Object: Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

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II. Theil. Statistik der Sterbelalle. 
Wenn es der Gothaer Lebensversicherungsbank vergönnt 
sein wird, auf ein weiteres halbes Jahrhundert ihrer Geschäfts 
führung zurückzublicken, werden die Verhältnisszahlen für die 
nach längerer Versicherungsdauer Verstorbenen wesentlich 
andere sein ; es wird dann der erst in die zweite Hälfte des 
ersten halben Jahrhunderts fallende erhebliche Zuwachs jüngerer 
Mitglieder jene Zahlen nicht unerheblich steigern. — 
Zur Veranschaulichung des früheren oder späteren Eintritts 
der Wirksamkeit der verschiedenen Todesursachen und des 
Gewichtes, mit welchem sich dieselben in den ersten fünf Jahren 
nach der Aufnahme geltend machen, möge folgende Zusammen 
stellung dienen. Es sind dabei die letzten drei Gruppen von 
Todesursachen ausser Betracht gelassen worden. Zweien von 
ihnen soll nachher noch eine besondere kurze Betrachtung ge 
widmet werden. 
Todesursache 
r s i c 
h 
rung 1 
— i Jahr 
5 s 
m 
i—2 Jahre 
2—3 Jahre 
ill 
3—4 Jahre 
d a u e i* 
4—5 Jahre 
•Sl 
ill 
—5 Jahre 
1 
1. Typhus 
2. Asiatische Cholera 
3. Andere Infectionskrankheiten . 
4. Lungenschwindsucht 
5. Krebs 
6. Gelenk-Rheumatismus .... 
7. Diabetes 
8. Geisteskrankheiten 
9. Gehirn-Entzündung 
10. Chron. Gehirn- u. Rückenmarks 
krankheiten 
11. Entzündl. Krankheiten der Or 
gane der Brusthöhle .... 
12. Chron. Entzündung (Katarrh) d. 
Lungenschleimhaut etc. . . 
13. Chron. Herzkrankheiten . . . 
14. Unterleibs-Entzündung (excl. 
Puerperalfieber) 
15. Chron. Leberkrankheiten . . . 
16. Bright’sche Krankheit . . . . 
17. Aeussere Schäden u. Geschwüre 
18. Gehirn-Schlagfluss 
19. Lungen-Schlagfluss 
20. Sonstige Krankheiten 
103 
18 
33 
56 
7 
8 
i 
4 
11 
8 
67 
1 
12 
20 
7 
2 
9 
43 
11 
60 
6.54 
6-19 
5 ’25 
2,19 
0,63 
3- 98 
1,08 
4- 82 
6,11 
0,88 
2,80 
0,18 
O.94 
4-27 
1,24 
0,67 
3-87 
1-61 
2.21 
1-93 
IOO 
23 
28 
122 
24 
13 
2 
3 
11 
16 
65 
6 
14 
31 
12 
7 
6 
42 
10 
86 
6.34 
7-90 
4.45 
4.77 
2,16 
6,47 
2.15 
3,81 
6,n 
1,-5 
2,71 
ï,11 
1.09 
6,62 
2,13 
2.35 
2.45 
1,57 
2.01 
2.77 
102 
13 
I 9 
127 
28 
9 
2 
3 
9 
28 
69 
6 
27 
23 
H 
12 
7 
69 
10 
83 
6.47 
4.47 
3,02 
4-98 
2.52 
4- 48 
2,15 
3,81 
5- 00 
3-06 
2,88 
1,11 
2,11 
4-91 
2.49 
4-03 
2-86 
2,58 
2,01 
2,67 
80 
I I 
3O 
IS? 
33 
9 
5 
2 
14 
25 
72 
5 
28 
16 
15 
7 
8 
57 
8 
96 
5-08 
3,78 
4.77 
6.13 
2,97 
4-48 
5,88 
2,41 
7.78 
2,74 
3,00 
0,92 
2,19 
3-42 
2,6 6 
2,35 
3,27 
2.13 
1.61 
3,09 
75 
IO 
26 
146 
22 
16 
2 
35 
76 
7 
25 
18 
19 
7 
7 
66 
10 
97 
4-76 
3- 44 
4- 13 
5,70 
1,98 
7-96 
2.1 5 
4-44 
3'83 
3,17 
1,29 
1,95 
3.85 
3-38 
2,35 
2.86 
2.47 
2.01 
3-13 
46O 
75 
I36 
608 
II4 
55 
12 
12 
53 
112 
349 
25 
106 
108 
67 
35 
37 
277 
49 
422 
29,19 
25,78 
21.62 
23.75 
10-26 
27,37 
I 2.91 
14-45 
29.44 
I 2,26 
14,56 
4,61 
8,28 
23 07 
I 1,90 
I 1,75 
I5,H 
10,36 
9,85 
13,59 
Unter diesen Krankheiten wird man, wenn man von der 
letzten, gemischten, Gruppe absieht, ihrer 8, nämlich die 4., 5., 
7., IO., 12., 13., 15. und 16., als solche bezeichnen können, 
deren Verlauf in der Regel, wenn nicht Heilung eintritt, als 
eine allmähliche, langsame Zerstörung lebenswichtiger Organe 
erscheint. Von Lungenschwindsucht abgesehen, treten diese 
Krankheiten in den ersten fünf Versicherungsjahren am wenig 
sten verheerend auf und bleibt die ihnen entsprechende Sterb 
lichkeit hinter der allgemeinen Sterblichkeit dieses Zeitraumes 
überall erheblich zurück. Gehirn- und Lungenschlagfluss sind, 
wie wir an anderer Stelle gesehen haben, zum Theil Alterskrank 
heiten, zum Theil die Ausgangsformen anderer, insbesondere 
auch chronischer, Krankheiten. Beide Momente wirken dazu mit, 
auch das Gewicht dieser, an sich schnell wirkenden, Todesursachen 
für die ersten fünf Versicherungsjahre zu vermindern. 
Frappant und nur verständlich, wenn man die Schwierig 
keit der Diagnose dieser Krankheit in ihren ersten Anfängen 
berücksichtigt, ist das Gewicht der Lungenschwindsucht 
in den ersten fünf Jahren (23,75 % der an Lungen 
schwindsucht Gestorbenen gegen 14,98 % der überhaupt Ge 
storbenen), ja im zweiten (4,77 gegen 2,99 %) und dritten 
(4,96 gegen 3,16 °/o) Jahre! Nur im ersten Jahre tritt das 
Gewicht dieser Todesursachen mit 2,19 % um etwas hinter 
die allgemeine Sterblichkeit dieses Versicherungsalters (2,39 °/o) 
zurück. Die Lungenschwindsucht braucht in der Mehrzahl 
der Fälle von dem ersten durch die physikalische Untersuchung 
zu entdeckenden Keime an bis zum tödtlichen Ausgange sicher 
einen längeren Zeitraum, sagen wir: einige Jahre. Und doch 
starben von im Ganzen 2560, welche dieser Krankheit erlagen, 
56 oder 2,19% innerhalb eines Jahres vom Tage der angeblich 
sorgfältigen Untersuchung an gerechnet, 122 oder 4,77 °|o im 
zweiten, 127 oder 4,96 % im dritten, 608 oder 23.75 °o in 
den ersten fünf Versicherungsjahren! 
Bei den anderen oben genannten Gruppen bleibt die früh 
zeitige Sterblichkeit in mäsigen Grenzen, erhebt sieb namentlich 
die Sterblichkeit im ersten Versicherungsjahre nur zweimal, bei 
freilich absolut sehr niedrigen Gesammtzahlen, (Diabetes und 
(‘♦iron. Leberkrankheiten) um ein Weniges über 1 ° 0 . 
Dass man aus der vorstehenden Tabelle an und für sich 
noch nicht den Einfluss der Auswahl constatiren kann, 
versteht sich von selbst. Es fehlt der Maasstab der Ver 
gleichung. 
Auch sonst enthält die Tabelle noch Räthsel, welche nur 
durch weitere Verarbeitung gelöst werden können. Das Durch 
schnittsalter und die durchschnittliche Versicherungsdauer aller 
und der an den einzelnen Krankheiten Verstorbenen muss zu 
dem Ende mit herangezogen werden. Die durchschnittliche 
Versicherungsdauer aller an Lungenschwindsucht Gestorbenen 
z. B. beträgt 12.71 Jahre. Bedenkt man, dass 45 Versiche 
rungsalter überhaupt mit Lungenschwindsucht-Sterbefällen be-
	        
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