Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Geschichte der Lokomotive. Blackett und Hedley. 
sich wiederholt, aber stets vergeblich ab, eine brauchbare Lokomotive herzustellen. Hedley 
aber nahm im Jahre 1813 ein Patent auf eine Lokomotive und führte eine solche nach 
mancherlei Versuchen und Änderungen für die Wylam-Kohlenbahn aus. Sie ist die erste 
brauchbare Dampflokomotive mit glatten Rädern.*) Ihre Gesamtanordnung ist in Abb. 186 
wiedergegeben. Zu beiden Seiten des vorderen Kesselendes befindet sich ein ans Eisen 
blech zusammengenieteter 1 m langer Dampfcylinder von 300 mm äußerem Durch 
messer und 915 mm Hub. Jede Kolbenstange greift an einem langen, oberhalb des 
Kessels gelagerten Schwinghebel an, der hinten am Schornsteinende abgestützt ist. Von 
jedem dieser Hebel wird die Auf- und Abwärtsbewegung mittels Lenkstange und Krumm 
zapfen auf eine unter dem Kessel befindliche Blindachse übertragen und hier in eine Dreh 
bewegung umgesetzt. Ein auf dieser Achse sitzendes Zahnrad treibt nun nach beiden Seiten 
durch je zwei Zahnräder die in je 900 min Abstand von ihm gelagerten Treibachsen mit 
ihren 980 mm großen Rädern an, und zwar mit vergrößerter Geschwindigkeit, da das 
Achsenzahnrad einen kleineren Durchmesser als das treibende besitzt. 
Gleichzeitig dient das letztere aber auch dazu, die beiden um 90» gegen 
einander versetzten Krummzapfen in dieser Lage zu erhalten, damit die 
Lokomotive als Zwillingsmaschine ar 
beiten kann. 
Bemerkenswert ist ferner die Um 
steuerung der Dampfcylinder, die in sehr 
einfacher Weise durch je zwei Knaggen 
einer vom Schwinghebel auf und ab be 
wegten Stange bewirkt wird, 
die ähnlich wie bei den älteren 
Wassersäulen- und Wasserhal 
tungsmaschinen einen den 
Dampfzu- und -abflnß regeln 
den wagerechten Steuerhebel 
verstellen. Mit richtigem Blick 
hatte Hedley, wie s. Zt. auch 
Trevithik, als Verbrennungs 
und Heizkammer ein U-förmig 
gebogenes Flammrohr gewählt, 
in welchem der Rost mit der 
Feuerthür an der Schornstein 
seite lag. Es mußten daher 
die Rauchgase zweimal den Kessel durchziehen und konnten so mehr Wärme an das das 
Flammrohr einhüllende Kesselwasser abgeben. Es war dieses für die damalige Zeit eine 
durchaus wirkungsvolle Anordnung. 
N8. Kcdleys 8-Niidrrlokomotivr, 1815. 
Eine dieser Hedlcy-Lokomotiven, Namens Puffing Billy, that bis zum 6. Juni 1862 aus 
der Wylambahn Dienst; dann wurde sie nach fast öOjähriger Benutzung für das Sonth- 
Kensington-Museum angekauft, in welchem sie neben der Siegeslokomotive Stephensons einen 
Ehrenplatz gefunden hat. Abb. 186 zeigt sie uns nach einer älteren Photographie in Ver 
bindung mit ihrem ursprünglichen Tender, dessen Wasserbehälter nach damaliger Art durch 
ein gewöhnliches Faß gebildet wird. Später wurde dieses durch einen Kasten ersetzt, wie 
ihn das South-Kensington-Museum erhalten hat. Die oben gegebenen Abmessungen hat Ver 
fasser an jenem Orte durch Messung entnommen. Unsere Abbildung läßt auch die Abführung 
des verbrauchten Dampfes durch den Schornstein, also künstliche Zugwirknng durch ein Blas 
rohr erkennen. Wann dieses von Hedley angebracht ist, ist unbekannt. Seine Patentschrift 
vom Jahre 1813 enthält nichts darüber. Später hat ein Neffe desselben die erste Verwendung 
des Blasrohrs an Lokomotiven für William Hedley in Anspruch genommen — ob mit Recht, 
ist nicht nachweisbar. 
W. Hedley baute 1815 eine ähnliche Lokomotive, der er nach Abb. 187 acht Räder 
gab, um durch Verminderung des Raddruckes die damaligen zerbrechlichen, gußeisernen 
*) Die auch in der neuesten Fachlitteratur so oft zu findende Bemerkung: Stephenson 
habe 1814 die erste brauchbare Lokomotive geschaffen, ist hiernach grnndirrig.
	        
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