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Die Eisenbahnen: Bauliches.
selbem, Steinbrüchen u. s. w. — durch Bahnkrümmungen aus dem Wege gegangen oder
die dafür zu zahlende Entschädigungssumme in Ansatz gebracht werden kann. Die Hoch
wasserverhältnisse der Wasserläuse müssen wegen der Brücken, Dämme, Durchlässe u. s. w.
klargestellt werden, desgleichen die Entnahmestellen für das Kesselspeisewasser (Wasser
stationen) und die Absturzstellen von Lawinen. Alle Senkungen und Erhebungen des
Geländes sind in entsprechender Breitenerstreckung sorgfältig zu vermessen und genaue
Karten danach anzufertigen (mit Höhenlinien), welche ein getreues Spiegelbild des Ge
ländes mit allen Bauten, etwaigen Sümpfen, Mooren, Hochwassergrenzen u. s. w. liefert.
Aus dieser Karte ist dann der vorteilhafteste Verlauf der Bahnlinie zu entnehmen, wobei
es ganz besonders auf das zweckmäßigste Steigungsverhältnis ankommt, das ihr unter
den vorliegenden Umständen zu geben ist.
Dann kommt die Prüfung und Bearbeitung der rein technischen Punkte, wie An
ordnung des Bahnkörpers (Dämme, Ein- und Anschnitte, vergl. Abb. 62) mit den Stütz- und
Futtermauern, den Böschungsabdeckungen und Durchlässen, der Brücke», Tunnels, Thal
brücken, Schutzgalerien gegen Steinstürze und Lawinen u. s. w., der Entwässerung, Fluß-
uud Wegeverlegung, Senkung der Thalsohle und des Wasserlaufes, Wegeübergänge, Bahn
höfe, Signale, Wärlerhäuser, Werkstätten, des Oberbaues u. s. w. Wechseln Einschnitte und
Dämme miteinander ab, so ist noch zu prüfen, ob das aus ersteren gewonnene Material
(der „Abtrag") für das Schütten des letzteren (der „Auftrag") ausreicht. Wenn nicht,
wird die Linie unter Umständen noch etwas gesenkt oder höher gelegt, bis der Abtrag gleich
dem Auftrag geworden ist. Man nennt dieses Verfahren, zu dem umständliche Rechnungen
und zeichnerische Arbeiten nötig sind, den Massenausgleich. Durch ihn werden unnötige
Kosten für die sonst erforderliche Gewinnung von Schütlmaterial aus besonderen Ent
nahmestellen vermieden.
Jeder Eisenbahnentwurf bedarf der staatlichen Genehmigung. Behufs ihrer Er
langung ist ein nach bestimmten Vorschriften bearbeiteter Plan aufzustellen. Hierzu be
nötigt es der „allgemeinen Vorarbeiten". Nach erfolgter Genehmigung wird die Linie
im Gelände genauer abgesteckt und auf Grund der nun auszuführenden „besonderen"
oder „ausführlichen Vorarbeiten" ein endgültiger Plan mit allen Einzelheiten ausgearbeitet.
Der Unterschied beider Arten von Vorarbeiten ergibt sich ohne weiteres schon aus ihren
Beiwörtern. Er ist in den vorstehenden Erörterungen nicht zum besonderen Ausdruck
gelangt, da es hier darauf ankam, ein knappes Gesamtbild von den zur Festlegung einer
Eisenbahnlinie erforderlichen Hauptarbeiten zu geben.
Eingehende Überlegung verursachen noch diejenigen Bauwerke, deren Herstellung
längere Zeit in Anspruch nimmt. Vor ihrer Inangriffnahme wird ein sorgsam durch
dachtes Bauprogramm aufgestellt, das ein übersichtliches Bild von den demnächstigen ein
zelnen Vorgängen geben muß, namentlich noch hinsichtlich ihrer mutmaßlichen Zeitdauer.
Nur dann kann ein solcher Bau ordnungsgemäß und sparsam erstellt werden. Da müssen
rechtzeitig Arbeiter angeworben und untergebracht werden, Zugangswege für sie und die
Fuhrwerke erstellt, Schüttgerüste, Hilfsbrücken u. s. w. angelegt, maschinelle Einrichtungen
getroffen und für Beschaffung der Betriebskraft Sorge getragen werden. Kein größeres
Bauwerk kann heutigestags der Maschinenthätigkeit entraten. Gewaltige Grabmaschinen
bearbeiten die Einschnitte, soweit nicht die Härte des Bodens zu anderen Mitteln zwingt,
Bohrmaschinen — durch Preßluft, Druckwasser oder Elektrizität angetrieben — wirken in den
Tunneln, Bläser (Ventilatoren) und Sauger (Aspiratoren) sorgen für gute Luft in den
letzteren, Mörtel-, Hebe- und Pumpmaschinen u.a.sind au den verschiedenen Baustellen thätig,
während Lokomotiven durch Dampf, Druckluft oder Elektrizität bewegt, oder auch Seil
bahnen die Materialientransporte übernehmen. Von besonderer Wichtigkeit ist hierbei die
Schaffung der Betriebskraft. In den Bergen hat ja meistens die Natur selbst hierfür
gesorgt durch Wasserfälle und stark fließende Flußläufe. Der Jngeuieur weiß sie nutz
bringend in seinen Dienst zu stellen. Er leitet durch Röhren, oft von beträchtlicher Länge,
das Wasser auf Turbinen und Wassersäulenmaschine», setzt die Energie in diesen um in
mechanische Arbeit, die ihm Luftkompressoreu, Druckpumpen oder Dynamomaschinen antreibt,
je nachdem Druckluft, Preßwasser oder Elektrizität Verwendung finden soll.