§ 3. Arbeitszeit, Nacht- und Sonntagsarbeit
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Der Durch fchnitt der täglichen Gefamtarbeitszeit belief fich demnach auf
13 3 / 4 Stunden. Von den alleinarbeitenden Heimarbeiterinnen machten im
ganzen 30 Angaben über ihre tägliche Arbeitszeit, und zwar arbeiteten fie
II, 12, 12%, 13, 13%, 14, 14%, 15, 16, 16%, 17, 17%, 18, 19, 19%, 20 St.
in 1, 1, I, 1, I, 3, 2, 3, 4, 2, 3, 2, 3, 1, 1, 1 F.
insgefamt.leifteten diefe 30 Per fönen eine tägliche Arbeitszeit von 474 Stunden,
die einzelne alfo im Durchfchnitt eine folche von 15,8 Stunden.
Die Statiftik des Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen von 1907 refp. 1912,
die fich außer der Konfektion auf Schirmnäherei, Trikotnäherei, Weißftickerei,
Mafchinenftrickerei, Papierinduftrie und einige kleinere Hausinduftrien
erftreckt, kommt zu günftigern Zahlen. 1 ) Dabei ift aber nicht zu vergeffen,
daß nur eine Mittelfchicht der Heimarbeiterfchaft erfaßt ift, weil die aller-
dürftig|ten Heimarbeiterinnen, ebenfo wie die verhältnismäßig gut entlohnten
der Organifation fernbleiben. Nach der Statiftik arbeiten 19 Prozent bis
7 Stunden, 65 Prozent bis 12 Stunden, 16 Prozent mehr als 12 Stunden. Die
wenigen Arbeiterinnen, die bis 7 Stunden befchäftigt find, betreiben die Heim
arbeit als Nebenberuf und find aus diefem Grunde zu großer Ausdehnung
der Arbeitszeit nicht genötigt. Es wird aber auch bemerkt, daß befonders in den
Saifoninduftrien und bei den Änderinnen, die für die Detailgefchäfte in ihren
Wohnungen arbeiten, Fälle graufamer Überarbeit Vorkommen, daß Arbeits
zeiten von 16 und 18 Stunden nicht ganz feiten find.
In der Nürnberger Zinnmalerei muß die Frau mindeftens
10 bis 12 Stunden außer der Haushaltsarbeit arbeiten, wenn die Befchäftigung
überhaupt rentabel fein foll, d. h. wenn die Arbeiterin 4 bis 5 M. Bruttoverdienft
in der Woche erzielen will. Eine Arbeitsdauer von 14 bis 16 Stunden ift daher
keine Seltenheit! Eine Frau in Fürth beginnt %6 Uhr morgens und arbeitet
bis 11 Uhr nachts, eine andere beginnt %5 Uhr und befchließt ihr Tagewerk
ebenfalls II Uhr nachts. Die dazwifchen fallenden Paufen zur Einnahme der
Mahlzeit oder zur notwendigen Hausarbeit find fo gering, daß fie kaum zu
rechnen find. * 2 )
Eine im Spätfomm^r 1901 vorgenommene Umfrage ergab für Elberfeld
für 75 Befragte und 72 Antwortende 33 mit einer Arbeitszeit von 13 bis 15
Stunden, 5 mit 15 bis 16 Stunden, 2 mit 16 bis 17 Stunden, I mit 17 bis 18
Stunden. Eine im Winter 1901 vorgenommene Erhebung in München ergab
für die felbftändigen Arbeiter in der Herrenkonfektion bei 116 im allgemeinen
J ) O a c b c 1 a. a. O. 95 ff,
2 ) Vgl. W. U h I f e I d e r, Die Zinnmalereien in Nürnberg und Fürth, Sehr. d. V,
f. S. 84, 178; K. Rofenhaupt, Die Nürnberg-Fürther Metallfpielwareninduftrie.
Berlin 1907, 195 ff.