Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Stephensons  zweite  und  dritte  Lokomotive.

Erschütterungen  auf  die  Dauer  nicht  ertragen  können.  —  Im  Herbst  1816  nahm
Stephenson  im  Verein  mit  Losh*)  ein  Patent  auf  „Dampffedern",  um  den  vorerwähnten
Übelstand  zu  beseitigen.  Zu  dem  Zweck  wurden  zwischen  Kessel  und  Treibachsen  kleine
Dampfcylinder  —  für  jedes  Rad  einer  —  eingeschaltet,  deren  Kolben  sich  mit  ihrer
Stange  auf  die  Achslager  stützten.  Die  mit  dem  Kessel  fest  verbundenen  Cylinder  waren
oben  offen  und  standen  mit  dem  Kesselinneren  in  unmittelbarer  Verbindung,  so  daß  der
Dampf  und  das  Wasser  auf  die  feststehenden  Kolben  drückten  und  das  Kesselgewicht  bei
richtiger  Wahl  des  Kolbendurchmessers  ausglichen.  Der  ganze  Kessel  schwebte  gleichsam
vermittelst  Dampfdrucks  auf  diesen  Kolben.  Hierdurch  waren  ebenso  viele  sehr  elastische
Kissen  geschaffen,  die  die  Stöße  zwischen  Rad  und  Schiene  auffingen  und  sie  milderten.
Abb.  191,  in  welcher  das  Wasserfaß  auf  dem  Tender  fortgelassen  ist,  zeigt,  wie  die
Stephensonsche  Patentschrift  vom  Jahre  1816,  drei  durch  Gliederketten  gekuppelte  Radachsen ­
  unter  dem  Lokomotivkessel.  Die  „Federcylinder"  sind  in  ihrer  tiefsten  Lage  gezeichnet, ­
  in  der  sie  sich  beim  Anheizen  der  Lokomotive  befinden.  Bei  Eintritt  einer  genügend ­
  starken  Dampfpressung  muß  ein  solcher  Kessel  sich  in  dem  Radgestell  heben,  da
der  Dampfdruck  auf  seine  obere  Wandung  größer  ist  als  auf  die  untere,  durchbrochene.
Theoretisch  ist  die  Sache  leidlich,  praktisch  ist  sie  unbrauchbar,  denn  die  Federung  war
nicht  nur  von  dem  jemaligen  Dampfdruck  abhängig,  sondern  sie  mußte  auch
zu  fortwährenden  Undichtigkeite
dann  später  Wood  die  für  bes
Stahl  für  Eisenbahnfahrzeuge
verwendbar  gestaltete,  wurden
diese  dauernd  in  den  Lokomotivbau
  eingeführt.  Solange

die  Dampfcylinder  aber  senkrecht ­
  gestellt  blieben,  war  der
Vorteil  der  Federung  teuer
erkauft,  wie  weiter  unten  nachgewiesen ­
  ist.  Letztere  kam  erst
dann  zur  Geltung,  als  die
Cylinder  wagerecht  gelegt
wurden.

Stephenson  baute  in  den
nächsten  Jahren  eine  Anzahl

I9l.  Ktephensons  Lokomotive.  Dritte  Danari,  1816.

Lokomotiven  für  verschiedene
Kohlenbahnen  Englands.  Nach  seiner  Angabe  vor  dem  Parlamentsausschuß  anläßlich
der  Prüfung  des  Entwurfs  der  Liverpool-Manchesterbahn  im  April  1825  hatte  er  bis
zu  letzterem  Zeitpunkt  16  Lokomotiven  fertiggestellt.  Clark  berichtet,  daß  die  Leistung
dieser  Lokomotiven  etwa  gleich  derjenigen  von  7—8  lebenden  Pferden  gewesen  wäre.
Unsere  heutigen  Lokomotiven  entwickeln  bis  1300  Maschinen-Pferdestärken,  was  der
Leistung  einer  noch  weit  größeren  Zahl  lebender  Pferde  entspricht,  ganz  abgesehen  von
der  durch  letztere  nicht  zu  erzielenden  großen  Fahrgeschwindigkeit  und  lange»  Fahrdauer.
Man  war  damals  schon  mit  jener  geringen  Leistung  zufrieden  und  betrachtete  die  „Iran
Horsss",  wie  die  Lokomotiven  vom  Volksmunde  getauft  worden  waren,  mit  Recht  als
einen  staunenswerten  Fortschritt  im  Verkehrswesen.
Im  Jahre  1823  wurde  G.  Stephenson  zum  bauleitenden  Ingenieur  der  für  Pferdebetrieb ­
  vorgesehenen  Stockton-Darlington  Eisenbahn  berufen.  Seinen  beredten,  eindringlichen ­
  Vorstellungen  gelang  es,  drei  Lokomotiven  für  dieselbe  in  Bestellung  zu  erhalten. ­
  Mit  finanzieller  Hilfe  des  Hauptbeteiligten  an  dieser  Bahn,  Edward  Pease,
*)  Daß  Stephenson  seine  Patente  mehrfach  im  Verein  mit  einem  anderen  nahm,  hat  seinen
Grund  wohl  in  seiner  schlechten  Vermögenslage  und  in  der  Kostspieligkeit  der  Patente.  Die
Kosten  eines  englischen  Patentes  beliefen  sich  derzeit  auf  100  Pfund  Stcrl.,  also  etwa  2^.00  Mt.
Stephenson  bedurfte  damals  noch  eines  Geldmanncs.  Nach  den  Tagen  von  Ramhill  getaugte
er  mit  dem  Aufblühen  seiner  Lokomotivfabrik  schnell  zu  Reichtum.

2b*
            
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