Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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genossenschaft  zu  decken  verpflichtet  sind.  Die  Bestimmung  wird  aber
nur  insoweit  durchgeführt,  als  diejenigen  Mitglieder,  die  während  einer
bestimmten  Zeit  keine  Bedarfsgüter  im  Konsumverein  entnehmen,  aus
der  Genossenschaft  ausgeschlossen  werden.  Würde  das  Statut  aber
streng  durchgeführt,  so  würden  wir  den  oben  geschilderten  Zustand  haben.
Man  sagt,  daß  die  Konsumgenossenschaft  nur  den  Bedarf  decken
will,  nicht  aber  den  Bedarf  wecke  n.  Ich  kann  hinzufügen,  daß  es
sogar  Fälle  gibt,  wo  die  Konsumgenossenschaft  den  Bedarf  einzuschränken ­
  oder  wie  in  einem  mir  bekannten  Falle  den  Bedarf  ihrer
Abnehmer  zu  vereinheitlichen  sucht,  um  die  Bedarfsgütervermittluug
  rationeller  zu  gestalten.  Das  trifft  z.  B.  beim  Konsumverein
Ludwigshafen  auf  die  von  ihm  unter  großen  Schwierigkeiten  durchgeführte ­
  größere  Qualitätsvereinheitlichung  von  Brot  zu.  Im  allgemeinen ­
  aber  läßt  sich  die  Behauptung  nicht  aufrecht  erhalten,  daß  der
Konsumverein  nur  auf  Bedarfsdeckung  ausgehe.  Er  sucht  auch  Bedürfnisse, ­
  die  bisher  noch  latent  waren,  zu  wecken.  Er  wird  dies  z.  B.
überall  da  tun,  wo  ein  Bedürfnis  im  a  l  l  g  e  m  e  i  u  e  n  nicht  mehr
latent  genannt  werden  kaun,  das  aber  bei  einzelnen  noch  latent
ist.  Selbst  wenn  man  sich  im  Konsumverein  mit  puritanischen  Ideen
plagte,  könnte  die  Konsumgenossenschaft  hier,  da  sie  den  Kreis  der  bereits ­
  vorhandenen  Bedürfnisse  der  einzelnen  Konsumenten  nicht  kennt,
die  Weckung  latenter  Bedürfnisse  umgehen.  Wie  ist  es  aber  dort,
wo  es  sich  um  die  Weckung  von  Bedürfnissen  handelt,  die  die  Mehrheit
einer  Konsumentenschicht  nicht  kennt  oder  vielleicht  sogar  für  alle
Konsumenten  eines  bestimmten  Distrikts,  eines  Landes,  ja  vielleicht
für  alle  Menschen  noch  latent  sind?  Auch  da  kann  unter  Umständen
die  Konsumgenossenschaft  zum  Wecker  von  Bedürfnissen  werden.  Als
Beispiel  dafür  glaube  ich  folgenden  Fall  anführen  zu  dürfen:
Der  Breslauer  Konsumverein  errichtete  im  Jahre  1912
in  seiner  Mühle  eine  Aufschließanlage  für  Getreide,  die  erste  derartige
Anlage  in  Deutschland.  Diese  Aufschließanlage  erzeugt  ein  Vollkornmehl
  von  hohem  Gehalt  an  Eiweiß  und  Mineralsalzen.  Das  ist  möglich ­
  durch  Zerkleinerung  desganze  n  Getreidekorns  (ausschließlich  der
wertlosen  Spitzen  und  Hülsen)  unter  möglichster  Vermeidung  der  Erwärmung ­
  des  Mahlguts;  denn  gerade  die  Randzone  des  Korns  enthält ­
  das  meiste  Eiweiß  und  die  wichtigsten  Mineralstoffe.  Diese  neue
Brotsorte  suchte  nun  der  Verein  bei  seinen  Mitgliedern  einzuführen,
d.  h.  er  suchte  ein  noch  latentes  Bedürfnis  zu  wecken  oder  vielleicht
besser  gesagt  ein  noch  nicht  vorhandenes  Bedürfnis  hervorzurufen;
das  scheint  ihm  auch  zu  gelingen,  obwohl  er  schwer  gegen  alte  Gewohnheiten ­
  anzukämpfen  hat.
            
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