Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

120 Vierundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
einem neuen instrumentalen Stile aus, und somit von der 
Architektonik ihrer eigensten, innersten, absoluten Entwicklung 
her in der Dekoration und der Darstellung des musikalischen 
Dramas auch Plastik und Architektur, Mimik und Malerei 
einverleibte, hatte sie sich zunächst doch dem romantischen Ge— 
danken und damit der Dichtung in viel engerem Anschlusse zu 
fügen. Und das geschah nicht bloß durch Aufnahme der ob— 
jektiven Romantik, der romantischen Inhalte. Gewiß, auch 
sie wurden für die musikalische Empfindung maßgebend: die 
ganze bunte Märchenwelt, der Leben und Dichtung zusammen— 
fiel, zog in das Reich der Töne ein; Mondnächte und Träume 
vergangener Herrlichkeit; Zauber ferner Feenländer und Wetter— 
stürme tosender Meere: Poesie des Mittelalters und der Urzeit, 
stoffliche Anregungen aus Indien und Persien, aus den Wüsten 
der Sahara und von den verblauenden Horizonten der Levante. 
Aber wichtiger wurden doch die Einflüsse der subjektiven Ro— 
mantik: die Tatsache, daß das Moment der musikalischen 
Schöpfung aufs engste mit dichterischen Vorstellungen ver— 
knüpft war. Sie drückte sich schon äußerlich darin aus, daß, 
wie die Dichter der Romantik der Musik aufs nächste traten 
und in der Lyrik namentlich musikalische Wirkungen der Sprache 
erstrebten, so die großen Musiker der Zeit fast alle poetisch 
empfanden: so daß sie vielfach schon Dichter ihrer Librettos 
gewesen sind, und daß neben E. Th. A. Hoffmann Weber und 
Schumann geradezu als erste musikalische Literaten bezeichnet 
werden müssen. Innerlicher aber trat dieselbe Tatsache darin 
hervor, daß als bevorzugte Formen der Musik durchaus solche 
der Vokalmusik erschienen: Lied und Oper: auf ihrem Gebiete 
daher vor allem vollzog sich der Fortschritt. 
Es war ein Zusammenhang, der dann, in gewissem Sinne 
wiederum nochmals tiefer, im Bereiche der Entwicklung der 
musikalischen Formensprache dahin gewirkt hat, daß vornehmlich 
nur die Formenwelt der Vokalmusik, und die der Instrumental— 
musik wesentlich nur vom Standpunkte des sie begleitenden 
Gesanges her fortgebildet wurde. 
Man muß sich das gegenwärtig halten, will man die auch
	        
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