Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Moderne  Hafenstädte:  Hamburg.

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mengen  aufspeichert  und  diese  womöglich  zur  Zeit  des  tiefsten  Ebbestandes,  wie  er  namentlich
zur  Zeit  der  Springfluten  eintritt,  rasch  ausströmen  läßt;  die  Wirkung  einer  solchen  Spülung
ist  natürlich  um  so  kräftiger,  je  größer  der  Höhenunterschied  zwischen  dem  im  Spülbecken
aufgestauten  Wasserstand  und  dem  Wasserspiegel  im  Hafen  ist.  In  langen  und  breiten
Hafenbecken  ist  die  Wirkung  der  künstlichen  Spülung  aber  immerhin  verhältnismäßig  gering.
Das  sicherste  und  überall  anwendbare  und  darum  auch  das  gebräuchlichste  Mittel  zur  Erhaltung ­
  der  Fahrwassertiefe  ist  die  Baggerung,  wie  wir  solche  bereits  kennen  gelernt
haben.  Es  gibt  eine  außerordentlich  mannigfaltige  Art  von  Baggern.  Neben  den  Eimerbaggern ­
  kommen  besonders  die  Pumpenbagger  und  Preßluftbagger  und  außerdem  die
Greifbagger  in  Betracht.  Abb.  525  zeigt  den  Kopf  eines  Pumpenbaggers.  Der  Boden
wird  hierbei,  falls  er  nicht  bereits  schlickig  genug  ist,  mit  Hilfe  einer  Rührvorrichtung  aufgelockert ­
  und  durch  ein  Saugerohr  emporgehoben,  m  m  sind  pflugscharähnliche,  sich  drehende
Körper,  welche  die  Masse  ablösen;  K  ist  das  Saugrohr,  durch  welches  die  außerordentlich
kräftige  Pumpe  das  Gemisch  von  Wasser  und  Erdmasse  emporhebt,  welches  durch  ein  in
V  befindliches  Ventil  gehindert  wird,  beim  Stillstand  der  Pumpe  zurückzufallen.
Um  das  Wesen  der  modernen  Häfen  kennen  zu  lernen,  empfiehlt  es  sich,  einige  der
hervorragendsten  vorzuführen,  und  zwar  dürfte  kurz  auf  die  Hafenbauten  der  folgenden
Städte  einzugehen  sein:  Hamburg,  Amsterdam,  Odessa,  Triest,  Genua,  Marseille,  Liverpool, ­
  London,  New  Jork  und  Bombay.

628  u.  524.  SUphcNing  des  (österreichischen  Lloich.
LäiigeilschnUt.

Querschnitt.

Hamburg  ist  die  erste  Seehandelsstadt  nicht  nur  des  Deutschen  Reiches,  sondern  auch
des  Kontinents  und  ist  nahe  daran,  sich  zur  zweiten  Hafenstadt  Europas  aufzuschwingen,
hat  doch  in  den  letzten  Jahren  sein  internationaler  Verkehr  den  von  Liverpool  nicht  nur  erreicht, ­
  sondern  sogar  schon  überflügelt.  Seine  Entfernung  von  der  See  beträgt  105  km;  die
seit  vierzig  Jahren  betriebenen  umfangreichen  Baggerungen  haben  es,  dank  den  leistungsfähigen ­
  Maschinen,  die  der  modernen  Jngenieurtechnik  für  solche  Zwecke  zur  Verfügung
stehen,  ermöglicht,  daß  Seeschiffe  bis  zu  einem  Tiefgang  von  7,s  in  die  Hamburger  Häfen
mit  voller  Ladung  erreichen  können.
Erst  im  Jahre  1866  erhielt  Hamburg  seine  erste  Kaianlage,  die  ein  direktes  Löschen
der  Seeschiffe,  in  erster  Linie  der  Dampfer,  gestattete.  Heute  stehen  Kais  in  einer  Länge
von  16  500  in  und  Schuppen  in  einer  Längenausdehnung  von  über  7000  in,  an  welchen
Kräne,  die  durch  Dampf  oder  Elektrizität  betrieben  werden,  aufgestellt  sind,  zur  Verfügung, ­
  und  schon  ist  man  wiederum  im  Begriff,  die  Hafenanlagen  ganz  bedeutend  zu  vergrößern. ­
  Diese  rasche  Ausdehnung  ist  als  der  deutlichste  Beweis  für  die  Zunahme  des
Verkehrs  in  den  Hamburger  Häfen  anzusehen.
Interessant  ist  es  zu  verfolgen,  wie  sich  von  Jahr  zu  Jahr  die  Zahl  der  angekommenen
Seeschiffe  vergrößert  und  wie  gewaltig  deren  Größe  zugenommen  hat.
Es  betrug  im  Jahre:
1850  die  Zahl  der  Schiffe  3763,  ihre  durchschnittliche  Größe  in  Registertonnen  123

183
293

IX  68
            
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