Full text : Die deutsche Hausindustrie

74

IV.  Kap.:  Wirtfchaftliche  und  fozialc  Zuftände  in  der  Hausinduftrie

wir  folgende  nach  amtlichen  Erfahrungen  feftgeftellte  Zahlen  von  Schulkindern, ­
  die  in  der  Hausinduftrie  befchäftigt  waren.  x )
Es  waren  hausinduftriell  tätig
in  Schalkau  von  408  Schulkindern  201  =  49.26  Prozent

,,  Rückerswind

„  35

19  =  54,28

„  Neuenbau

,.  168

105  =  62,50

„  Hämmern

„  268

171  =  63,80

„  Neufang

„  143

95  =  66,43

,,  Forfchengereuth

„  104

75  =  72,11  „

„  Mengersgereuth

„  187

139  =  78,09  „

Schichthöhe

„  56

45  =  80,34

Zudem  ift  aber  auch  gerade  für  das  Meininger  Oberland  eine  Heranziehung ­
  der  Kinder  im  vorfchulpflichtigen  Alter  zur
Hausinduftrie  nachgewiefen.  Meiningen  konnte  darum  auch  mit  Recht
im  Reichstag  als  das  „klaffifche  Land  der  Kinderarbeit“  bezeichnet  werden.  *  2 )
Inzwifchen  trat  am  I.  Januar  1904  das  Kinder  fchutzgefetz
in  Kraft.  Aber  die  Klagen  über  die  ungemein  fchwierige  und  darum  fehr
mangelhafte  Durchführung  des  Gefetzes  wollen  nicht  verftummen.  Die  deutfehe
Heimarbeitausftellung  in  Berlin  hat  aufs  neue  erfchütternde  Bilder  aus  dem
Bereich  der  Kinderheimarbeit  gebracht.  Die  Berichte  der  Gewerbeinfpektoren
betätigten  fie.  So  waren  1905  im  Regierungsbezirk  Aachen  noch  von  4500
gewerblich  tätigen  Kindern  3600  in  der  Hausinduftrie  befchäftigt,  darunter
1100  im  Alter  von  6  bis  8  Jahren.  3 )  Im  Jahre  1906  waren  ebenda  allein  2500
Kinder  zum  Einfetzen  von  kleinen  Meffingdruckfedern  in  die  Druckknöpfe
eingeftellt.  4 )
Allerdings  weifen  einige  Gegenden  einen  erfreulichen  Rückgang  der  gewerblichen
  Kinderarbeit  auf.  Im  Kreife  Worms  waren  1903  5,8  Prozent
der  Schulkinder  gewerblich  tätig,  1910  waren  es  nur  noch  1,7  Prozent.  5 )  Imi
Regierungsbezirk  Oppeln  ging  1905—1910  die  Zahl  der  gewerblich  befchäftigten
  fremden  Kinder  von  382  auf  57,  die  der  gewerblich  tätigen  eignen
Kinder  von  192  auf  148  zurück.  6 )  Bemerkenswert  i|t  für  die  Heimarbeit  der
geringere  Rückgang  bei  den  eignen  Kindern.  Aus  Chemnitz  wird  fogar  eine
förmliche  Abwanderung  der  erwerbstätigen  Kinder  aus  der  fremden  Werk-4
 )  Vgl.  O.  S  t  i  I  1  i  c  h.  Die  Spielwaren.Hausinduftrie  des  Meininger  Oberlandes,
Jena  1899,  96;  M  e  e  r  w  a  r  t  h  a.  a.  O.  24-2
 )  Reichstagsverhandlungen  vom  24-  April  1902.  Stenogr.  Bericht,  5028.
3 )  „Soziale  Praxis“  XV  1009  ff.
4 )  Ebd.  XXI  1059-5
 )  Ebd.  XX  1215.
6 )  Ebd.  XXI  1091
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.