Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

178

Eisenbahnen:  Die  Lokomotive.

da  die  grundlegenden  Versuche  des  Jahres  1861  leider  fehlerhaft  sind.  Verfasser  dieses  hat
in  den  Jahren  1892—1896  umfassende  Versuche  über  die  Blasrohrwirkungen  angestellt  und
dabei  gesunden,  daß  die  Form  der  Esse  gleichgültig  ist,  wenn  diese  nur  die  richtige  Weite
zur  Höhe  hat,  und  das  Blasrohr  zu  ihr  richtig  sitzt  —  ein  Ergebnis,  das  durch  Lokomotiven
der  verschiedensten  Länder  bestätigt  wird.  Zu  welch  absonderlichen  Blüten  eine  irrige  Auffassung ­
  der  Schornsteinfrage  geführt  hat,  möge  Abb.  174  zeigen.  Man  vergleiche  den  Riesenkamin ­
  derselben  mit  den  äußerst  kurzen  neuerer  Lokomotiven  in  Abb.  224  u.  227.
Eine  der  wertvollsten  Eigenschaften  des-Blasrohres  ist  die,  daß  es  die  Feueranfachung
nnd  dadurch  die  Dampfentwickelung  je  nach  dem  Grade  der  Beanspruchung  der  Lokomotive
von  selbst  regelt.  Gebraucht  die  letztere  mehr  Dampf,  z.  B.  auf  Steigungen,  so  strömt
auch  mehr  Dampf  durch  das  Blasrohr  aus.  Die  Feuergase  werden  infolge  der  größeren

174.  Amerikanische  SchneUruglokomotive  1848,  gebaut  von  Morris  in  Philadelphia.

Ausflußgeschwindigkeit  des  Abdampfes  schneller  aus  der  Rauchkammer  abgesaugt,  und  die
Außenluft  dringt  um  so  kräftiger  in  das  Feuer  ein.  Es  verbrennt  infolgedessen  mehr
Kohle,  und  eine  stärkere  Dampfbildung  geht  vor  sich.
Je  größer  nun  die  Rostfläche  ist,  desto  mehr  Brennstoff  kann  auf  ihr  in  der  Zeiteinheit ­
  verbrannt  werden.  Der  menschliche  Arm  vermag  jedoch  eine  Rostlänge  von  höchstens ­
  3  in  zu  beherrschen,  darüber  hinaus  wird  der  Kohleneinwurf  zu  schwierig  und
ungleich.  Rostlängen  von  3  m  hat  man  auf  belgischen  und  amerikanischen  Bahnen  vor
einigen  Jahren  eingeführt,  namentlich  zwecks  Verfeuerung  von  feiner  Kohle.  Auf  anderen
Bahnen  geht  man  nicht  gern  über  2 1 / a  m  Länge.  Die  Rostbreite  ist  durch  die  Spurweite ­
  der  Gleise  begrenzt,  man  kann  sie  also  bei  der  Normalspur  (1435  mm)  in  der
Regel  höchstens  etwa  1  m  wählen,  falls  man  nicht,  wie  beim  Wootten-Kessel,  die  Rostfläche
  über  das  Radgestell  legt.  In  Europa  ist  diese  Bauart  jedoch  nur  bei  einer  beschränkten ­
  Anzahl  belgischer  Lokomotiven  gewählt  worden.  Die  deutschen  und  englischen
Personen-  und  Güterzuglokomotiven  zeigen  Rostflächen  von  etwa  1 1 / 2  bis  2 1 / 4  qm.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.