Full text : Die deutsche Hausindustrie

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VII.  Kap.:  Selbsthilfe

Den  immerhin  recht  befcheidenen  Erfolgen  der  Genoffen  fchaften  in  der
deutfchen  Hausinduftrie  gegenüber  fcheinen  dieöfterreichifchen  Beftrebungen
  auf  diefem  Gebiete  mehr  erreicht  zu  haben. 1 )  Es  läßt  fich  jedoch
daraus  nicht  leicht  ein  Rückfchluß  auf  die  deutfchen  Verhältniffe  machen.
Entfprechend  der  ganz  verfchieden  gearteten  fozialen  und  wirtschaftlichen  Entwicklung ­
  des  Donaureiches  fpielt  die  Hausinduftrie  dort  eine  viel  bedeutendere
Rolle  als  in  Dcutfchland.  Es  lag  darum  nahe,  ihr  auch  in  viel  umfaffenderer
Weife  öffentliche  Unterftützung  zuteil  werden  zu  laffen.  So  wurden  durch
Lehrkurfe,  durch  Werkftätten,  Bereitftellung  von  Mafchinen,  Kapital  u.  a.  die
Kleininduftric  felbft  wie  auch  ihr  genoffenfchaftlichcr  Zufammenfchluß  befonders
  von  feiten  der  Abteilung  für  Gewerbeförderung  im  k.  k.  Handelsministerium ­
  kräftig  gefördert.  Soweit  nicht  fchon  eine  monopolartige  Stellung
auf  dem  Abfatzmarkte  gegeben  war,  fuchte  eine  auf  Schutz  der  Hausinduftrie
zielende  Zollpolitik  wenigftens  den  inländifchen  Markt  zu  fichern.
Sieht  man  jedoch  von  allen  Staatlichen  und  privaten  Hilfsaktionen  ab,
fo  bleiben  als  Bedingung  für  ein  Gedeihen  der  Genoffenfchaften:
  Ausfchlujz  oder  doch  erfolgreiches  Begegnen
der  Fabrikkonkurrenz,  Ausfchluß  der  Lohnkonkurrenz ­
  unter  den  Arbeitern  felbft.  Die  erfte  Bedingung  kann  erfüllt  werden
in  Arbeitszweigen,  die  faft  ganz  auf  Handfertigkeit  angewiefen  find,  wie  in
der  Schnitzerei,  wo  auch  am  leichteften  Qualitätsarbeit  geleiftet  werden  kann,
oder  aber  durch  günftigere  Lieferungsbedingungen  feitens  der  Heimarbeit.
Hier  liegt  freilich  eine  ftete  Gefahr  der  Ausbeutung  durch  Überarbeit  und  Unterlöhnung ­
  vor,  die  nur  fchwer  ohne  völligen  Ruin  des  Gewerbes  befeitigt  werden
kann.  Der  befte  Weg  fcheint  noch  nach  dem  Beifpiel  der  bergifchen  Bandwirker ­
  im  monopolartigen  Zufammenfchlujz  der  Heimarbeiter  der  ganzen
Branche,  womöglich  für  das  gefamte  Wirtfchafts-  bzw.  Zollgebiet  zu  liegen.
Die  zweite  Bedingung,  Ausfchlujz  der  Lohnkonkurrenz,  iftnurzu  löfen  durch
Erziehung  der  Heimarbeiter  zu  ftändifcher  Solidarität.  Ortsgeiftliche,  Lehrer,
Verwaltungsbeamte  können  hier  den  Heimarbeitern  eine  außerordentlich
große  Wohltat  erweifen,
Q  Vgl.  Hausinduftriepfiege,  Schriften  des  II.  Internationalen  Mittelftandskongreffcs,
  Wien  1908.
            
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