Full text: Die deutsche Hausindustrie

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IV. Kap.: Wirtfchaftliche und foziale Zuftände in der Hausinduftrie 
während die übrigen in |o engen Räumen arbeiten und fchlafen, da|z die gefund- 
heitlich und fittlich bedenklichften Folgen nicht ausbleiben können. Ver- 
fchiedene Erhebungen haben den ungenügenden Kubikinhalt der Arbeits 
und Schlafräume bei den Hausinduftriellen genügend dargetan. Wenn wir 
den Anfichten von medizinifchen Autoritäten, wie Rubner, Oppermann, 
Sommerfeld 1 ) folgen, fo find folgende Mindeftforderungen bezüglich des Luft 
raumes für den einzelnen Arbeiter zu ftellen: 
bei einmaliger Lufterneuerung in der Stunde 38,5 cbm 
„ zweimaliger „ ,, „ ,, 18,9 » 
„ dreimaliger ,, „ ,, „ 12,4 ,, 
Dabei ift lediglich die Verunreinigung der Luft durch die ausgeatmete Kohlen- 
fäure zugrunde gelegt, nicht die durch Verarbeitung der organifchen Subftanzen 
und ähnliches herbeigeführte Verunreinigung. Jedermann weift nun, da(z 
für Lufterneuerung in den Arbeitsftätten gewöhnlicher Leute nicht reichlich 
geforgt wird und dafz alfo das Höchftma|z von Luftinhalt in zahlreichen Fällen 
durchaus zu fordern wäre. Und wie liegen demgegenüber die Verhältniffe 
in der Wirklichkeit? 
Nach den Feftftellungen der Berliner Fabrikinfpektion, 
die fich auf die Kleider- und Wäfchekonfektion und auf 
die Kohlenfäurebranche beziehen, entfiel auf die einzelne Perfon 
ein Luftraum 
von über 30—40 cbm in 2,6 Prozent der befichtigten Arbeitsräume 
„ 20—30 „ „ 6,6 
„ ,, 15—20 „ „ 22,7 
„ „ 12—15 „ „ 18,3 
„ „ 10—12 „ „ 15,1 „ ‘ „ 
„ „ 8—10 „ „ 16,1 
„ „ 6—8 „ „ 14,1 
„ .. 4—6 „ „ 5,1 
.. 4 „ „ 0,2 
„ .. 3 „ „ 0,2 
Mehr als 50 Prozent der von dem Fabrikinfpektor unterfuchten Wohnungen 
in der Kleider- und Wäfchekonfektion blieben hinter jenem Luftraum zurück, 
deffen Feftfetzung ein dreimaliger Luftwechfel in der Stunde und das Fehlen 
jeder befondern Luftverunreinigung zugrunde gelegt ift. Noch ungünftiger 
erwiefen fich die Verhältniffe in Bielefeld und Nürnberg, wie 
') Rubner, Lehrbuch der Hygiene 166; W. Oppermann in der Zeitfchrift 
der Zentralftelle für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen 1894, Nr. 3und4; T. Sommer 
feld, Handbuch der Gewerbekrankheiten, Berlin 1898, 66. — Die hier aufgeftellten 
Mindeftforderungen ftellen ein Ideal dar, das in der Praxis aus verfchiedenen Gründen 
kaum erreichbar ift. Es kann darum aber doch als Mafzftab dienen, nach welchem 
die Wohnungen nach der hygienifchen Seite beurteilt werden können.
	        
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