— 63 —
von uns mitgeteilten Stellen) offenkundigen Zwang an, zweifelsohne haben
Marx und Engels ihrer Theorie eine ganz andere, sehr reale Bedeutung bei
gelegt und „Elend", Druck, Ausbeutung und Sklaverei sehr handgreiflich, ma
teriell verstanden.
g ) Die Krisen- und Zusammenbruchstheorie.
Sie geht dahin: Aus dem Schatze der bürgerlichen Gesell
schaft wachsen die Kräfte hervor, die sie langsam aber sicher
dem Untergange zuführen. Die völlig anarchische Produktionsweise,
die immer steigende Prositsucht, die fehlende Uebersicht über die
Absatzmärkte und die Gestaltung des Absatzes machten das Mitz-
verhältnis zwischen der Menge der ' Warenvorräte und ihrer Absatz-
fähigkeit immer krasser. Immer mehr und mehr würden die Krisen zuneh
men, gleichsam immer wiederkehrende Bankerotte der bürgerlichen Gesell
schaft seien sie, die schlietzlich zu einer Weltkrisis und zu einem völligen.Zu
sammenbruch der ganzen kapitalistischen Produktionsweise führen werden.
Im „Kommunistischen Manifeste" lesen wir (S. 30/31) hierüber: „Die bür
gerlichen Eigentumsverhältüisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so
gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem
Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr, zu beherrschen ver
mag, die er heraufbeschwor. Seit Dezennien ist die Geschichte der Industrie
uUd des Handels nür die Geschichte der Empörung her modernen Produktiv
kräfte gegen die modernen/ Produktionsverhältnisse, gegen die Eigentums
verhältnisse, welche die Lebensbedingungen der Vourgoiste und ihrer Herr
schaft sind. Es genügt die Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodi
schen Wiederkehr immer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen Ge
sellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht
nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen.Produktivkräfte
regelmäßig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie
aüs, welche allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre —
die Epidemie der Ueberproduktion. Die Gesellschaft findet sich plötzlich in
einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt/ eine Hungersnot, ein
allgemeiner Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten
zü haben, die Industrie, der Handel scheinen vernichtet, unh warum? Weil
sie zu viel Zivilisation, zu viel Lebensmittel, zu viel Industrie, zu viel
Handel besitzt. Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen, dienen
nicht mehr zur Beförderung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, im Ge
genteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden, sie werden
von ihnen gehemmt,, und sobald sie diese Hemmnis überwinden, bringen sie
die Existenz des bürgerlichen Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse
sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen. Wo
durch überwindet die Bourgoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwun
gene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die
Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte.
Wodurch also? Dadurch, daß sie allseitigere mnd gewaltigere Krisen vorbe
reitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert."
Auch hier hat das Erfurter sozialdemokratische Parteiprogramm vom
Jahre 1891 sich restlos dem Meister verschrieben. Es heißt hier Über die
Krisen: „Der Abgrund zwischen Besitzenden und Besitzlosen/ wird noch er-