Speisung. Einteilung der Lokomotiven. 183
gibt und ihre Verdampsungsfähigkeit sehr beeinträchtigt. Manche Eisenbahnvcrwaltungen
haben darum oftmals lange, teuere Wasserleitungen gelegt, um ihre Lokomotivstationen mit
gutem Wasser (Fluß- oder Gebirgswasser) versehen zu können. Die Wirkung solcher Anlagen
spiegelt sich in den geringeren Kcsselreparaturen ihrer Hauptwerkstättcn vorteilhast wieder.
Einteilung der Lokomotiven. Aus den Ausführungen des ersten Abschnittes
erkennt man schon ohne weiteres, daß wir je nach der Betriebsart der Bahn Reibungs
und Zahnradlokomotiven zu unterscheiden haben, und bei letzteren wieder reine Zahn
radlokomotiven und vereinigte Zahnrad- und Reibungslokomotiven. Die Reibungs
lokomotiven sind verschieden in ihrer Bauart und ihren Abmessungen, je nachdem sie
bestimmt sind für Haupt-, Neben- oder Kleinbahnen. Die Hauptbahnlokomotiven zer
fallen wiederum in solche für Schnellzüge, Personenzüge, Güterzüge, gemischte Züge
(d. h. Güterzüge mit Personenbeförderung) und für den Rangier- oder Verschiebedienst.
Alle Lokomotiven sind entweder solche mit besonderem Vorratswagen für Wasser und
Kohle (Schlepptender oder kurz Tender genannt), oder solche, die diese Vorräte über,
unter, neben und hinter dem Kessel mitführen. Letztere heißen Tenderlokomotiven
17». Ansicht rinrr 3/3 Personrnniglokomotivi mit vorderer Loufachse und Nichcnrahmen.
(Abb. 175), im Gegensatze zu den Lokomotiven mit Schlepptender (Abb. 226). Tender
lokomotiven finden auf Hauptbahnen für den Verschiebedienst Verwendung, desgleichen
für das Befördern von Personen- und Güterzügen auf kurzen Linien. Auf Nebenbahnen
sind sie die vorherrschend, auf Kleinbahnen die ausschließlich benutzte Gattung, soweit
nicht andere Betriebsarten, wie Preßluft, Gas und Elektrizität hier gewählt sind.
Ferner hat man sie nach gewissen Einzelheiten in der Bauart zu unterscheiden, die
der Lokomotive ein besonderes Gepräge verleihen, so z. B. nach der Lage der Cylinder, ob
innerhalb oder außerhalb der Rahmen, d. h.Lokomotiven mit Innen- oder Außencylindern*);
nach der Lage der Rahmen, ob diese innerhalb oder außerhalb der Räder angeordnet sind,
d. h. Lokomotiven mit Jnnenrahmen (Abb. 164 u. 170) oder mit Außenrahmen (Bauart
Hall, Abb. 178 u. 225); nach der Zahl und Gruppierung der Radachsen, z. B. dreiachsige
Lokomotiven mit einer Laufachse (Abb. 178), desgl. vierachsige mit Drehgestell (Abb. 164
u. 227) desgl. nur mit Treib- und Kuppelachsen (Abb. 175, 218, 221 u. 222) u. s. w.
Nach der Art der Dampfausnutznng endlich teilt man sie ein in solche mit einfacher
Dampfdehnung, das sind Lokomotiven mit Zwillingswirknng und solche mit zweifacher
Dampfdehnung, das sind Lokomotiven mit Verbundwirkung (Verbundlvkomotwen).
Hierüber vergl. näheres auf S. 219.
*) Jnnencylinder sind in England beliebt, die übrigen Eisenbahnländer ziehen Außen-
cylinder vor.