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Eisenbahnen: Güterwagen.
Aneinanderschlagen schlecht werden, sind die Drehgestelle dieser Wagen meist mit der ein
sanftes Fahren ermöglichenden Wiege, also wie bei besseren Personenwagen, ausgestattet.
Noch vollkommener in der Bauart sind die von Eastman erfundenen, dem Versande
von zarten Früchten, Gemüsen u.s.w. dienenden Heizwagen, wie sie in Amerika in
größerer Zahl laufen. Der ganze Wagenkasten ist doppelwandig hergestellt. In ihm ist ein
zweiter, oben offener Holzkasten aufgebaut, der die Ladung aufnimmt. Sein Fußboden
steht etwas von dem des Wagenkastens ab, damit durch den Luftumlauf ein Verderben
der Ladung durch unmittelbare Erwärmung des Fußbodens vermieden wird. Ein durch
Erdöl gespeister Ofen unterhalb des Wagens liefert die nötige Wärme, die durch zwei
auf dem Wagendache angebrachte Luftsauger geregelt wird. Der Ölbehälter von 250 I
Inhalt kann etwa 14 Tage lang den Ofen versorgen, so daß die Ladung selbst beim
Steckenbleiben des Zuges im Schnee nicht verderben kann. Eine besondere Vorrichtung
regelt den Ölzufluß. Eine Tagesheizung erfordert etwa 18 1 Öl. Abb. 273 gibt den
Längsschnitt, Abb. 274 den Querschnitt eines solchen Wagens wieder. Im Sommer
finden diese Wagen als Kühlwagen Verwendung. Das Eis wird in besonderen Behältern
eingebracht. Man hat neuerdings auch auf den preußischen Staatsbahnen versuchsweise ge
heizte Güterwagen eingestellt (für Wein, Früchte). Da sie aber wenig benutzt wurden, ist
die Heizeinrichtung wie
der entfernt worden.
Wie Abb. 274
zeigt, haben die ameri
kanischen Güterwagen-
Dächer die Form eines
flachen Satteldaches,
während sie bei uns ge
bogen sind. Im First
ist in ganzer Länge ein
Laufbrett (ohne Ge
länder) befestigt, das
den amerikanischen
Bremsern während der
Fahrt (!) als Über
gang von einem Wagen
27b. Gußeistirrad. zum anderen dient,
um nacheinander die
einzelnen Handbremsen bedienen zu können, ein Verfahren, das ob seiner Gefährlichkeit
bei uns mit Recht nicht gestattet sein würde.
Einzelheiten. Einige der wichtigeren, allen Wagen gemeinsamen Bestandteile
seien nachstehend kurz erörtert.
Räder. Die Räder, anfangs in gewöhnlicher Weise aus Holz mit Eiseubeschlag
oder aus Gußeisen hergestellt, werden jetzt meistens aus Schmiedeisen, Flußstahl, für
Personenwagen auch aus Holz oder Papier gefertigt und mit besonderen Laufreifen aus
hartem, zähem Flußstahl versehen. Gußeiserne Räder mit besonders harten Laufflächen
(Hartgußräder), also ohne besondere Radreifen, werden zur Zeit in Amerika und Öster
reich-Ungarn auch vielfach noch unter Personenwagen verwendet, häufiger noch unter
Güterwagen. In Deutschland sind sie endgültig aufgegeben, da sie sich hier nicht betriebs
sicher genug erwiesen. Abb. 275 zeigt zwei verschiedene doppelwandige Räder aus
Gußeisen, Abb. 276 ein schmiedeisernes, Abb. 277 ein hölzernes und Abb. 278 ein
Papierrad. Räder nach Abb. 276 heißen Speichenräder, nach Abb. 275, 277 u. 278
Scheibenräder. Die Speichenräder wurden 1830 von Soft), dem S. 151 genannten
Freunde Stephensons, erfunden und ihm patentiert. Sie sind heute noch, wenn auch in
den Einzelheiten und in dem Herstellungsverfahren durch Arbel (Frankreich), Brunon
und viele andere abgeändert und verbessert, die verbreitetsten Eisenbahnräder. Im
Gebiete des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen machen sie über 80°/ 0 der