iron. Leberkrankheiten) um ein Weniges über 1 ° 0 .
Dass man aus der vorstehenden Tabelle an und für sich
noch nicht den Einfluss der Auswahl constatiren kann,
versteht sich von selbst. Es fehlt der Maasstab der Ver
gleichung.
Auch sonst enthält die Tabelle noch Räthsel, welche nur
durch weitere Verarbeitung gelöst werden können. Das Durch
schnittsalter und die durchschnittliche Versicherungsdauer aller
und der an den einzelnen Krankheiten Verstorbenen muss zu
dem Ende mit herangezogen werden. Die durchschnittliche
Versicherungsdauer aller an Lungenschwindsucht Gestorbenen
z. B. beträgt 12.71 Jahre. Bedenkt man, dass 45 Versiche
rungsalter überhaupt mit Lungenschwindsucht-Sterbefällen be-