Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

592  Schiffbau.

Hauptsache  zu  Verkehrszwecken  benutzt  wurden,  nur  zum  Befahren  der  Flüsse  oder  der
Meeresküsten  geeignet  waren.
Erst  später  wird  von  den  Phöniziern  berichtet,  daß  sie  sich  mit  ihren  Fahrzeugen
auf  das  offene  Meer  gewagt  haben.  Sie  dehnten  sogar  ihre  Fahrten  über  die  Grenzen
des  Mittelländischen  Meeres  aus  und  wußten  ihren  Kurs  durch  Beobachtung  der  Sterne
festzulegen.  Sie  legten  hiermit  den  Grund  zur  Steuermannskunde.  Leider  sind  uns  über
den  Bau  der  phönizischen  Schiffe  keine  zuverlässigen  Nachrichten  und  insbesondere  keine
geeigneten  Abbildungen  überliefert  worden.  Erst  von  den  Schiffen  der  Griechen  ist  uns
wiederum,  im  besonderen  durch  die  Forschungen  von  August  Böckh  und  Dr.  Bernhard
Graser,  ans  bildlichen  Darstellungen  auf  Münzen,  Gemmen  und  Reliefs,  sowie  aus  In-589.

  KMgricchifche  Triere.  Rekonstruklion  von  R.  Haack.
a  Ein  Teil  der  Außenwand  ist  weggedacht,  so  daß  alle  3  Nuderreihen  auf  ihren  Sitzen  sichtbar  sind,  b  zeigt  die  Ruderer
von  hinten,  e  Seitenansicht,  d  Ansicht  von  oben.

schriften  einiger  Aufschluß  zu  teil  geworden.  Im  besonderen  haben  die  auf  großen
Marmorplatten  eingemeißelten  attischen  Seeurkunden,  welche  1834  im  Piräus  gefunden
und  von  Professor  Böckh  in  der  1840  veröffentlichten  Ausgabe  wiedergegeben  wurden,
näheren  Aufschluß  über  den  Bau  der  athenischen  Schiffe  gegeben,  während  das  im
Jahre  1852  in  der  Akropolis  von  Athen  entdeckte  Marmorrelief  eines  Teiles  einer
Triere  leider  so  unvollständig  ist,  daß  die  Meinungen  über  die  Rekonstruktion  eines
solchen  Fahrzeuges  sehr  anseinandergehen.  Es  steht  nur  fest,  daß  die  Griechen  zur
Fortbewegung  der  Schiffe  Riemen  und  Segel  benutzten,  letztere  fanden  jedoch  nur
für  längere  Fahrten  und  bei  günstigem  Winde  Verwendung.  Bei  den  Kriegsschiffen
lag  die  eigentliche  Treibkraft  in  den  Riemen  —  daher  das  Bestreben,  die  Zahl  derselben ­
  durch  Anordnung  der  Ruderer  in  ein  bis  drei  Reihen  übereinander  zu  vermehren ­
  —  sowie  die  Hauptwaffe  in  der  Bngform  mit  dem  kupfernen  oder  eisernen
Schnabel  oder  Sporn.  Die  Lenkung  der  Schiffe  erfolgte  durch  zwei  Ruder  nach  Art
der  ägyptischen  Schiffe.
            
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