Kapitel I. Die Hedonisten.
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JEs ist dies der Nutzen im Sinn der alten klassischen Ökono
misten, den sie Gebrauchswert nannten — und dem sie wohl
ihre Reverenz erwiesen, den sie dann aber als belanglos liegen
ließen. — Dieser Gebrauchswert erlebt nun, wenn auch stark ver
wandelt, seine Wiedergeburt.
Zunächst wird er endgültig von der Nützlichkeit im landläufigen
und wortbegrifflichen Sinne dieses Ausdruckes getrennt, von der
Nützlichkeit, die im Gegensatz zu Schädlichkeit oder Überflüssig
keit steht: er drückt weiter nichts aus, als die Fähigkeit, irgend
einen Wunsch des Menschen zufrieden zu stellen, sei er vernünftig,
dumm oder verbrecherisch, Brot, Diamant oder Opium, ganz gleich
gültig 1 ).
Zweitens handelt es sich nicht um die irgendeinem Gut inne
wohnende Nützlichkeit, z. B. den Nutzen des Wassers, des Eisens
oder der Kohle mit Hinsicht auf die Bedürfnisse der Menschheit,
sondern um die Nützlichkeit einer konkreten Einheit, die den Gegen
stand unserer Bemühungen als Tauschender , Produzent oder Ver-
Bedeutung aber erst viel später erkannt worden ist. Auch Gossen hatte sie in dem
weiter unten angeführten Werk (vgl. 8. 601 Anni. 1) herausgearbeitet.
In ihrer heutigen Form wurde sie gleichzeitig von Stanley Jevons in seiner
Theory of Political Economy (1871) und von Kael Mbngbr in seinen
Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre (1871) dargelegt. Auf der anderen
Seite ist die Auffassung Walras’ von der Seltenheit ganz ähnlich und ungefähr
gleichzeitig (1874). Endlich scheint der amerikanische Professor Clark in seiner
Philosophy of Value, obgleich sie etwas später erschienen ist (1881), unmittelbar,
aber auf einem anderen Wege zu demselben Gedanken gekommen zu sein. Es ist
das ein bemerkenswertes Beispiel des übrigens ziemlich häufigen Zusammentreffens
der Entdeckungen in der Geschichte der Ideen.
Trotz ihrer kosmopolitischen Ursprünge hat diese Schule den Namen der
»österreichischen Schule“ erhalten, weil sie in Österreich ihre bedeutendsten Ver
treter gefunden hat, unter denen, außer dem schon genannten Professor Karl Mbngbr,
der Professor Sax, Das Wesen und die Aufgabe der Nationalökonomie
(1884), zu erwähnen ist; weiterhin: v. Wieser, Der natürliche Wert (1889),
and besonders v. Böhm-Bawbek, Grundzüge der Theorie des wirtschaft
lichen Güterwerts (Jahrbücher für Nationalökonomie, 1886), und sein
berühmtes Buch über Kapital und Kapitalzins.
, Man kann aber sagen, daß heute diese Lehre mehr amerikanisch als öster
reichisch geworden ist: die Professoren J. B. Clark, Patten, Irving Fisher,
Carveh, Fetter usw. pflegen den „Kandnutzen“ mit Leidenschaft, besonders in der
Untersuchung der Güterverteilung und vor allem in der Auffassung von Kapital
vnd Zins.
b Um die Verwirrung, die aus dem Gebrauch desselben Wortes zur Bezeichnung
zweier so verschiedener Begriffe entsteht, zu vermeiden, da sie, was man auch
dagegen tun möge, doch das Vorstellungsvermögen trübt, hat Vilbredo Pabeto
das Wort Nützlichkeit durch Ophelimität ersetzt, und Charles Gide wendet in
seinen Prinoipes d’Economie Politique seit 1883 das Wort desirabilite
dafür an.
Gide und Eist, Gtesch. d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen.
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