490 Schiffahrtskanäle.
II. Hebewerke.
Hubhöhe
Länge des Trogs
Breite des Trogs
Tragfähigkeit
der Schiffe
IN
IN
IN
t
Grand Western-Kanal
Anderton am Weaver in der Nähe
14
—
—
8
von Liverpool, erbaut 1875 . . .
Les Fontinettes in Nordfrankreich, er-
15,35
22,87
4,72
100
baut 1882—1887
La Louviere im Canal du Centre, er-
13,13
40,6
5,6
800
baut 1886—1887
Henrichenburg bei Dortmund, voll-
15,4
43,2
5,8
400
endet 1899
bis 16
70
8,6
600
In Deutschland ist in den beiden letzten Jahrzehnten
eine außerordentlich rege
Thätigkeit auf dem Gebiete der künstlichen Wasserstraßen entfaltet worden, die zu einem
nicht geringen Teil den Anstrengungen des „Zentral-Vereins für Hebung der deutschen
Fluß- und Kanalschiffahrt" zu danken sind. Der Streit, ob die Eisenbahn oder der Kanal
den Vorzug verdient, ist bisher nicht zum endgültigen Austrag gekommen, und ebensowenig
ist bisher eine Einstimmigkeit darüber zu erzielen gewesen, ob auf den künstlich hergestellten
Wasserstraßen eine Gebühr zu erheben ist, oder nicht. Die Wage schwankt auf und ab,
und neuerdings tritt zur Bestürzung der Kanalfreunde Preußen wieder mit dem Versuch
hervor, auf dem kanalisierten Main Benutzungsgebühren einzuführen.
Von den in den letzten Jahrzehnten erbauten Kanälen sind zu nennen: Rostock-
Güstrowkanal, Ems-Jadekanal, Oder-Spreekanal, Dortmund-Emskanal und Elb-Travekanal.
Kanalprojekte liegen zur Zeit in Deutschland resp. Österreich und Belgien in größerer
Zahl vor, doch ist es bis jetzt unbestimmt, wann dieselben zur Ausführung gelangen werden.
Als die bedeutenderen sind zu nennen: Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin, Rhein-Weser-
Elbkanal (der sogenannte Mittellandkanal), Elster-Saale-Elbkanal, der Leipzig mit der
Elbe verbinden soll, Donau-Oder- und Donau-Moldau-Elbkanal, Elb-Kielkanal, Rhein-
Scheldekanal, Rhein-Maas- und Rhein-Nierskanal, Oder-Warthekanal, Donau-Mainkanal.
Von diesen Projekten steht in Deutschland neben dem Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin
das des Mittellandkanals im Vordergründe.
Wie das kühne Projekt existiert, Rom und Paris zu Seehäfen zu machen, so hat man
auch davon geträumt, einst Seeschiffe in den Hafenbassins von Berlin zu sehen. Dieses Ziel
verfolgen zwei Projekte Für das erste hat man im wesentlichen eine Verbindung durch die
Elbe und eine Vertiefung dieses Stromes ins Auge gefaßt, das zweite Projekt sieht eine Ver
bindung mit der Ostsee durch die Oder vor. Die nüchterne Erwägung hat vorläufig derartige
Projekte, deren Verwirklichung einen enormen Kostenaufwand bedingen würde, wiederum von
der Bildfläche verschwinden lassen. Die Bestrebungen konzentrieren sich zur Zeit auf die
Herstellung des Großschiffahrtsweges Berlin-Stettin für Schiffe mit 600 t Tragfähigkeit.
Bis jedoch auch eines der für diesen Großschiffahrtsweg ausgearbeiteten Projekte verwirklicht
sein wird, werden noch manche Jahre ins Land gehen.
Bis jetzt besitzt Berlin zwei Verbindungen mit deni Meere, eine nach Hamburg und
eine nach Stettin über den Finowkanal. Sodann besteht zwischen Stettin und Berlin eine
Schiffahrtsverbindung über den Oder-Spreekanal. Die Gesamtgüterbewegung Berlins betrug
1892 mehr als 10 Millionen Tonnen, wovon auf die Wasserstraßen allerdings der kleinere
Teil mit 4 627 518 t entfiel.
Um den großen Durchgangsverkehr von der Oder nach der Elbe und umgekehrt schneller
und leichter abwickeln zu können, als solches bet Benutzung des Friedrich-Wilhelms- und des
Finowkanals möglich war, ist der Oder-Spreekanal erbaut worden. Dieser Kanal war ein
Erfordernis, trotzdem in den Jahren 1847—1854 die Schleusen des Finow- und Friedrich-
Wilhelmskanals umgebaut und der Kanal hierdurch leistungsfähiger gestaltet worden war.
Der Oder-Spreekanal gestattet das Passieren von Fahrzeugen von 300 bis 400 t Trag
kraft. Der Verkehr auf diesem Kanal hat sich innerhalb weniger Jahre verfünffacht, so
daß bereits im Jahre 1895 eine Verbreiterung dieser Wasserstraße in Angriff genommen
werden mußte.
Der Dortmund-Emskanal ist bestimmt, das, was dem an Schätzen der mannigfachsten
Art reichen westfälischen Lande von der Natur versagt worden ist, zu ersetzen. Immer
dringender trat mit dem gewaltigen Emporblühen der Kohlen- und Eisenindustrie das Be
dürfnis nach künstlichen Wasserwegen hervor. Durch grüne Wieseuthäler und grasreiche Auen