Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Fahrpreise.  Störungen  durch  Schnee.  327
Vergleicht  man  die  Preise  von  1840  mit  denen  der  heutigen  Personenzüge  Preußens,
so  zeigt  sich  merkwürdigerweise  eine  fast  genaue  Übereinstimmung.  Allerdings  ist  zu  beachten, ­
  daß  damals  das  Geld  höher  im  Werte  stand  und  den  Reisenden  viel  weniger
Bequemlichkeiten  geboten  wurden.  Auch  die  Fahrgelegenheit  und  die  Reisedauer  ließ
derzeit  recht  zu  wünschen.  So  fuhren  damals  auf  der  Leipzig-Dresdener  Bahn  täglich
nur  2  Personenzüge  nach  jeder  Richtung,  deren  Fahrtdauer  3 1 / 2  bis  4  Stunden  betrug,
was  einer  Reisegeschwindigkeit  von  28%  bis  30  lcva/Std.  entspricht.  Heute  wird  dieselbe
Strecke  von  13  Zügen  in  jeder  Richtung  täglich  befahren,  mit  einer  Fahrtdauer  von
1%  bis  3  Stunden.
Ein  anderes  Beispiel  dieser  Art  bietet  die  Bahn  von  Berlin  über  Magdeburg  nach
Hannover.  Im  Jahre  1846  verkehrten  auf  ihr  2  Züge  in  jeder  Richtung,  deren  schnellster
über  12  Stunden  für  diese  Strecke  bedurfte.  Im  Jahre  1850  liefen  bereits  3  Züge  in
jeder  Richtung,  ihre  kleinste  Reisedauer  betrug  rund  10  Stunden.  Heute  laufen  ans
dieser  Bahn  10  Züge  in  jeder  Richtung,  und  man  kann  die  Strecke  bereits  in  4%  Stunden
zurücklegen,  wobei  zu  beachten  ist,  daß  seit  den  70er  Jahren  noch  eine  zweite  Bahn
zwischen  Berlin  und  Hannover  (über  Stendal)  in  Benutzung  genommen  wurde,  die  täglich
von  12  Zügen  in  jeder  Richtung  befahren  wird  mit  einer  kleinsten  Reisezeit  von
3%  Stunoen.  Gewiß  ein  großer  Fortschritt.
Schneepflugs  und  Schneeschlcudermaschinen.
In  schneereichen  Wintern  haben  die  Eisenbahnen  der  gemäßigten  Zone  häufige
Störungen  durch  Schneeverwehungen,  im  Hochgebirge  auch  durch  Lawinenstürze  zu
erleiden.  Ganz  gewaltige  Schneemassen  lagern  sich  dann  auf  den  Gleisen  ab,  namentlich  in
Einschnitten.  Ihre  Beseitigung  kostet  viel  Zeit,  Arbeit  und  Geld,  dabei  wird  der  Verkehr ­
  empfindlich  gestört  und  geschädigt.  Nicht  nur  auf  den  besonders  schneereichen  Abschnitten ­
  der  Gebirgsbahnen  (Schottland,  Norwegen,  Schweiz,  Amerika)  ist  ein  Festfahren
und  stundenlanges  Steckenbleiben  der  Züge  im  Schnee  wiederholt  vorgekommen,  sondern
auch  recht  oft  im  Hügellande,  selbst  im  Flachlande.
In  dem  besonders  schneereichen  Winter  1886/87  gab  es  in  Deutschland  und  Österreich ­
  viele  unliebsame  Störungen  im  Zugverkehr  und  dadurch  Schädigungen  im
Handel  und  Gewerbsleben.  Allein  im  Monat  Dezember  1886  sind  auf  deutschen  Bahnen
(ausschließlich  der  bayerischen)  infolge  Schneeverwehungen  2716  Züge  ausgefallen,  während
711  Züge  nur  einen  Teil  ihres  Weges  gefahren  werden  konnten  und  2315  Züge  Verspätungen ­
  erlitten.  Für  die  sächsischen  Staatsbahnen  sind  die  in  jenem  Winter  eingetretenen ­
  Mindereinnahmen  nur  im  Personenverkehr  auf  rund  100  000  Mark  geschätzt
worden,  während  dort  anderseits  die  Kosten  für  Schneebeseitigung  in  zwei  Monaten  die
beträchtliche  Summe  von  rund  442*000  Mark  ausmachten.
Seitdem  sind  die  Eisenbahnverwaltungen  noch  mehr  bemüht  gewesen,  ihre  den
Schneeablagerungen  in  verstärktem  Maße  ausgesetzten  Gleisstrecken  durch  feste  Schneewehren, ­
  wie  Hecken,  Waldschutzstreifen,  Mauern,  Erdwälle,  feste  und  versetzbare  Schneezäune ­
  ans  Flechtwerk,  Schwellen  oder  Bohlen  zu  schützen  und  bessere  Vorkehrungen  zur
Beseitigung  von  Gleisverwehungen  zu  treffen.  Da  wo  Lawinenstürze  zu  befürchten  sind,
baut  man  Schneegalerien  und  Schneedächer,  über  die  die  Lawinen  uiedersausen,  oder
errichtet  auch  kräftige  Leitwerke  (versteifte  Holzwände,  Steinmauern),  um  sie  aus  ihrer
gewohnten,  die  Bahnlinie  bedrohenden  Rutschungsrichtung  abzulenken.  Die  Gotthardbahn
ist  besonders  reich  au  solchen  Galerien.  Noch  ausgedehnter  sind  die  oft  mehrere  Kilometer
langen  Schneedächer  (Abb.  84)  der  amerikanischen  Überlandbahnen,  namentlich  in  dem
Felsengebirge  und  in  den  westlich  davon  gelegenen  Selkirks.
Hochgelegene  Waldstreifen  sind,  wenn  genügend  dicht  und  breit,  ein  allbekanntes,
sehr  gutes  Schutzmittel  gegen  Schneerutschungen.  Heißt  es  doch  schon  im  „Wilhelm  Teil":
.,  .  .  .  Die  Lawinen  hätten  längst
den  Flecken  Altdorf  unter  ihrer  Last
Verschüttet,  wenn  der  Wald  dort  oben  nicht
Als  eine  Landwehr  sich  dagegen  stellte."
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.