Brücken des Mittelalters. 383
so wird das Lehrgerüst entfernt. Zu diesem Zwecke wird dieser Theil so angeordnet,
daß er etwas gesenkt werden kann, wodurch das Gewölbe sich selbst tragen muß. Die
Senkung bewirkt man in der Weise, daß man die Ständer des Lehrgerüstes in Sand
töpfe stellt und den Sand bei der Senkung herausfließen läßt, oder in der neueren Zeit
meistens dadurch, daß man Hebeschrauben verwendet, die bei dem Ausrüsten gleichmäßig
niedergedreht werden
(Abb. 393).
Der Unterneh
mungsgeist und Wage
mut der Römer schuf
Brücken bis 37 na
Spannweite, d.h. Weite
der Brückenöffnung.
Mit dem Niedergänge
des römischen Reiches
sah Europa während
vieler Jahrhunderte
derartige großartige
Bauten nicht mehr
entstehen. Die beiden
bedeutendsten Schö
pfungen auf diesem Ge
biete brachten in der
Folgezeit die Goten her
vor, wenigstens werden
die Aquädukte von Spo-
leto und Lissabon diesem
Volke zugeschrieben.
Diese Bauten dienten,
wie zahlreiche derartige 392 - Krgmentgrwülbe.
Römerwerke (genannt
seien die Aquädukte bei
Rom, Tarragona, Me-
rida, Segovia, Lyon,
Aspendus, Karthago,
Mitylene, Antiochia,
Rietz und der Pont du
Gard), derÜberführung
des . den Städten zu
geleiteten Wassers über
iiefe Schluchten.
Während in der
ersten Hälfte des Mittel-
alters die Schöpfungen
der Brückenbaukunst in 39». Lehrgerüst,
btelen Teilen Europas
vicht nur sehr gering an Zahl waren, sondern auch deren Wert kein hoher war, ent
standen in verschiedenen Teilen der übrigen Erde in diesem Zeitraume manche bedeutenden
Werke dieser Art. So wurden in Kleinasien durch die byzantinischen Kaiser eine große
Zahl Brücken erbaut; genannt seien die Brücke der heiligen Sophia und die Brücke
über den Rhyndacus. In späterer Zeit schufen hier die Türken manchen imposanten
Vrückenbau, so die Brücke über den Halys bei Köprü-Köi (Abb. 394) und die Brücke
doi Angora. Ersterer Bau hat zehn, letzterer sieben Bogenöffnungen. Als geschickte
Vrückenbauer dieser Zeit müssen besonders die Perser und Araber genannt werden.