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II. Kap.: Die Entftehung der Hausinduftrie
Zweites Kapitel
Die Entstehung der Hausindustrie
Verfolgt man die Hausinduftrie bis zu ihren erften Urfprüngen, fo laffen
fich vornehmlich fünf Entftehungsarten unterfcheiden, die der Haus
induftrie einen häufig bis in die Gegenwart unauslöfchlichen Stempel auf
geprägt haben. x )
§ 1. Der Urfprung der Hausinduftrie aus einer Neben-
befchäftigung der bäuerlichen Bevölkerung
Es ift bekannt, daß der Bauer mit feiner Familie auch in frühem Wirt-
fchaftsperioden häufig die in feiner Wirtfchaft gewonnenen oder der Allmende
entnommenen Rohftoffe zu gewerblichen Produkten umformte, teils für feinen
eignen Hausbedarf, teils aber auch, foweit er L'berfchuß produzierte, für den
Taufchverkehr. Da brauchte nun dem wenig weltkundigen, Verkehrs- und Ab-
fatzverhältniffe fchlecht überfchauenden Bäuerlein, das anfangs feine Produkte
Im Haufierhandel abfetzte, nur der kaufmännifche Unternehmer zu Hilfe zu
kommen, und der Landmann war — allerdings nur im Nebenberuf — ein Heim
arbeiter. Es war für die Landleute auch häufig zu verlockend, folchem Neben-
verdienft fich zuzuwenden. Die ländliche Arbeit nahm ja nicht das ganze Jahr
hindurch ihre Kräfte in Anfpruch, zumal in den frühem weniger intenfiven
Ackerbaufyftemen. Die lange Winterszeit und die Feierabende wurden da
zweckmäßig ausgefüllt durch häuslichen Fleiß, der manches blanke Geldftück
in die Bauernhütte brachte. Die Erträgniffe der Landwirtfchaft waren zudem
auch oft fo mager, daß der Hausvater gerne jede Gelegenheit ergriff, fein
geringes Einkommen zu erhöhen. Schließlich reizte auch das Vorhandenfein
eines induftriell verwertbaren Rohftoffs in einer beftimmten Gegend (wie
Schiefer, Marmor, Tonerde) die ländliche Bevölkerung zur Befchäftigung.
ln Rußland namentlich, wie überhaupt in den ofteuropäifchen Ländern,
ift die Hausinduftrie vornehmlich auf folche Urfprünge zurückzuführen, wie
*) Vgl. W. S t i e d a a. a. 0. 108 ff. — Bücher, Art. „Gewerbe“ im Handwörter,
ibuch der Staatswiffenfchaften.