Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Seilbahnen. 343 
wie das Zugseil, durch Rollen im Gleis gestützt. Es ist auf diese Weise gleichsam ein 
endloses Seil geschaffen, das auf eine etwaige Änderung der Triebkraft ohne Emfluß rst 
und das den Wasserverbrauch ganz erheblich mindert. Ein solches Ausgleichs erhöht 
freilich die Kosten, auch belastet es das Zugseil etwas durch seinen Rerbungswiderstand 
und seine Schwerkraft, weshalb die neuesten Seilbahnen keinen Gebrauch von chm machen. 
Bei den 17 Schweizer Seilbahnen findet es sich nur zweimal angewendet: Bet der Biel- 
Magglingen- und bei der Beatenbergbahn. In Abb. 339, welche eine Stelle dieser letzteren, 
vom Thuner See bis zu dem 556 in höher gelegenen malerischen Luftkurort Beatenberg 
führenden, 1695 m langen Seilbahn wiedergibt, ist das Ausgleichseil unterhalb des 
Wagens deutlich erkennbar. Sonst besitzt noch die 1880 eröffnete Bahn auf den Vesuv 
ein solches Ballastseil. 
Zwei andere Wege zur Herbeiführung 
des Seilausgleichs sind folgende: Entweder 
macht man das Wassergewicht veränderlich, 
indem mit zunehmender Fahrt ein Teil des 
im Wagenbehälter befindlichen Wassers von 
Zeit zu Zeit vom Wagenführer abgelassen 
wird, wie solches auf der Lauterbrunnen- 
Grütschalpbahn geschieht, oder man gibt der 
Bahn nicht ein geradliniges, sondern ge 
krümmtes Gefälle. Dieses Mittel ist 
technisch das bemerkenswertere. Nach der 
vom Ingenieur Vautier in Lausanne zuerst 
aufgestellten Theorie muß diese Krümmung 
(in senkrechter Ebene) nach einer Parabel 
verlaufen, deren Scheitel unten liegt. Es 
ist dann auch die obere Strecke steiler geneigt 
als die untere. Infolgedessen wird nicht nur 
die Triebkraft des zu Thal gehenden Zuges 
an jeder Selle der Bahn gleich dem Ge 
samtwiderstande des zu Berg steigenden 
Wagens, sondern es wird auch gleichzeitig 
das Anfahren der Wagen ohne weiteres (nach 
Einfüllung des Ballastwassers und Lösen 
der Bremsen) ermöglicht. Es ist dieses 
wieder eine der vielen hochinteressanten, 
wissenschaftlich gehaltenen Lösungen tech 
nischer Probleme. 
Ist nun aber die Bahnlänge beträcht 
lich, so fällt das gesamte Seilgewicht recht 
groß aus. Man teilt dann die ganze Bahn 
zweckmäßig in Unterabteilungen und betreibt 
jeden Abschnitt für sich. Die bei klarem 
Wetter eine zauberhaft schöne Aussicht auf 
die Vierwaldstätter- und Berner-Oberland-Alpen u.s.w. gewährende Stanserhornbahn 
wit ihrem herrlichen Rundblick von der oberen Bahnstation und dem 50 in höher gelegenen 
schmalen Berggipfel (1900 m über dem Meeresspiegel) aus auf die hehre Gebirgswelt ist 
in dieser Weise in drei Abschnitte zerlegt. Jeder derselben wird für sich elektrisch betrieben ), 
*) Die Energie wird mehrere Kilometer vom Stanserhorn entfernt im Thäte bei Buochs 
aus der Engelbergcr Au gewonnen. Zwei Turbinen entnehmen dem FlusseZ50 Pferdeftar , 
die durch Dynamos zunächst in elektrische Energie umgesormt und dann mit 1350 Volt Spa 0 
teils zum Bürgenstock (Seilbahn und .Hotelbeleuchtung), teils »ach Stans' (Stt-v »bahn nach 
Stansstad), teils nach den drei Stationen der Stanserhornbahn geleitet und hier durch 1 . 
Elektromotor in mechanische Arbeit (Zahnradübersetzung auf die Seilrolle) zuruckverwandel 
341. ttmkehrroltr nebst Fültrohr am Gießbach. 
(Grundriß zu Abd. 336.1
	        
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