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Lohnbewegung und wilde, die ganze deutsche Volkswirtschaft zerrüttende
Streiks ausgewachsen hat, einfach entsetzt sein würde!
In der Kritik dieser Klassenkampftheorie können wir uns sehr kurz fas
sen. Alles, was wir in unseren früheren Aufsätzen über den historischen Ma
terialismus zu dessen Bekämpfung ausführten, gilt auch hier. Gewiß üben
wirtschaftliche Vorgänge und wirtschaftliche Machtverhältnisse einen sehr
weitgehenden Einfluß auf das Dasein und die geschichtliche Entwickelung .der
einzelnen Menschen sowohl wie ganzer Völker aus, aber es ist eine unge
heuere Uebertreibung und gewaltige Einseitigkeit, zu lehren, daß der ganze
Ablauf der menschlichen Dinge, die gesamte politische, geistige und auch
religiöse Geschichte weiter nichts sei als ein Kampf der sozialen Klassen um
die Futterplätze und um die Macht. Niemals ist damit menschliche Univer
salgeschichte identisch und erklärt sich aus ihm restlos! Das ist schon früher
mit allem Nachdrück betont. Nur das sei hier nochmals besonders hervor
gehoben: Die Religion führt ihre ei!gene von der Wirtschaft und vom je
weiligen Staate fast losgelöste Sonderexistenz für sich. Ihr Reich ist nach
den Worten des großen Nazareners wahrhaftig nicht von dieser Welt. Die
Religion, deren wechselvolle Gestalten einen sehr großen Teil der
Menschheitsgeschichte ausmachen, erhebt den Gläubigen über das Dies
seits, sie tröstet ihn über die irdischen Bedrängnisse und bringt ihn in ein
Verhältnis zu Gott und hebt ihn empor über die Schrecken des Todes. Die
Religion verfolgt durchaus überirdische Ziele, die mit staatlichen und wirt
schaftlichen Dingen schlechterdings nichts, aber auch gar nichts gemein
haben.
Die wissenschaftlichen Schwächen dieser Klassenkampflehre sind denn auch
den besten Köpfen des Sozialismus, insbesondere des Revisionismus"
in der Sozialdemokratie nicht immer verborgen geblieben. Aber
sie konnten sich leider nicht dazu entschließen, „diese völlig ver
altete Doktrin" (wie sie einer der geistvollsten neueren Sozial
demokraten Dr. Paul L e n s ch in seiner soeben erschienenen klei
nen Schrift „Am Ausgang der deutschen Sozialdemokratie" (S. 25)
nennt) in ihrer „Starrheit und Enge" zu überwinden. Diese schwere „Unter
lassungssünde" richtete sich nun „mit zerschmetternder Gewalt gegen sie selbst
und gegen Staat und Freiheit." (Lensch a. a. O., S. 23.) Spartakus und
Unabhängige nützten sie trefflich aus. „Mit dieser alten Ideologie haben
Unabhängige Und Spartakisten den Bürgerkrieg in Deutschland entfesselt,
die Kämpfe in Berlin, unter Liebknecht und Luxemburg, in Bremen, Mün
chen, im Rührgebiet, in Mitteldeutschland, sie alle hatten zur Grundlage
die alte Klassenkämpftheorie." (Lensch, S. 23.) Man hatte schon ganz wieder
vergessen oder richtiger wohl, man war sich überhaupt gar nicht darüber
klar geworden, daß jetzt nach dem 9. November 1918 nicht mehr die Bour-
goisie die herrschende Klasse im Staate ist, sondern die Arbeiterschaft.
c) D i e Marxische Wert- und Mehrwerttheorie.
Nach dem kurzen Aufriß der Fundamente der stolzen sozialphilosophi
schen Lehren des Karl Marx wollen wir uns nunmehr der Darlegung seiner
wichtigsten einzelnen nationalökonomischen Lehren zuwenden. Wir be-