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Einleitung: Entwickelung des Verkehrswesens.
Welchen gewaltigen Einfluß das Verkehrswesen ausübt, führt uns namentlich unsere
Zeit, die in der That im Zeichen desselben steht, in besonders anschaulicher Weise vor
Augen. Gleichsam über Nacht haben die Verhältnisse der Menschen durch die Erfindung
und Einführung der Eisenbahnen eine Umwandlung erfahren. Dieser Einfluß ist auch
in geistiger Beziehung ein so mächtiger und weittragender, daß man mit Recht die Be
hauptung aufstellen konnte, ein Watt, der Erfinder der Dampfmaschine in ihrer heutigen
Gestalt, und ein Stephenson, der Erbauer der ersten leistungsfähigen Lokomotive, haben
einen ebenso großen Einfluß auf die geistigen Anschauungen der Menschen ausgeübt als
ein Luther und Voltaire.
Erfreuliche Bilder sind es in der Mehrzahl, die an unseren Augen vorüberziehen,
wenn wir die Entwickelung des Verkehrswesens betrachten. Der ungeheuer große Unter
schied zwischen dem beladenen, auf schlechten Wegen dahinkeucheuden Menschen und dem
mit rasender Geschwindigkeit dahineilenden, mit allem erdenklichen Komfort ausgestatteten
Eilzug ist das Resultat einer zwar Jahrtausende langen Arbeit, aber trotz dieses langen,
für die Ausbildung erforderlich gewesenen Zeitraumes ist dieser Unterschied ein so gewaltiger,
daß er vollauf geeignet ist, unsere Genugthuung über die erzielten Erfolge hervorzurufen.
In diesem Umwandlungsprozeß spielten einzelne Erfindungen, welche zu den glänzendsten
des menschlichen Scharfsinnes gehören, eine hervorragende Rolle, so der Wagen, das Schiff
und vor allem, wie bereits ausgesprochen, die Eisenbahnen.
Den Ausgangspunkt des Verkehrswesens bildete die Ortsveränderung des Menschen.
Dieselbe erlangte für die Verkehrsentwickelung jedoch erst mit dem Augenblicke Bedeutung,
als sie von einer Ansiedelung zur anderen stattfand und mit ihr ein Austausch von Natur
produkten oder Erzeugnissen der menschlichen Thätigkeit verbunden war. Dem Handel
kommt für die erste Ausbildung des Verkehrs eine ganz hervorragende Bedeutung zu,
wie dieser Einfluß wohl für alle Zeiten der wirksamste bleiben wird. Wir brauchen uns
in dieser Beziehung nur daran zu erinnern, daß selbst in unserer Zeit mit ihrem gegen
früher geradezu enormen Personenverkehr dennoch dieser gegen den Frachtverkehr weit
zurücksteht, und daß der letztere es ist, der in den weitaus meisten Fällen sowohl für die
Verbindungen zu Lande wie zu Wasser von ausschlaggebender Bedeutung ist. Durch seine
Ergiebigkeit hat er zu einem nicht geringen Teile den ausgebildeten Personentransport
erst ermöglicht. Neben dem Handel waren von früher Zeit an einige andere Momente,
besonders der Krieg, wirksam, daß Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen der
Erde hergestellt wurden. Das Erfordernis, die Armeen leicht von einem Ende des römischen
Weltreiches nach dem anderen schaffen zu können, trug nicht am wenigsten dazu bei, jenes
ausgedehnte Straßennetz entstehen zu lassen, das heute noch in seinen Überresten unsere
Bewunderung erregt. Das Streben nach möglichst großer Kriegsbereitschaft ist auch in
unseren Tagen noch auf die Entstehung ausgedehnter Verbindungen, besonders auf die
Schaffung von Schienenwegen, von Einfluß.
Selbstgetretene Pfade, welche Flußläufen und Thalbildungen folgten und welche
ohne eigentlichen Arbeitsaufwand durch das fortwährende Betreten während mehrerer
Generationen entstanden waren, bildeten die ersten Wege. Es verstrich zweifellos ein sehr
langer Zeitraum, ehe durch die Thätigkeit der Menschen diese Wege eine weitergehende
Ausbildung erfuhren. Auf diese Ausbildung hat die Entwickelung der Transport
mittel einen sehr großen Einfluß ausgeübt. In den ersten Anfängen der Kultur war der
Mensch sein eigenes Lasttier und spielte die Muskelkraft der Menschen bei der Transport
vermittelung eine große Rolle. Auch heute finden wir diese primitive Art der Güter
bewegung noch vielfach, namentlich im Orient wird der Lastträger noch lange nicht ver
schwinden, wie derselbe auch im Gütertransport Chinas und Mittelafrikas vorläufig noch
nicht verdrängt werden wird. Der Neger trägt auf seinem Kopfe oder Rücken bedeutende
Lasten mit größter Leichtigkeit. In Amerika wurden vor der Entdeckung durch die Europäer
fast alle Lasten durch Träger befördert, in Südamerika ist in den Anden auch heute noch
der Lastträger, der Carguero, eine häufige Erscheinung.
Frühzeitig wußte sich der Mensch jedoch einzelne Tiere für den Transport zu nutze
zu machen, so das Kamel, das Pferd, den Ochsen, den Esel, den Hund, den Elefanten,