Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Crampton-Lokomotive.
durch  den  Kessel  beengt  zu  sein,  nahm  Crampton  nur  eine  Treibachse  und  legte  diese
hinter  die  Feuerkiste,  während  der  vordere  Teil  der  Lokomotive  durch  zwei  bis  drei  Achsen
mit  niedrigen  Rädern  —  Laufachsen  genannt  —  abgestützt  wurde.  Infolge  dieser  Achsenstellung ­
  konnte  auch  der  ganze  Kessel  sehr  niedrig  gelegt  werden,  was  derzeit  als  besonderer ­
  Vorteil  galt.  Nunmehr  war  der  Treibraddurchmesser  nur  noch  durch  das  Umgrenzungsprofil ­
  der  Fahrzeuge  (Abb.  171)  begrenzt.  Crampton  wählte  ihn  7'  bis  8'
engl.  =  2,i  bis  2,44  in,  während  man  bis  dahin  selten  über  1,5  ni  gegangen  war.  Dadurch ­
  wurde  nun  auch  eine  wesentlich  größere  Fahrgeschwindigkeit  erreicht,  ohne  daß  die
Räder  mehr  Umdrehungen  zu  machen
brauchten.  Da  zudem  der  Radstand  ein
großer  und  überhängende  schwere  Massen
nicht  vorhanden  waren,  so  liefen  diese  Lokomotiven ­
  auch  bei  hoher  Fahrgeschwindigkeit ­
  ruhig.  (Auf  der  ersten  Weltausstellung
im  Kryslallpalast  zu  Sydenham  bei  London,
1851,  hatte  Stephenson  diese  Banart  ausgestellt, ­
  die  später  im  Betrieb  Geschwindigkeiten ­
  von  mehr  als  100  km  i.  d.  Stunde
erreichte).  Das  Üble  an  dieser  Bauart  war
aber,  daß  die  Treibachse  zu  geringen  Anteil ­
  an  der  Gesamtbelastung  erhielt,  so  daß
ihre  Schienenreibung  nicht  genügte,  um
das  Anziehen  schwerer  Züge  zu  sichern;
auch  schleuderte  sie  leicht  bei  feuchten
Schienen.  Für  die  heutigen  schweren
Schnellzüge  ist  sie  ungeeignet,  damals  aber
fand  sie,  namentlich  in  Frankreich  und
Deutschland,  schnelle  Verbreitung.  Ihr
Äußeres  ist  nach  Abb.  215  ein  sehr  gefälliges, ­
  und  die  Lokomotive  gleicht  einem
schlanken  Renner  im  Vergleich  zur  Güterzuglokomotive ­
  ,  die  mit  ihren  drei  bis
sechs  Achsen  einem  schweren  Lastpferde
ähnelt.  Daß  sie  übrigens  auch  mißgestaltetwerden ­
  kann,  zeigt  die  in  Abb.  174
wiedergegebene  Crampton  -  Lokomotive
amerikanischer  Bauart.  Die  letzten  Crampton-Lokomotiven
  der  preußischen  Staatsbahnen ­
  wurden  vor  etwa  15  Jahren
ausgemustert;  bis  dahin  hatten  sie,  vom
Volksmund  Spinnräder  genannt,  in  langer  Dienstzeit  Züge  zwischen  Lingen  und  Emden
befördert.
Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  die  Bauart  Cramptons  noch  dadurch  geworden,  daß
sie  den  damals  zwischen  Brunel  (Weitspur  von  7'  engl.  =  2135  mm)  und  Stephenson
(Schmalspur  von  4'  8>/ ä "  =  1435  mm)  heiß  entbrannten  Kampf  der  Spurweiten  betreffs ­
  der  Lokomotivleistung  nochmals  zu  gunsten  des  letzteren  entschied.  Der  Sieg  wurde
herbeigeführt  durch  eine  derartige,  1849  von  Bury  &  Co.  für  die  London  und  North-Westernbahn
  besonders  kräftig  erbaute  Lokomotive,  die  Jahrzehnte  lang  als  die  stärkste
Lokomotive  der  Welt  galt.  Sie  verdient  darum  auch  durch  Bild  (Abb.  215)  und  Wiedergabe ­
  ihrer  Hauptabmessnngen  hier  näher  erörtert  zu  werden,  zeigt  sie  doch  den  gewaltigen
Sprung,  der  mit  der  Cramvton-Anordnung  Plötzlich  gewagt  wurde.  Der  Langkessel  enthielt
300  Siederöhren,  die  Heizfläche  betrug  206  gm,  die  Rostfläche  1,9  gm  (letztere  war
übrigens  zu  klein  im  Verhältnis  zur  Heizfläche).  Das  Eigengewicht  ohne  Tender  fvar  in
dienstbereitem  Zustande  35  560  kg,  wovon  12  200  kg  auf  die  2,44  m  großen  Treibräder

218.  Vorderansicht  einer  amerikanischen
Kchnrlljnglokoniotivr.
            
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