Full text : Die Arbeitsverhältnisse Zürcherischer Ladentöchter und Arbeiterinnen

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geschlossen  werden  müssten?  Die  Arbeiter  haben  jeden  Wochentag
weniger  Arbeitszeit  als  wir  Töchter,  und  wenn  wir  am  Abend
heimkommen,  wartet  unser  gewöhnlich  noch  Hausarbeit,  und  so
wird  es  am  Samstag  gewöhnlich  sehr  spät,  bis  man  zur  Ruhe
kommt.“
Eine  Verkäuferin  in  einem  Metzgergeschäft  gibt  folgenden
Aufschluss:  „Als  leidiger  Faktor  muss  ich  hinzufügen,  dass  wir
am  Samstag  bis  spät  in  die  Nacht  hinein  arbeiten  müssen.  Dem
wird  kaum  ganz  abzuhelfen  sein,  wenn  grosser  Absatz  da  ist,
denn  die  Kassaaufnahme  und  das  Putzen  brauchen  Zeit.  Beim
Inventar  komme  ich  nie  vor  11  Uhr  fort.  Wir  müssen  aber  dann
trotzdem  selbst  im  Winter  um  7  Uhr  morgens  wieder  auf  dem
Posten  stehen.“
Ladentochter  der  Stadt  klagt:  „Meiner  Meinung  nach  könnte
wohl  die  Arbeitszeit  (sie  arbeitet  IO 3 /*  Stunden  pro  Tag)  etwas
eingeschränkt  werden.  Denn  bei  solch  langem  Heimweg  kommt
man  nie  vor  9  Uhr  nach  Hause,  und  seine  Kleider  in  Ordnung
halten  ist  geradezu  unmöglich,  ausgenommen  natürlich  am  Sonntag“.
Was  nun  die  Arbeitszeit  im  allgemeinen  anbelangt,  so  wurde
auf  dem  Lande  mehr  geklagt  als  in  der  Stadt;  so  bemerkt  u.  a.
eine  Tochter:  „Für  zwei  Franken  Taglohn  ist  denn  doch  eine
Arbeitszeit  von  zwölf  Stunden  zu  viel.“
Eine  andere  gibt  folgende  Schilderung,  die  sich  auch
auf  weitere  Punkte  erstreckt,  welche  wir  aber  nicht  aus  dem
Zusammenhänge  reissen  möchten:  „In  unserem  Geschäft  ist  der
Misstand,  dass  die  Arbeitszeit  für  jedes  Einzelne  viel  zu  lang  ist,
volle  12Stunden  bei  strenger,  aufregender  Arbeit.  Der  Ladenschluss ­
  findet  selten  zu  rechter  Zeit  statt.  Ist  jemand  krank,
wird  jeder,  wenn  auch  nur  halbe  Tag  abgezogen,  und  bei  längerer
Unpässlichkeit  werden  nur  drei  Tage  vergütet.  Im  Winter  hauptsächlich ­
  wird  es  jeden  Abend  9  Uhr.  Von  diesen  Ueberzeiten
haben  wir  nie  etwas.  Das  Lokal  muss  von  den  Ladentöchtern
in  Ordnung  gehalten  werden;  es  gibt  demnach  viel  zu  putzen
und  braucht  viel  Kleider.  Der  Lohn  ist  für  die  lange  Arbeitszeit
viel  zu  klein,  wenn  man  bedenkt,  dass  man  in  der  freien  Zeit
kaum  seine  Strümpfe  flicken  kann  und  somit  gezwungen  ist,
alles  auszugeben.“
            
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