Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Geschichte  der  Lokomotive.  Oliver  Evans.

185

180.  Evans'  Vampfniaschine.

Murdock  hat  seine  immerhin  brauchbare  Idee  seltsamerweise  nicht  weiter  verfolgt.
Sein  Bersuchsmodell  war  1851  auf  der  Weltausstellung  in  London  von  der  Firma
I.  Watt  &  Co.  in  Soho  zur  Schau  gestellt.
Eine  wesentliche,  wenn  auch  nur  mittelbare  Förderung  fand  die  Dampflokomotive
durch  den  Amerikaner  Oliver  Evans.  Im  Jahre  1784  nahm  dieser  ein  Patent  auf  die
Hochdruckdampfmaschine,  bei  der  er  hochgespannten  Wasserdampf  von  zehn  Atmosphären
Pressung  verwenden  wollte.  Hiermit
erst  war  die  Grundlage  für  eine  gedeihliche ­
  Entwickelung  des  Dampfwagens ­
  geschaffen.  Man  kannte  —
abgesehen  von  den  beiden  vorgenannten ­
  kurzlebigen  Versuchen  Cugnots
und  Murdocks  —  bis  dahin  nur
die  Koudensationsdampfmaschine  von
Watt,  die  mit  einem  Dampfdruck  betrieben ­
  wurde,  der  kaum  den  Druck
der  natürlichen  Atmosphäre  überschritt.
Diese  Wattschen  Niederdruckmaschinen
waren  aber  für  den  Betrieb  von
Straßenwagen  nicht  nur  viel  zu
schwerfällig,  sondern  wegen  der  für
das  Kondensieren  des  Dampfes  erforderlichen ­
  großenWassermenge  völlig
ungeeignet.  Die  Hochdruckmaschine
von  Evans  war  daher  ein  großer
Fortschritt.  Sie  besaß  außerdem  im  Verhältnis  zu  ihrer  Leistung  geringes  Gewicht  und
ließ  sich  daher  auf  einem  Wagen  bequem  unterbringen.  Evans  bewarb  sich  1786  in
Pennsylvanieu  um  ein  Patent  auf  eine  Dampfstraßenlokomotive,  wurde  aber  von  seinen
Landsleuten  als  an  der  „Dampfkrankheit"  leidend  verlacht,  sein  Plan  für  ein  Hirngespinst
erklärt  und  das  Patent  ihm  verweigert.  Im  folgenden  Jahre  erhielt  er  jedoch  ein  solches
im  Staate  Maryland.  Er  verfolgte  zähe  seine  Idee.  Im  Jahre  1801  führte  er  eine  Hochdruckdampfmaschine ­
  aus,  bei  der
die  geradlinig  hin  und  her  gehende
Kolbenbewegung  nach  Art  der
Modellfigur  (Abb.  180)  durch
einen  um  einen  Endpunkt  drehbaren ­
  Schwinghebel  —  einen
sogenannten  Grasshopper  beam
—  mittels  Lenkstange  in  die
Drehbewegung  umgesetzt  wird,
also  ähnlich  wie  bei  Murdock.
Im  Jahre  1804  baute  Evans
einen  Dampfbagger  für  den  Hafen
von  Philadelphia,  den  Oruetor
Amphibolus  (Grabmaschine  zu
Wasser  und  zu  Lande),  aus  dem
manche  Schriftsteller  nachher  einen  Dampfwagen  gemacht  haben.  Diese  Legende  ist
höchstwahrscheinlich  dadurch  entstanden,  daß  Evans  den  Bagger  auf  Räder  setzte  und
diese  durch  die  Dampfmaschine  desselben  mittels  Seile  antreiben  ließ  (Abb.  181),  um  ihn
vom  Herstellungsorte  durch  eigene  Kraft  2 1 / 2  km  weit  an  den  Fluß  zu  schaffen.  Wegen
dieser  Beweglichkeit  zu  Laude  und  zu  Wasser  hatte  Evans  auch  die  vorerwähnte  doppelsinnige ­
  Bezeichnung  gewählt.  Der  Transport  dieses  Dampfungetüms  ging  damals  „im
Angesichte  von  wenigstens  20  000  Zuschauern  durch  die  Straßen  von  Philadelphia  biv
an  den  Schuylkillfluß"  vor  sich.  Evans  selbst  hat  wohl  niemals  einen  eigentlichen
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181.  Evmiü'  Dampfüuggcr  „Wrurtor  Kniphiliolus",  1804.
            
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