Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die höchsten Eisenbahnen der Welt. 
In langen Steigungen bis zu 4O% 0 (1:25) klettert diese Bahn von dem Gestade des 
Stillen Ozeans aus über Lima und die alte Jnkastadt Chosica an den steilen Kordilleren 
hängen empor, zum Teil in gewaltigen Zickzacklinien (Spitzkehren), um in der Puno-Region 
bei Oroya zu enden. Falls demnächst wirtschaftlich bessere Zeiten über Peru kommen, 
wird die Linie vielleicht an dem Ostabhange des Gebirges weiter und in die ungemein 
fruchtbaren, doch erst wenig angebauten, wasserreichen Thäler dieser Andenseite hinab 
geführt werden. Sie würde dann den Anschluß an das Seengebiet des Amazonenstromes 
finden und so ihren eigentlichen Zweck erfüllen: die auch an Mineralien reichen Ostgefilde 
Perus der Westküste erschließen und sodann des weiteren auch den Austausch der Verkehrs 
güter zwischen dem transatlantischen und dem Großen Ozean ermöglichen helfen. Die 
zerklüfteten, steilen Gebirgsmassen zwangen nicht nur zu einer kühnen Linienführung, 
sondern auch zu zahlreichen, oft höchst kostspieligen Kunstbauten. Über 30 Tunnel und 
ebenso viele Brücken mußten erstellt werden. Es sei hier nur der große Verruga-Viadukt 
genannt, dessen Ansicht Abb. 65 wiedergibt. Die Bahn gehört in erster Linie zu den 
gewaltigen und kühnen Werken der Jngenieurkunst, an denen unser Zeitalter so reich ist. 
Eine andere, nicht minder kühne und hochstrebende Bahn ist die 522 km lange Peru 
anische Südbahn, die sich bei Portez bei Cruzera in dem l 173 in langen Scheiteltunnel 
ans 4470 in über dem Meeresspiegel erhebt und damit die Alpeubahnen der Alten Welt 
ebenfalls recht beträchtlich übertrifft. Allerdings ist zu beachten, daß die Schneegrenze in 
den Kordilleren weit höher liegt (5000 in) als in den Schweizer Alpen (2700—2800 m), 
was ja den Bau und Betrieb der Bahnen erleichtert. Immerhin aber sind in jenen 
Ländern und Höhen die klimatischen Verhältnisse doch derart, daß solche Bahnbauten mit 
ungemein großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Sowohl die häufigen, mit gewaltigen 
Wassermengen niedergehenden Platzregen, durch die vorher trockene oder kleine Wildbäche 
in reißende Ströme verwandelt werden, als auch die verherenden Schneestürme sind 
gar arge Feinde des Bahnbaues, wie nicht minder die ungemein dünne Luft in jenen 
Höhen und die oft herrschende empfindliche Kälte. In solchen überaus wilden und einsamen 
Hochgebirgen Eisenbahnen über und durch die Gebirgskämme zu führen und in sicherer Weise 
anzulegen, geschützt gegen niedergehende Lawinen und Felsstürze, erfordert seitens der bau 
leitenden Ingenieure besondere Sachkenntnis, Ansdauer, eisernen Willen und stellt sie würdig 
in die Reihe derer, die in so genialer und zweckdienlicher Weise die europäischen Alpenbahnen 
erdacht und erbaut und dadurch dem Handel und Verkehr neue Wege erschlossen haben. 
Bergkrankheit. Auf Hochgebirgsbahnen tritt in etwa 4000 m Höhe häufig die be 
kannte „Bergkrankheit" auf. Nach einem Berichte des „Engineering" 1894 äußert sich die 
dünne Höhenluft auf dem letzten Teile der Fahrt von Lima nach Oroya höchst nachteilig 
auf viele Reisende. Die ganze Fahrdauer beträgt 11 Stunden. Die Reisenden durch 
kosten also in kurzer Zeit alle Übergänge vom heißen Küstenklima Limas bis zum kalten 
Höhenklima. Die sehr dünne Luft verursacht bei zahlreichen Fahrgästen die Bergkrank 
heit, dort Soroche genannt. Ihre Begleiterscheinungen sind Atemnot, starkes Herzklopfen, 
Ohrensausen und Mattigkeit in den Gliedern, die sich oftmals bis zu Ohnmachten steigert; 
häufig treten sogar Blutungen aus Mund, Nase und Ohren ein. Nach Ankunft eines Zuges 
in Oroya gleicht das Hotel daselbst recht oft „einem Krankenhause", in welchem die Klagelante 
der an der Soroche Erkrankten während der ganzen Nacht ertönen. Als Linderungsniittel werden 
in Oroya Nasenumschläge aus gekochtem Knoblauch, sowie gleichzeitiges Einnehmen des Abgusses 
hiervon empfohlen. Das Mittel soll aber ebenso scheußlich sein, wie der ganze Krankheits- 
znstand selbst. Viele Reisende bringen von Oroya statt der Erinnerung an den Genuß der 
erhofften Hochgebirgswunder eine solche an die „unangenehmsten Stunden ihres Daseins" zurück. 
Sobald tiefere Geländelagen erreicht sind, verschwindet das Leiden, das wiederum nicht so leicht 
eintritt, wenn der Reisende die Fahrt an einer in mittlerer Höhe gelegenen Station vor 
Oroya einige Tage unterbricht, um seinen Körper hier an die verdünnte Luft zu gewöhnen 
und die Lungen- und Herzthätigkeit ihr anzupassen. Die Bahnbeamten bleiben infolge ihrer 
Gewöhnung von ihr verschont. Auch der Genuß ungekochten Wassers soll in jenen Höhen nach 
obiger Quelle äußerst schädlich sein. 
Ähnliche Krankheitserscheinnngcn treten bekanntermaßen auf der wegen ihrer herrlichen 
Aussichten viel befahrenen Manitou and Pikes Peak-Za hub ahn in Colorado auf. Die 
Fahrt von dem 2000 m über dem Meeresspiegel gelegenen Manitou nach dem 4330 m hohen 
Gipfel währt nur l'/ 2 Stunden, so daß der Übergang zur dünnen Höhenluft noch erheblich schneller 
erfolgt als auf der Oroyabahn. Infolgedessen gehören Ohnmachtsanfällc aus dem Pikes Peak 
nicht zu den Seltenheiten und haben zahlreiche Touristen hier unter der Bergkrankheit zu leiden.
	        
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