Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Aalpässe.  451

Außer  beit  Lachsen  ist  von  den  Wandersischen  der  Aal  zu  berücksichtigen.  Für  ihn  sind
aber  andere  Einrichtungen  zu  treffen,  da  seine  Gewohnheiten  wesentlich  von  denen  des  Lachses
abweichen.  Die  im  Süßwasser  lebenden  Aale  sind  nur  weiblichen  Geschlechts;  sie  wandern
von  April  bis  Oktober  zu  den  im  Meere  lebenden  Männchen.  Bei  ihrem  Zuge  bewegen  sie
sich  auf  der  Sohle  des  Flusses  in  der  stärksten  Strömung.  Die  jungen  Aale  wandern  dann  im
nächsten  Frühjahr  stromauf,  da  sie  aber  sehr  wenig  Kraft  besitzen,  ziehen  sie  an  den  seichtesten

456.  Macdoiialds  Fischpatz  an  den  jtotomarfällln.

Stellen.  Um  also  diese  Fischart  zu  erhalten,  darf  den  Wanderungen  kein  Hindernis  entgegen ­
  stehen.
Bei  den  undichten  Nadelwehren  sind  sür  die  erwachsenen  Aale  keine  besonderen  Anlagen
nötig;  sie  können  sich  zwischen  den  Spalten  der  Nadeln  durchzwängen.  Anders  ist  dies  bei
dichten  Wehrkonstruktionen.  Besonders  dann  ist  ein  Fischwcg  empfehlenswert,  wenn  die  Krast
des  Flusses  Turbinen  treiben  muß,  da  die  der  stärksten  Strömung  folgenden  Fische  nach  den
Maschinen  gelockt  werden,  wo
ihnen  ein  elender  Tod  bevorsteht. ­
  Daher  ist  der  Werkkanal
mit  eineni  hinreichend  dichten
Netze  zu  schließen  und  für  die
wandernden  Fische  ein  Aalpaß ­
  zu  bauen.  An  seiner
Mündung  muß  eine  starke
Strömung  herrschen,  damit
die  Fische  ihn  finden.  Man
ordnet  daher  das  Banwerk  in
der  Nähe  der  Abzweigung  des
Werkkanals  an.  Die  Wände
müssen  von  Holz  sein  und  eine
dunkle  Farbe  haben,  weil  die
Fische  vor  Eisen  und  hellen  Stellen  zurückschrecken. ­
  Das  eingelassene  Wasser  kann
durch  Schlitze  in  den-  Wänden  wieder  abgeleitet ­
  werden,  da  der  Aal  den  einmal
eingeschlagenen  Weg  selbst  dann  nicht  verläßt, ­
  wenn  am  Ende  nur  feuchte  Stricke
ihm  den  Übergang  über  den  Wehrrücken
zeigen.  Freilich  ist  zu  diesem  Hilfsmittel
nur  dann  zu  greifen,  wenn  gar  kein
Wasserverlust  statthast  ist.  Der  Abfall  von
der  höchsten  Stelle  zum  Unterwasser  wird
durch  eine  Rinne  vermittelt,  in  der  niedrige
Einbauten  die  Strömung  mäßigen.
Kann  man  den  Aalpaß  in  eine  seichte
Stelle  münden  lassen,  so  ist  er  zugleich  für
die  jungen  Aale  zu  benutzen.  Man  füllt
dann  seine  Abfallrinne  innerhalb  der  Einbauten ­
  mit  Kies.  Zwischen  den  einzelnen
Steinen  suchen  sich  die  jungen  Aale  ihren
Weg.  Je  weiter  das  Wehr  stromauf  liegt,  um  so  gröber  muß  die  Füllung  sein,  weil  die
Wanderung  oft  über  ein  Jahr  dauert,  während  dessen  die  Brut  natürlich  wächst.
Kann  nian  den  Aalpaß  nicht  in  seichtes  Wasser  münden  lassen,  so  ist  für  die  jungen
Fische  besonders  Sorge  zu  tragen.  Oft  genügt  ein  ungehobeltes  schrüggestelltes  Brett,  worüber
eine  dünne  Wasserschicht  läuft.  Bei  größeren  Höhen  ist  es  besser,  eine  mit  Kies  gefüllte
Rinne  anzuwenden.  Schwierigkeit  macht  nur  die  Mündung  ins  Oberwasser.  Da  sie  trotz
der  wechselnden  Wasserstände  stets  seicht  bleiben  muß,  hat  man  sie  manchmal  schwimmend
angeordnet.  Man  hat  auch  mit  Kies  gefüllte  Röhren  in  den  festen  Wehrteil  eingemauert.
Ihre  Mündung  legt  man  so  tief,  daß  sie  nie  trocken  laufen  kann,  da  eine  zu  starke  Dnrch-57*


Querschotte
( l er

dal  rinne

457  bis  459.  Aalriiiiic.
            
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