Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Zugdienst  und  Fahrgeschwindigkeit.

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das  Wasser  schafft  und  auf  Vorrat  hätt  (Wasserstation).  Von  ihm  läuft  eine  Druckleitung
nach  einem  oder  mehreren  Wasserkranen.  Abb.  332  zeigt  den  bei  uns,  Abb.  333  den
auf  den  Londoner  Untergrundbahnen  gebräuchlichen  Kran.  Durch  Drehen  des  Auslegearmes
  um  etwa  90°  gelangt  sein  Ausguß  über  die  Tenveröffnung,  und  nach  Öffnung
des  Absperrschiebers  gießt  der  Kran  in  dickem  Strahle  aus.  Damit  letzterer  geschlossen
austritt  und  nicht  spritzt,  ist  die  Kranmündung  bei  den  preußischen  Staatsbahnen  mit
einem  etwa  20  cm  hohen  Bündel  enger  Röhren  ausgefüllt.
Durch  dieses  Wassernehmen  geht  aber  unnütze  Zeit  verloren,  wenn  auch  im  Gebiete
des  V.  D.  E.  V.  die  Wasserkräne  in  der  Minute  mindestens  1  cbm  Wasser  liefern  müssen.
Ramsbottom,  der  frühere  Leiter  der  schon  genannten  Eisenbahnwerkstätten  in  Crewe,  hat
deshalb  ein  Wassernehmen  während  der  Fahrt  ermöglicht,  das
er  zuerst  1857  zur  Ausführung  brachte.  An  geeigneten  Stellen
liegen  400  m  lange  hölzerne,  neuerdings  meist  eiserne  Tröge
in  der  Mitte  des  Gleises;  sie  werden  durch  ein  Pumpwerk  gefüllt ­
  gehalten  und  sind  durch  Signale  kenntlich  gemacht.  Die
Tender  der  Schnellzuglokomotivcn  dieser  Strecken  tragen  nach
Abb.  334  ein  Füllrohr  mit  beweglichem  unteren  Schnabel.
Beim  Eintritt  in  die  Trogstrecke  senkt  der  Heizer  denselben  in
den  Trog  hinein,  und  das  Wasser  steigt  aus  diesem  infolge  der
ihm  erteilten  Geschwindigkeit  in  das  Schöpfrohr  und  gelangt
durch  dessen  Krümmer  in  den  Tender.  Nach  angestellten  Versuchen ­
  können  bei  40  ürn/Std.  Fahrgeschwindigkeit  V/ 2  cbm
Wasser  auf  100  m  Fahrlänge  durch  einen  30  cm  breiten
Schnabel  gehoben  werden,  wobei  dessen  Eintauchtiefe  nur  5  cm
zu  betragen  braucht.  Eine  Troglänge  liefert  sonach  etwa  6  cbm
Wasser  in  den  darüber  fahrenden  Tender.
Auch  in  Nordamerika  (Pennsylvaniabahn,  New  Jork
Centralbahn)  sind  diese  Tröge  in  Anwendung.  Hier  hat  man
auch  besondere  Kohlenladevorrichtungen  in  Benutzung,  die  ein
sehr  schnelles  Auffüllen  des  erschöpften  Tenderkohlenvorrates
ermöglichen,  so  daß  die  Lokomotiven  weite  Strecken  durchfahren
können.  Die  vorgenannten  Wassertröge  eignen  sich  für  Länder
mit  gelindem  Winter.  In  Deutschland  würden  sie  zur  Winterszeit ­
  zufrieren,  daher,  wie  in  Nordamerika,  durch  Dampf  geheizte ­
  Wärmevorrichtungen  nötig  machen,  die  aber  umständlich
und  nicht  genügend  zuverlässig  sind.  Außerdem  bedingen  hier
die  Postwagen,  wie  schon  angedeutet,  durch
Ausladen  der  Postsachen  meistens  so  viel  (fahrplanmäßigen)
Aufenthalt,  daß  währenddessen  die  Tender  mit  dem  nötigen  Wasser  aufgefüllt  werden  können.
Eine  große  Annehmlichkeit  für  die  Reisenden  sind  die  durchlaufenden  Wagen*)
(Kurswagen),  welche  ein  Umsteigen  auf  den  Abzweigstationen  unnötig  machen.  In  Deutschland ­
  laufen  solche  Wagen  z.  B.  von  Berlin  nach  Vlissingen,  Basel,  Nizza,  Rom,  von
Wien  nach  Hamburg  u.  s.  w.  Sie  bedingen  an  denjenigen  Stationen,  auf  denen  sie  in
eine  neue  Richtung  übergehen,  ein  Anhalten  der  Züge,  um  abgehängt  und  an  den  neuen
Zug  herangeführt  zu  werden.  Züge  mit  verschiedenen  Kurswagen  müssen  entsprechend  oft
anhalten.  In  England  besteht  nun  auf  vielen  Linien  die  Einrichtung,  daß  ein  Teil  der
Schnellzüge  gewisse  Stationen  ohne  Aufenthalt  durchfährt,  während  der  andere  Teil  an
diesen  hält,  dagegen  die  Haltestationen  des  ersteren  durchfährt.  Die  betreffenden  Kurs-*)
  Auch  Güterwagen  mit  gewissen  Ladungen  durchlaufen  jetzt  lange  Strecken  verschiedener
Snnber.  So  verkehren  zahlreiche  Fruchtwagen  (Südfrüchte,  Gemüse)  zwischen  Süditalien  und
Norddeutschland.  Durch  die  im  nächsten  Abschnitt  erörterten  Eisenbahnfähren  ist  es  sogar  ermöglicht, ­
  daß  Wagen  der  dänischen  Jnselbahnen  nach  Deutschland  und  Skandinavien  übertreten
und  umgekehrt  deutsche  Wagen  nach  Kopenhagen  und  Stockholm  gelangen;  ja,  es  verkehren  seivp
schwedische  Wagen  zwischen  Drontheim  und  dem  fern  im  Süden  gelegenen  Brindisi.
41  *

s.o

<  .  333.  Wagrrkra»  der
OClä  v£tll=  UNV  Londoner  Untergrundbahnen.
            
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