Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

450  Flußkanalisierungen.

Lassen  sich  diese  einfachen  Hilfsmittel  nicht  anwenden,  so  ist  eine  künstlicheFischtreppe
nötig.  Ihre  Anlage  muß  so  sein,  daß  sie  die  Fische  bequem  benutzen  können,  vor  allem,  daß
sie  ihre  Mündung  im  Unterwasser  leicht  finden,  damit  nicht  Herstellungskosten  und  Wasserverlust ­
  umsonst  aufgewendet  sind.  Bei  Wehrkonstruktionen  mit  fester  Bedienungsbrücke  legt
man  die  Fischtreppe  gern  in  einen  Mittelpfeiler,  weil  sie  dann  dem  Stromstriche  näher  ist
und  ein  Mißbrauch  weniger  zu  befürchten  steht.  Bei  Wehren,  die  ganz  niedergelegt  werden,
ist  ihre  Lage  in  einem  hochwasserfreien  Landpfeiler  besser,  weil  bei  solchen  die  Mittelpfeiler
überströmt  werden,  und  folglich  die  Fijchtreppe  Beschädigungen  ausgesetzt  ist.  Das  Bauwerk
besteht  aus  einer  Anzahl  von
Becken  in  den  vorgeschriebenen
Maßen  mit  dazwischen  liegenden
Sperren.  Ihre  Kronen  sind  entweder ­
  mit  einem  abwechselnd  gerichteten ­
  Seitengefälle  versehen,
oder  mit  versetzt  angeordneten
Einschnitten,  um  die  durchfließende ­
  Strömung  abzulenken  und
so  ihre  lebendige  Kraft  zu  verzehren. ­
  Deshalb  müssen  auch
alle  vom  Wasser  benetzten  Teile
rauh  gelassen  werden.  Man  dar
aber  dabei  nicht  so  weit  gehen,
daß  ein  wirbelreicher  Strom
entsteht,  weil  diesen  die  Fische
meiden.
Bei  der  Cailschen  Fisch-454.
  Caitkche  Treppe.  Grundriß.  treppe  sind  die  Öffnungen  in  den
Sperren  am  Boden  angebracht
und  so  bemessen,  daß  die  Fische  hiudurchschlüpfen  können.  Diese  Anordnung  bildet  den  Übergang ­
  zu  den  Fischpässen.  Die  einfachsten  Arten  lassen  sich  bei  Wehren  mit  sanft  geneigter
Krone  anordnen.  Es  sind  dies  senkrecht  zur  steilsten  Neigung  gerichtete  Einschnitte,  in  denen
stets  eine  kräftige  Strömung  vorhanden  ist,  auch  wenn  über  den  Fachbaum  wenig  oder  gar
kein  Wasser  fließt.  Ist  der  Wehrrücken  hierzu  zu  steil,  so  ordnet  man  den  Fischpaß  schräg
an;  oft  genügt  ein  schräg  auf  dem  Wehr  befestigter  Balken.  Diese  Pässe  werden  von  den
Fischen  lieber  aufgesucht  als  die  verwickelter  gebauten  Treppen,  sie  verbrauchen  aber  mehr
Wasser.  Für  Flüsse  mit  stark  wechselnden  Wasserständen  empfehlen  sich  die  einfachen  Anordnungen ­
  nicht,  da  einmal  in  ihnen  das  Wasser  zu  stark,  das  andere  Mal  zu  schwach  strömen
wird;  dort  wendet  man  künstliche  Fischpässe  an.  Es  sind  dies  steinerne  oder  hölzerne
Rinnen  von  oftmals ­
  bedeutender
Länge.  Um  sie  zu
kürzen,  ermäßigt
man  die  Strömung ­
  durch  Einbauen ­
  teilweiser
Sperren  aus  Holz
oder  Stein,  zwischen ­
  denen  das
Wasser  in  oft  sehr
gewundenem
Laufe  fließt.  Bei
größerer  Länge
sind  Ausruhplätze
„  .,,,  ,,  erforderlich.
455.  Caükche  Treppe.  Langenschnitt.  Besonders  zu
erwähnen  ist  hier
Macdonalds  Fischpaß,  weil  er  eine  sehr  steile  Neigung  (1:3)  zuläßt.  Bei  ihm  wird
die  lebendige  Kraft  des  Wassers  durch  Gegenströmung  verzehrt,  die  durch  passend  angeordnete ­
  Leitschaufeln  erzeugt  wird.  Der  Vorteil  dieses  Fischpasses  besteht  nicht  nur  in
der  steilen  Neigung,  sondern  auch  iu  der  gerader  Richtung  und  in  der  großen  Tiefe  des
strömenden  Wassers.
Alle  diese  Bauten  zur  Erhaltung  des  Fischreichtums  sind  in  Amerika,  Norwegen  'und
Großbritannien  viel  zahlreicher  und  großartiger  ausgeführt,  als  bei  uns.  So  ist  z  B.  der
Sevcrnfluß  in  besonders  musterhafter  Weise  damit  ausgestattet.  In  den  genannten  Ländern
hat  man  auch  ganze  Flußgebiete,  die  durch  Wasserfälle  bisher  gesperrt  waren,  den  Fischen  neu
eröffnet,  so  z.  B.  den  Ballysadarefluß  in  Irland.  In  ihm  steigerte  sich  der  Fischreichtum  so,
daß  in  dem  einen  Jahr  1870  9750  Lachse  gefangen  wurden.
            
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