Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Mittelalterliche deutsche Brücken. 387 
herrühren soll, eine Anschauung, die durch nichts erwiesen ist. Erwähnung verdienen aus 
dieser Periode ferner die Brücke über den Allier in Frankreich, die Brioudebrücke mit 
einer Spannweite von 50 in und die 1354 erbaute Burgbrücke in Verona mit 44,4 in 
Spannweite. 
Von den in Deutschland in dieser Periode erbauten Brücken sind als die ältesten 
und als die vier berühmtesten zu erwähnen die Brücken bei Regensburg, Dresden, 
Frankfurt und Prag. Die erstere Brücke wurde 1146, die Brücke bei Dresden 1260, 
die Frankfurter Brücke zwischen 1235 und 1276 und die Prager Brücke 1358 erbaut. 
Ob die Frankfurter Brücke schon unter Karl dem Großen zum erstenmal errichtet wurde, 
ist ungewiß. Bestimmte Nachrichten gehen nur bis auf das Jahr 1070 zurück. Nach 
dem Jahre 1235 wurde sie in Stein ausgeführt. Die Wichtigkeit dieses Brückenüberganges 
für den Weltverkehr geht daraus hervor, daß die Kaiser diesem Bauwerk ihre Unter 
stützung angedeihen ließen, und daß 15 italienische Bischöfe um das Jahr 1300 allen 
denen Ablaß erteilten, welche etwas zur Unterhaltung der Frankfurter Brücke beisteuerten. 
897. Alte Brücke ju Frankfurt a. iH. 
Infolge ihrer ungenügenden Fundierung hat die Brücke vielfache Unfälle erlitten. Auch 
die in Abb. 8, S. 25 (Ansicht von Rothenburg ob der Tauber) dargestellte Brücke ist eines 
der ältesten erhaltenen deutschen Brückenbauwerke. 
Die Zeit der Renaissance meist auch auf dem Gebiete des Brückenbaues be 
merkenswerte Leistungen auf. In den Jahren 1587—91 entstand die Rialtobrücke 
Zu Venedig, im Jahre 1569 ivurde von Bartolomeo Ammanati die Arnobrücke 
in Florenz mit einem Mittelbogen von 28 und Seitenbogen von 26 in Spannweite, 
vollendet. 
Die Sicherung der Brücken durch mächtige Türme und starke Befestigungsanlagen 
wurde namentlich seit der Anwendung des Pulvers zu Kriegszwecken und Sprengungen 
ullgemein, da die Brücken naturgemäß besonders wichtige Objekte der Verteidigung waren. 
Zum Zweck der Verteidigung in Kriegszeiten, wie auch bei herannahenden Seuchen, 
insbesondere bei Pestgefahr wurden viele Brücken „abgeworfen", d. h. der Brückenbelag 
entfernt. Lange Zeit hindurch war den Brücken die Unverletzlichkeit zugeeignet, d. h. auf 
ihnen durften keinerlei Thätlichkeiten begangen werden. Als Zeichen dieser sogenannten 
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