Die Londoner Untergrundbahnen. 357
Trotzdem ist die Luft im Tunnel sehr schlecht. Die Bahnsteige sind nur ca. 2 m breit,
zum Vorteil der Reisenden ist aber hier der Verkehr weniger lebhaft als auf anderen
Stationen, was bei den Riesentreppen (Aufzüge fehlen) auch kein Wunder ist. Die Shad-
wellstation ist ganz ähnlich angelegt und dadurch noch bemerkenswert, daß über ihrem
einen Ende sich der Viadukt der Blackwallbahn (S. 336) hinzieht. Zwei Pfeiler derselben
ruhen auf dem Tunnel der East Londonbahn und mußten nebst fünf anderen bei deren
Bau abgefangen und untermauert werden, ohne daß der Betrieb der Hochbahn gestört
werden durste; dabei haben die Gleise beider Bahnen hier 20 in Höhenabstand.
Die Anlagekosten der Untergrundbahnen find sehr hohe. Ungewöhnlich hoch sind
sie auf dem 1884 vollendeten Schlußstück des Jnnenrings gewesen. Dieser nur 2,8 km
lange Bahnabschnitt hat insgesamt die ungeheure Summe von rund 65 Millionen Mark
gekostet, das macht rund 23*/* Millionen Mark für das Kilometer. Die Einzelkosten stellen
sich wie folgt:
Baukosten 5788000 Mark
Grunderwerbskosten 10821000 „
Nebenkosten für Kanalisation und Straßenerweiterung 6638000 „
SbS. tMrerlchuitt der Station Mapping.
Ziehen wir des Vergleichs wegen die Berliner Stadtbahn heran, so ergeben sich zugleich
für die älteren Abschnitte der Londoner Untergrundbahn folgende Zahlen:
a) Baukosten für 1 km
Älterer Abschnitt der Untergrundbahnen 2500000 Mark
East Londonbahn (nördlich der Themse) 4324000 „
Jnnnenring-Schlußstück 5788000 „
Berliner Stadtbahn 2745000 „
b) Gesamtkosten für 1 km
Ältere Abschnitte der Untergrundbahnen 7800000 Mark
Jnnenring-Schlußstück (1883) .... 23247000 „
Berliner Stadtbahn (1883) 5643000 „
In den beiden letzten Beträgen sind die Kosten für wiederverkäufliche Grundstücke ein
begriffen. Die reinen Baukosten sind auf dem Schlußstück des Jnnenrings ungefähr doppelt
so hoch gewesen wie die der Berliner Stadtbahn. Die Grnnderwerbskosten haben sich in
London trotz der unterirdischen Anlage fast viermal höher gestellt als in Berlin.
Infolge des hohen Anlagekapitals ist trotz des starken Verkehrs dieser Bahnen die
jährlich zur Verteilung gelangende Durchschnittsdividende nur sehr gering. Auch d>e
Berliner Stadtbahn, welche seiner Zeit durch den Staat ausgebaut wurde, verzinst ihr
Kapital nur schwach. . ,
Bewundernswert ist der Betrieb der Untergrundbahnen. Wer je auf ihnen gefahren
ist und auf ihreu Stationen verweilt hat, war mit Recht erstaunt über die große Zah er
Züge, die dort in so sicherer Weise im dunklen Schoß der Erde gefahren werden. Zug