Full text : Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

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III.  Kurze  Würdigung  der  Bedeutung  von  Karl  Marx
für  Wissenschaft  und  Arbeiterbewegung.
Bereits  in  den  früheren  Abschnitten  sahen  wir  bei  Besprechung  der
wichtigsten  einzelnen  Theorien  von  Karl  Marx,  daß  seine  Lehren  größtenteils ­
  der  tragenden  Grundkraft  entbehren  und  durch  die  Tatsachen  »infach
widerlegt  worden  sind  Und  es  noch  heute  täglich  werden,  die  wirtschaftliche,
soziale  und  allgemein  kulturelle  Entwickelung  der  Arbeiterschichten  nahm
einen  ganz  anderen  Verlauf  als  ihn  der  verdüsterte,  alles  schwarz  in  schwarz
malende  Marx  vorausgesagt  hatte.  Nicht  nach  unten,  in  ein  immer  größeres ­
  Elend  hinein,  sondern  aufwärts  gu  lichten,  sonnigen  Höhen  führte  die
Entwickelung.  Wir  mußten  die  grundlegende  sozialphilosophische  Lehre  des
„Historischen  Materialismus"  nicht  als  leuchtende  und  wärmende  Zentralsonne. ­
  sondern  als  trügerisches,  in  den  Sumpf  lockendes  Irrlicht  erkennen.
Die  soziale  Entwickelung  vollzieht  sich  unter  Menschen,  diese  vollziehen  die
Entwickelung,  diese  setzen  sich  Zwecke  und  handeln  nach  ihnen.  Restlos  durchdacht ­
  Und  bis  zum  äußersten  angewandt,  führt  die  Marxische  Lehre  von  der
blinden,  ehernen  „Naturnotwendigkeit"  alles  sozialen  Werdens  zu  einer
stumpfen  Ergebenheit  und  blinden  Fatalismus!  Durchaus  ry'it  Recht  erklärt ­
  Sombart  alles  soziale  Geschehen  für  einen  zu  bewirkenden  Zustand.
„Es  ist  rfien 1  ganz  verkehrt,  die  Vorstellung  vom  naturgesetzlichen  Prozeß
blindlings  auf  das  soziale  Leben  zu  übertragen;  also  in  unserem  Falle  zu
sagen,  der  Sozialismus  müsse  mit  Naturnotwendigkeit  kommen.  Er  denkt
gar  nicht  daran.  Warum  beispielsweise  die  Entwickelung  des  Kapitalismus
nicht  ebensogut  zu  einem  Untergänge  der  modernen  Kultur  soll  führen  können ­
  ...  ist  nicht  einzusehen."  (Sozialismus  und  soziale  Bewegung,  S.  106).
AIs  verfehlt  erwiesen  sich  uns  auch  die  Klassenkampftheorie,  sowie  die  Akkumulations-,
  die  Verelendungs-  und  die  Krisen-  (Zusammenbruchs-)  Theorie.
In  sehr  weitem  Umfang  dagegen  als  richtig  stellte  sich  —  wenigstens  auf
gewerblichem  Gebiete  —  die  Konzentrationsthevris  heraus.  Wir  sehen,  daß
die  Großindustrie  in  Deutschland  in  unaufhaltsamem  Vorrücken  begriffen  ist
und  unter  Zurüädrängung  —  wenn  auch  keineswegs  unter  völliger  Beseitigung ­
  und  Vernichtung  —  des  Handwerks  und  kleingewerblichen  Betriebes  —
das  kennzeichnende  Merkmal  unserer  industriellen  Entwickelung  überhaupt
ist  und  unserer  Jndustrieverfassung  den  beherrschenden  Stempel  aufprägt.
Unendlich  schwierig  ist  es,  über  Marx  ein  objektives,  abschließendes  Werturteil, ­
  über  die  Bedeutung  seines  Lebenswerkes  für  die  Geschichte  der  Wissenschaft ­
  abzugeben.  Gerade  für  ihn  gilt  das  Dichterwort:  „Von  der  Parteien ­
  Hatz  ünd  Gunst  verwirrt,  schwankt  sein  Charakterbild  in  der  Geschichte." ­

Aber  eins  ist  mit  allem  Nachdruck  zu  betonen:  Aller  sachlicher  Widerspruch ­
  zu  Marx  und  alle  bewußte  Ablehnung  seiner  Hauptlehren  —  wie  es
hier  geschah  —  darf  den  überzeugten  wissenschaftlichen  Gegner  nicht  von  dem
rückhaltlosen  Zugeständnis  abhalten:  Marx  gehört  zu  den  ganz  großen  sozialphilosophischen ­
  und  wirtschaftsgeschichtlichen  Denkern  aller  Zeiten!
Durch  seine  Lehre  vom  geschichtlichen  Materialismus  suchte  er  als  Erster
das  bunte  erdrückende  Wirrsal  des  historischen  Abflusses  aller  menschlichen
Dinge  nach  einem  großen  einheitlichen  und  unerbittlichen  Grundgesetz  zu
            
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