Full text : Die deutsche Hausindustrie

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III.  Kap.:  Umfang  der  Hausinduftrie  in  Deutfchland

fich  vorfindet.  Numerifch  tritt  aber  keine  ftark  hervor.  Nach  der  Reichsftatiftik
  gibt  es  keine  einzige,  die  über  1000  Arbeiter  befchäftigt.  Nach  der
Zählung  der  badifchen  Gewerbein  fpektion  (Bittmann)  gibt  es  deren  fünf:
die  Zigarreninduftrie,  die  fich  auf  einen  nördlichen  Komplex  (um  Heidelberg)
und  einen  füdlichen  (um  Offenberg)  verteilt,  die  Heimarbeit  in  der  Porzellanknopf ­
  induftrie  in  der  Freiburger  Gegend,  die  Bürfteninduftrie  mit  dem  Zentrum
in  Todtnau  im  Schwarzwald,  die  Seidenbandweberei  im  füdlichen  Baden,
die  Uhrmacherei  im  Schwarzwald.  Außerdem  exiftiert  eine  bunte  Menge
kleiner,  zum  Teil  hiftorifch  und  technifch  recht  intereffanter  Hausinduftrien,
die  das  ganze  Land  überziehen.  Bittmann  zählt  im  ganzen  94  auf.
Im  Grofzherzogtum  H  e  f  f  e  n  ift  die  Konfektion  mehr  oder  weniger  über
das  ganze  Land  verbreitet,  am  ffärkften  im  Kreife  Oppenheim.  Berühmt  und
numerifch  am  ftärkften  ift  die  Lederinduftrie  in  und  um  Offenbach.  Leinenweberei ­
  findet  fich  im  Vogelsberge,  Tabakinduftrie  in  der  Umgegend  von
Giefzen  und  von  Offenbach.  Außerdem  bergen  der  Vogelsberg  und  der  Odenwald
  eine  Reihe  kleiner  Hausinduftrien.  die  durch  die  Frankfurter  Ausftellung
von  neuem  ans  Licht  der  Öffentlichkeit  traten.  Wir  erwähnen  von  ihnen
die  technifch  hochftehende  Bein-  und  Elfenbeinfchnitzerei  im  Odenwald.
Die  beiden  Mecklenburg  kommen  für  Hausinduftrie  kaum  in
Betracht.
Im  Grofzherzogtum  Sachfen  ift  die  Gegend  von  Apolda  und  Sulza
bekannt  durch  ihre  Wirkerei.  In  einigen  Gebirgsgegenden  (Rhön,  Thüringer
Wald)  ift  Holzfchnitzerei  vorhanden.
Das  Grofzherzogtum  Oldenburg  hat  aufzer  einer  geringen  Korkfchneiderei
  und  Metallverarbeitung  keine  nennenswerte  Hausinduftrie.  In
dem  politifch  angefchloffenen  Fürftentum  Birkenfeld  ift  aber  um  fo  mehr
Heimarbeit  zufammengedrängt  in  der  uralten  Achatfchleiferei,  die  feit  Jahrhunderten ­
  an  den  Wafferläufen  des  Idargebirges  ihre  Werkftätten  (Schleifen)
errichtet  hat.
Die  mitteldeutfchen  Kleinftaaten  haben  alle  etwas  Hausinduftrie,  namentlich
die  Thüringifchen  Staaten  find  von  verfchiedenen  kleinen  Gebirgsinduftrien
durch  fetzt.  Jedoch  nur  in  einigen  wenigen  Staaten  ragt  die  Hausinduftrie  zu
einiger  Bedeutung  empor.  Am  ftärkften  ift  fie  vertreten  in  Sachfen-Meiningen,
wo  die  Sonneberger  Spielwareninduftrie  mit  ihren  detaillierten  Befchäftigungen
über  10  000  Heimarbeitern  das  Brot  gibt.  —  In  Sachfen-Coburg-Gotha  fitzen
in  gewiffen  Gegenden  dichtgedrängt  die  Korbmacher;  außerdem  ift  aus  dem
Sonneberger  Kreife  die  Spielwareninduftrie  hierhergekommen.  —  Sachfen-Altenburg
  hat  unter  Einwirkung  der  Tabakbezirke  des  angrenzenden  König-
            
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