Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Eisenbahnen: Die Lokomotive. 
sie an ihren Enden in den beiden Rohrwänden festgehalten wurden. — Infolge sehr 
gründlicher Kesselbeaufsichtigung von Amts wegen kommen in Deutschland weniger Ex 
plosionen vor als im Auslande. Die amerikanischen Bahnen können sich rühmen, bis 
lang die zahlreichsten Explosionen verzeichnet zu haben. 
Zum Kesselspeisen, d. i. Auffüllen des Kessels mit Wasser, besaßen die älteren 
Lokomotiven je zwei mit Kolben und Ventilen versehene Speisepumpen unter oder neben 
dem Kessel, die von der Treibachse oder dem Kreuzkopfe der Kolbenstange angetrieben 
wurden. Sie saugten das Wasser aus dem Tender an und drückten es in den Kessel. 
Während der Fahrt konnten sie durch einfache Handgriffe leicht in und außer Thätigkeit 
gesetzt werden. Beim Stillstand der Lokomotive hörte aber das Pumpen auf. Der Führer 
mußte im Bedarfsfälle eigens eine Zeitlang auf dem Bahnhöfe spazieren fahren. Um die 
hiermit — namentlich auf größeren Stationen — verbundenen Unbequemlichkeiten und 
Störungen zu beschränken, trafen einzelne Verwaltungen die Einrichtung, daß die Loko 
motiven zwecks Kesselspeisung mit ihren Treibrädern auf ein in das Gleise einer Feuer 
grube eingebautes Rollenpaar fahren konnten. Die Treibachse und damit die Pumpen 
ließen sich nun bewegen, ohne daß die Lokomotive ihren Platz verließ. Anderswo wieder 
rüstete man die Lokomotive mit einer Handpumpe aus, die vom Personale während des 
Stillstandes in Thätigkeit gesetzt werden konnte. Ein wesentlicher Fortschritt schon war 
es, als Anfang der 50er Jahre kleine Dampfpumpen (von Borsig-Berlin u. a.) zur 
Einführung gelangten, die durch den Kesseldampf betrieben wurden. Die Pumpen ver 
sagten aber oft und waren nicht selten reparaturbedürftig. Auch förderten sie das Wasser — 
von wenigen Ausnahmen abgesehen — kalt in den Kessel. Das war auch ein böser Übel 
stand, wie wir weiter nuten noch sehen werden. 
Mit großer Freude wurde es daher begrüßt, als 1858 der Franzose Giffard die 
Kesselspeisung in gänzlich neuer Weise bewirkte. Die schon lange vor ihm bekannte und 
mehrfach zu anderen Zwecken ausgenutzte Eigenschaft eines Wasser- oder Dampfstrahles 
beim Durchströmen von Düsen — vergl. auch das über „Blasrohr" oben Gesagte — 
verwertete er in einer höchst einfachen Vorrichtung, Jnjekteur oder Injektor, später 
Dampfstrahlpumpe genannt. Indem er hiermit das Wasser vermöge der lebendigen 
Kraft eines Dampfstrahles in den Kessel trieb, gab er dem Lokomotivbetriebe nicht nur 
eine erhebliche Vereinfachung, sondern auch die unerläßliche Betriebssicherheit. Der 
Giffard-Jnjektor erfuhr in den folgenden Jahren bis auf die Neuzeit hinein mannigfache 
Abänderungen. Wohl kein anderer Lokomotivteil ist von den Maschineningenieuren so 
oft durchgearbeitet und umgeformt worden, wenngleich sein Grundgedanke stets unver 
ändert blieb. Etwa Mitte der 70er Jahre waren die Kolbenpumpen nahezu vollständig 
auf den Lokomotiven durch den Injektor verdrängt, der seitdem unbestrittener Allein 
herrscher geblieben ist. 
Fast alles Speisewasser enthält neben mechanisch beigemengten Verunreinigungen auf 
gelösten Kalk, Gips oder Magnesia. Diese Stoffe schlagen sich nun in hoher Temperatur, 
wie sie das Kesselwasser zeigt, sofort nieder und bilden dann Kesselstein, diesen ärgsten 
Feind der Lokomotivkessel. Wollte man daher das Speisewasser zwecks schnellerer Erwärmung 
an der Feuerkiste einführen, weil hier die relativ höchste Temperatur ini Kesselwasser herrscht, 
so entständen in dem schmalen Wasscrraume um die Feuerbüchse heruni in kurzer Zeit starke 
Kesselstein- und Schlammablagerungen, die nicht nur die Wärmeabgabe der Feuergase an 
das Wasser behindern würden, sondern auch ein Abbrennen der Feuerbüchsbleche, Abbrechen 
der Stehbolzen u. s. w. zur Folge hätten. Man läßt deshalb das Speisewasser jetzt auch 
stets nahe der Rauchkammer in den Kessel eintreten und sucht möglichst reines Wasser zu ver 
wenden, erforderlichenfalls verschafft man sich solches durch vorherige künstliche Reinigung. 
Mechanisch beigemengte Verunreinigungen können durch Filter (Sand, Kies u. s. w.s 
beseitigt werden. Die aufgelösten Stoffe entfernt man in verschiedener Weise, und zwar 
fällt man z. B. den kohlensauren Kalk und die Magnesia durch Kalk oder Ätznatron, den 
Gips durch Soda. Die oft marktschreierisch angepriesenen Geheimmittel zur Verhinderung 
der Kesselsteinbildung sind ziemlich wertlos. Petroleum leistet mitunter gute Dienste, indem 
es das Ansetzen von Kesselstein an die Wandungen und sein Festbrennen verhindert, so daß 
er bei dem Reinigen (Auswaschen) des Kessels, das in manchen Bezirken allwöchentlich vor 
zunehmen ist, leicht entfernt werden kann. Es ist oft erstaunlich, welche Kesselsteinmengen 
und in welcher dicken Schicht trotzdem aus manchen Lokomotiven entfernt werden. 
Reines Speisewasser ist für die Lebensdauer der Kessel von hervorragender Bedeutung, 
wie anderseits unreines die Kessel zerstört, zu kostspieligen Ausbesserungen derselben Anlaß
	        
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