§ 1. Gewerkvereine
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befferungen das Gefamtverdienft eher gehoben. Es wird auf 1200 bis 1800 M.
abzüglich etwa 25 Prozent Unkoften für einen Meifter mit einem Stuhl gefchätzt.
Leider ift in den letzten Jahren die Nachfrage nach Seidenbändern wieder
ftark zurückgegangen. Die wenigen Aufträge juchten namentlich die tariflich
nicht gebundenen Schweizer Firmen an fich zu ziehen. In den letzten fünf
Jahren ftanden deshalb durchfchnittlich 25 Prozent der Stühle ftili. Um
weitern Preis- und Lohndrückereien Einhalt zu tun, ift es in jüngfter Zeit
zu einer Kalkulationskonvention unter den einzelnen Seidenbandfirmen
einfchließlich der Schweizer Firmen gekommen, wenigftens foweit diefe auf
deutfehem Boden — in Baden — Band herftellen laffen. Ebenfo find mit den
Großhändlern Vereinbarungen getroffen. Die Erhaltung einer Ieiftungsfähigen
Hausinduftrie liegt eben bei deren Anpaffungsfähigkeit an den Markt auch
im Intereffe der Fabrikanten.
In Anbetracht der gefchilderten Lage der Gefamtinduftrie, die mit der
Mode immer großen Schwankungen ausgefetzt fein wird, laffen fich die
Ergebniffe diefer Organifation der Heimarbeiter als befriedigend bezeichnen.
Nach Ausweis der Verbandsftatiftik 1909—1911 hat fich denn auch die
bergifche Induftrie ziemlich gehalten, ja noch vermehrt. Erft 1911 weift
teilweife einen ftärkern Rückgang auf. Verhältnismäßig fehr beträchtlich
ift diefer in den beiden niederrheinifchen Zahlftellen Neerfen und
Anrath, wo 5 Prozent billiger gearbeitet wird. Der Gefamtverband zählte
1911 (1909) Mitglieder 2916 (3019) mit insgefamt 4742 (4920) Stühlen,
gegenüber 2417 Mitglieder mit 3920 Stühlen 1903. Will man die Erfolge der
artiger Verbände gerecht beurteilen, mufz man neben dem pofitiven Ergebnis
auch beachten, was ohne die Organifation gefchehen wäre. Für den Nieder-
rheinifch-Bergifchen Verband ift in diefer Hinficht das Schickfal der Barmer
Befatzinduftrie, der Fabrikanten wie der Bandwirkermeifter, fehr lehrreich.
Im Bereiche diefer Induftrie kam im Jahre 1907 ein „Verband der Bandwirker
meifter für Barmer Artikel“ zuftande. Gelang es auch bald etwa 1200 Mit
glieder zu gewinnen, fo blieb dennoch eine große Zahl Bandwirker dem Verbände
fern und arbeitete zu niedrigem Lohnfätzen als diefer. Infolgedeffen hielt
fich auch ein Teil der Fabrikanten den Vereinbarungen fern. Als dann der
Gefchäftsgang fehr flau wurde, trat ein allgemeines Unterbieten verbunden
mit zahlreichen Austritten aus dem Verband ein, der rafch auf etwa die Hälfte
zurückging. Die Löhne fanken rapid. Auf das Lohndrücken folgten die Preis.
Unterbietungen der Fabrikanten. Die ganze Induftrie liegt völlig danieder.
Durch den Mangel einer feften Organifation find die infolge der ungünftigen
Mode recht fpärlichen Aufträge dazu noch faft ganz unlohnend geworden.
Koch 2 , Die deutfehe Hausinduftrie 14