Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Das  Heben  und  Bergen  verunglückter  Schiffe.

Das  Heben  und  Bergen  verunglückter  Schiffe.
Die  regelmäßig  auftretenden  Stürme  bereiten  alljährlich  einer  großen  Anzahl  Schiffe
den  Untergang.  Findet  dieses  Ereignis  in  der  Nähe  der  Küste  statt  oder  innerhalb  einer
Schiffahrtsstraße  infolge  elementarer  Ereignisse  oder  durch  einen  Zusammenstoß,  so  bildet
das  gestrandete  oder  gesunkene  Fahrzeug  nicht  selten  ein  großes  Hindernis,  dessen  Beseitigung ­
  nötig  wird.  Die  zum  Heben  eines  gesunkenen  Schiffes  dienenden  Mittel  haben
bereits  eine  solche  Ausbildung  erlangt,  daß  in  zahlreichen  Fällen  noch  eine  Lösung  der
Aufgabe  möglich  sein  würde,  wenn  hierbei  nicht  die  Kostenfrage  die  ausschlaggebende
wäre.  Für  die  Hebung  gesunkener  Schiffe  kommen,  abgesehen  von  ganz  bestimmten  Fällen,
zwei  Methoden  zur  Anwendung  und  zwar  entweder  das  Aufwinden  mittels  Kräne
und  Winden  oder  die  Benutzung  des  Auftriebes,  wasserdicht  abgeschlossener  und  lee»
gepumpter  Pontons,  von  Luftsäcken  u.  s.  w.  Von  dem  letzteren  Mittel  hat  zuerst  der
Submarineingenieur  Bauer  Gebrauch  gemacht,  und  als  die  erste  gelungene  Hebung  eines
größeren  Schiffes  ist  die  des  Dampfers  „Ludwig"  durch  Bauer  zu  bezeichnen.  Bauerbefestigte
  mit  Hilfe  des  Tauchers  eine  große  Zahl  von  Ballons  mittels  starker  Haken,
welche  in  die  Seitenluken  des  Schiffes  gebracht  wurden,  au  das  Schiff,  pumpte  dann
Luft  in  diese  und  hob  das  Schiff  auf.  Nachdem  ihn  eine  Sturmnacht  um  die  Früchte
dieser  ersten  Arbeit  gebracht  hatte,  wiederholte  er  die  Hebung  im  Sommer  1864.  Es
glückte  ihm,  das  Schiff  abermals  hoch  zu  bringen,  worauf  er  es  auf  die  schweizerische
Küste  schleppte.

Für  das  Heben  leichter  Fahrzeuge  benutzt  man  offene  Prähme,  über  welche  schwere
Windebäume  gelegt  werden,  die  mit  Hilfe  von  Spillbäumen  (eingesteckten  Hebeln),
Flaschenzügen  und  Winden  gedreht  werden,  in  ähnlicher  Weise,  wie  Abb.  585  es  veranschaulicht. ­
  Die  an  dem  zu  hebenden  Schiffe  angebrachten  Ketten  winden  sich  auf  den
Windebäumen  auf.  Sobald  der  Rand  über  Wasser  gekommen  ist,  schöpft  man  das
Wasser,  falls  das  Schiff  nicht  oder  nur  wenig  beschädigt  ist,  aus,  so  daß  die  weitere
Hebung  von  selbst  erfolgt.  Anderenfalls  muß  das  Schiff  auf  eine  seichte  Stelle  aufgesetzt ­
  werden.
Ehe  auf  die  Hebung  untergegangener  Schiffe  weiter  eingegangen  wird,  möge  zunächst  die
Wiederaufrichtung  umgefallener  Schiffsfahrzeuge  behandelt  werden.  Die  Abb.  577
bis  579  zeigen  umgefallene  Schiffe,  Abb.  578  läßt  die  mächtigen  Spieren  erkennen,  mit
deren  Hilfe  das  Schiff  in  diesem  Falle  wieder  umgekantet  wurde.  Ein  in  der  Weser
gesunkener  Bagger  mußte  ebenfalls,  ehe  seine  Hebung  beginnen  konnte,  gewendet  werden;
wie  man  hierbei  verfuhr,  läßt  Abb.  579  erkennen.  Es  stand  für  die  Arbeit  ein  Schwimmkran ­
  zur  Verfügung,  der  nur  ein  Gewicht  von  40  000  kg  heben  konnte,  während  für
die  Aufrichtung  etwa  170000  kg  erforderlich  waren.  Um  diese  Leistung  zu  erzielen,
brachte  man  an  dem  Bagger  lange  Hebel  (a)  an,  und  zwar  wurden  die  starken  Balken,
            
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